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Wahl in Frankreich : Hollande: Hüten Sie sich vor voreiligen Prognosen!

Das starke Frankreich (Sarkozy) gegen den Wechsel (Hollande): in Umfragen liegt der Sozialist Hollande vorn Bild: AFP

Vor der ersten Runde der französischen Präsidentenwahlen am Sonntag liegt der sozialistische Kandidat Hollande in mehreren Umfragen deutlich vor Präsident Sarkozy. Doch auch die Zahl der Unentschlossenen ist groß.

          Kurz vor der ersten Runde der französischen Präsidentenwahlen am Sonntag haben mehrere Umfrageinstitute einen Vorsprung des sozialistischen Kandidaten François Hollande ermittelt. Hollande liegt laut Ipsos, CSA und BVA mit einem erwarteten Stimmanteil zwischen 29 und 30 und Prozent deutlich vor Präsident Nicolas Sarkozy mit 25 Prozent, der sich um eine zweite Amtszeit bewirbt. Doch die Meinungsforscher warnten am Freitag vor „Überraschungseffekten“. Fast jeder dritte Wahlberechtigte zögert noch, wem er im ersten Wahlgang seine Stimme geben soll. „Die Zahl der Unentschlossenen liegt konstant bei 38 Prozent. Das ist ein befremdliches Phänomen“, sagte der Leiter des Meinungsforschungsinstituts CSA, Jérôme Sainte-Marie.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Zudem sei die Zahl der Befragten, die ihr Desinteresse für den Wahlkampf bekundeten, seit Dezember angestiegen und liege nun bei 37 Prozent. Dies wird vom Meinungsforschungsinstitut BVA als Hinweis auf eine möglicherweise geringe Wahlbeteiligung gedeutet. BVA hat ermittelt, dass 24 Prozent der insgesamt knapp 45 Millionen Wahlberechtigten dem ersten Wahlgang fernbleiben könnten.

          Alle zehn Kandidaten nutzten deshalb ihre Wahlkampfauftritte am Freitag zu Aufrufen an die Franzosen, am Sonntag wählen zu gehen. „Bleiben Sie misstrauisch! Hüten Sie sich vor voreiligen Prognosen! Die Demokratie ist kein Spiel und auch keine Wette“, sagte Hollande und appellierte an alle Linkswähler, durch ihr Votum den Machtwechsel einzuleiten. Sarkozy gab sich ebenfalls kämpferisch und sagte, er vertraue den Umfrageergebnissen nicht. „Ich empfehle allen Beobachtern, gelassen das Ergebnis des ersten Wahlganges abzuwarten. Und ich zweifele nicht daran, dass er Überraschungen für uns bereit hält“, sagte der Präsident.

          „Eine Überraschung“ sagte am Freitag auch die Präsidentschaftskandidatin des Front National, Marine Le Pen, voraus. Sie fühle, dass die Franzosen entschlossen seien, das herrschende System zu bestrafen, sagte sie bei einem Wahlkampfauftritt im Burgund. Sarkozy zu wählen bedeute, „für jemanden zu stimmen, der praktisch schon weg ist“, sagte Marine Le Pen. Sie will mehr als die 16,86 Prozent erzielen, die ihren Vater 2002 in die entscheidende Stichwahl brachten.

          Der Linkspopulist Jean-Luc Mélenchon wiederum hat sich zum Ziel gesetzt, besser als Marine Le Pen abzuschneiden. Auch er sprach von Überraschungseffekten. „Wir haben Frankreich aufgeweckt“, sagte er bei einer Großkundgebung in Paris. „Das Volk, das 2005 mehrheitlich mit Nein gestimmt hat, rechnet jetzt ab“, spielte Mélenchon auf das gescheiterte Referendum über den europäischen Verfassungsvertrag an.

          Wahl im Zeichen der Wirtschaftskrise

          Die Präsidentenwahlen, die am 6. Mai im Duell der beiden Bestplatzierten entschieden werden, stehen im Zeichen der Wirtschaftskrise. Annähernd vier Millionen Franzosen sind arbeitslos, die Jugendarbeitslosigkeit hat mit 22,6 Prozent (Deutschland: elf Prozent) einen Höchststand erreicht. Dem Sieger steht einen Monat später eine weitere wichtige Wahl bevor: Am 10. und 17. Juni bestimmen die Franzosen in den Parlamentswahlen die Abgeordneten der Nationalversammlung neu. Für den Präsidenten geht es darum, sich eine möglichst breite Mehrheit zu sichern. Umfrageinstitute haben ermittelt, dass aufgrund der Wahlkreiseinteilung ein sozialistischer Präsident auf Koalitionspartner in der Nationalversammlung angewiesen sein könnte.

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