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Wahl in Frankreich : Hollande knapp vor Sarkozy - Marine Le Pen überraschend stark

Der Sozialist François Hollande hat die erste Runde der Präsidentenwahl in Frankreich gewonnen Bild: dapd

Der Sozialist Hollande hat die erste Runde der Präsidentschaftswahlen in Frankreich vor Amtsinhaber Sarkozy gewonnen: Die endgültige Entscheidung fällt jedoch erst in der Stichwahl in zwei Wochen. Überraschend stark war die rechtsextreme Kandidatin Marine Le Pen mit rund 18 Prozent.

          François Hollande und Nicolas Sarkozy treten am 6. Mai zum Duell um das Amt des französischen Präsidenten an. Der Sozialist Hollande zieht als Favorit in die entscheidende Stichwahl in zwei Wochen. Im ersten Wahlgang der Präsidentenwahl am Sonntag erhielt er 28,63 Prozent der Stimmen. Amtsinhaber Nicolas Sarkozy (UMP) gelang mit einem Stimmenanteil von 27,08 Prozent (2007: 31,18 Prozent) der Einzug in die entscheidende Wahlrunde. Die Wahlbeteiligung lag mit 80,16 Prozent deutlich höher als erwartet.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Größte Überraschung des Wahlabends war das gute Abschneiden von Marine Le Pen. Mit rund 18 Prozent landete die 43 Jahre alte Vorsitzende des rechtsextremen Front National auf Platz drei. Dieses Ergebnis ist besser als das ihres Vaters Jean-Marie Le Pen im Jahr 2002, als dieser mit 16,86 Prozent der Stimmen in die Stichwahl gelangt war. Marine Le Pen sagte, sie repräsentiere eine „neue Rechte“. Der Linkspopulist Jean-Luc Mélenchon, der zeitweilig Marine Le Pen den dritten Rang streitig zu machen glaubte, kam auf nur rund 11 Prozent der Stimmen. Der Zentrumspolitiker Francois Bayrou sackte von 18,6 Prozent 2007 auf 9,1 Prozent ab. Insgesamt hatten sich zehn Kandidaten beworben.

          Die Kandidatin des grünen Parteienbündnisses „Europa Ökologie Die Grünen“, Eva Joly, kam auf 2,3 Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung erreichte zwar nicht das Rekordniveau des Jahres 2007 (knapp 85 Prozent der Wahlberechtigten), hielt sich aber mit etwa 80 Prozent auf einem hohen Stand. Im ersten Wahlgang 2002 hatten nur 71 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben.

          Insgesamt waren knapp 45 Millionen Franzosen in Frankreich, seinen Überseegebieten und im Ausland zu den Urnen gerufen. Anders als in Deutschland muss man sich in ein Wahlverzeichnis eintragen, um wählen gehen zu können. Die Zahl der Wahlberechtigten ist gestiegen, weil sich viele Franzosen in sozial benachteiligten Wohnvierteln hatten registrieren lassen.

          Viel hängt nun von der Stimmenübertragung in der Stichwahl ab. Erste Umfragen vom Sonntagabend sehen Hollande im zweiten Wahlgang mit 55 Prozent der Stimmen vor Sarkozy (45 Prozent). Insgesamt erreichte die Linke mit 44 Prozent der Stimmen ein ungewohnt hohes Niveau. Jean-Luc Mélenchon hat seinen Wählern empfohlen, im zweiten Wahlgang für Franois Hollande zu stimmen. Auch Eva Joly sprach eine Wahlempfehlung für Hollande aus.

          Marine Le Pen: „Meine Wähler sind frei“

          Unklar bleibt, ob Nicolas Sarkozy die Wähler Marine Le Pens für sich gewinnen kann. Seine auf Themen wie Einwanderung, Grenzschutz und Protektionismus fußende Kampagne zur Umwerbung der rechtsgerichteten Wählerschaft hat bislang, anders als 2007, nicht gefruchtet. Marine Le Pen kündigte an, sie werde beim traditionellen Umzug ihrer Partei zu Ehren Jeanne d‘Arcs am 1. Mai ihre Entscheidung bekannt geben. „Meine Wähler sind frei. Sie machen, was sie wollen“, sagte Marine Le Pen.

          Das Meinungsforschungsinstitut Ifop hat ermittelt, dass zwischen 40 und 50 Prozent der Wähler Marine Le Pens im zweiten Wahlgang für Sarkozy stimmen könnten. 20 Prozent entschieden sich für Hollande, der Rest bleibe dem Urnengang fern. Marine Le Pen sagte, sie habe die Schwerpunkte des Wahlkampfes bestimmt. Über das Scheitern des Euro, die Herkunft des Halal-Fleisches oder die Notwendigkeit von Handelsschranken und besseren Grenzkontrollen wäre sonst nicht debattiert worden, sagte sie.

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