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Wahl in Indonesien : Eine gefestigte Demokratie

Aller Voraussicht nach auch künftig der indonesische Präsident: Joko Widodo bei seiner Stimmabgabe in einem Wahllokal in Jakarta Bild: Reuters

Nach der Wahl führt Amtsinhaber Joko Widodo die Hochrechnungen an. Die drittgrößte Demokratie der Welt erweist sich als gefestigt. Aber es gibt auch Gefahren.

          Schon wenige Stunden nach Schließung der Wahllokale scheint festzustehen, dass der indonesische Präsident Joko Widodo auch die nächsten fünf Jahre weiterregieren kann. Er kommt in den meisten Prognosen auf 55 Prozent der Stimmen und liegt damit rund zehn Prozentpunkte vor seinem Herausforderer, dem ehemaligen General Prabowo Subianto. Wenn sich diese Tendenz über die kommenden Stunden bestätigen sollte, dann wäre das ein in vielerlei Hinsicht positives Ergebnis.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          So zeigt der ruhige Ablauf der Wahl, dass sich die indonesische Demokratie 20 Jahre nach dem Ende der Diktatur gefestigt hat. Während es bei früheren Wahlen regelmäßig zu Ausschreitungen und sogar Toten gekommen war, hat es zumindest bisher nichts dergleichen gegeben. Stattdessen war die Atmosphäre an den meisten der immerhin 800.000 Wahllokale locker und gelöst.

          Die drittgrößte Demokratie der Welt bleibt damit ein positives Beispiel in einer Region, in der sich die bürgerlichen Rechte und Freiheiten ansonsten seit einiger Zeit auf dem Rückzug befinden. Ein möglicherweise autokratisch regierender Prabowo mit einem Hang zu feindseligem Nationalismus konnte verhindert werden. Die Wiederwahl Joko Widodos zeigt aber auch, dass den 193 Millionen Wahlberechtigten an Kontinuität gelegen ist. Zwar hat der Amtsinhaber seine Rolle als Hoffnungsträger für Demokratie und schnelle Entwicklung eingebüßt.

          Aber die Indonesier wissen offenbar zu schätzen, dass seine Bemühungen um eine Verbesserung der Infrastruktur gefruchtet haben. Damit scheinen die Voraussetzungen geschaffen, die auch ein längerfristiges Wachstum und auch Verbesserungen auf dem Arbeitsmarkt ermöglichen könnten. Und sie trauen Joko Widodo, der für seine Ortsbesuche („Blusukan“) bekannt ist, dass er am ehesten das Ohr am Volke hat.

          Das starke Votum könnte dem Präsidenten Widodo auch den nötigen Rückhalt geben, mehr Wagnisse einzugehen und die demokratischen Institutionen wieder zu stärken. Die bisher versäumte Aufarbeitung von Verbrechen aus der Vergangenheit sollte er nachholen. Aber es gibt auch Gefahren. Für seinen Wahlkampf hat sich Joko Widodo mit Kräften umgeben, die für ihre Unterstützung nun eine Gegenleistung verlangen dürften.

          Da ist nicht zuletzt sein zukünftiger Vizepräsident, der konservative Kleriker Ma’ruf Amin, der das bevölkerungsreichste muslimische Land der Erde weiter in Richtung einer strengeren Religiosität treiben könnte. Die Befürchtung, dass der Gegner Prabowo eine knappe Niederlage anfechten könnte, sollte sich bei einem so klaren Ergebnis nicht bewahrheiten. Stattdessen könnten die eigenen Verbündeten zu einem Problem für den Präsidenten werden.

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