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Präsidentenwahl in Ecuador : Das Rennen um die Stichwahl ist noch offen

Kandidat des ehemaligen ecuadorianischen Präsidenten Correa: Andrés Arauz am Sonntag in Quito Bild: EPA

Der Kandidat des früheren Präsidenten Correa setzt sich bei der Wahl in Ecuador durch, verpasst aber den Sieg im ersten Wahlgang. Sein Gegner in der Stichwahl galt als gesetzt. Doch nun mischt ein dritter Politiker im Rennen mit.

          3 Min.

          Alles hatte vor der Wahl in Ecuador auf eine Stichwahl zwischen Andrés Arauz und Guillermo Lasso hingedeutet. Arauz war als Kandidat des früheren Präsidenten Rafael Correa so gut wie gesetzt. Seine linke „Union der Hoffnung“ (Unes) hatte insgeheim gar auf einen Sieg im ersten Wahlgang gehofft. Obwohl der wegen Korruption verurteilte und in Belgien lebende Correa eine sehr umstrittene Person ist, mobilisiert er in Ecuador immer noch die Massen. An dem von Correa angeführten Linksbündnis führt politisch kein Weg vorbei in Ecuador.

          Tjerk Brühwiller
          Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Der Unternehmer und dreifache Präsidentschaftskandidat Guillermo Lasso galt lange auch in den Umfragen als wahrscheinlicher Gegner von Arauz in einer Stichwahl. Er ist wirtschaftsliberal und vertritt mit der von ihm gegründeten Partei „Möglichkeiten schaffen“ (Creo) das Mitte-Rechts-Lager. Zudem setzte er auf die Ablehnung vieler Ecuadorianer gegen Correa. Allerdings wurden Lasso die Stimmen von einem weiteren Kandidat aus der politischen Mitte streitig gemacht, dem linksliberalen Unternehmer und politischen Neueinsteiger Xavier Hervas, der ein unerwartet gutes Resultat erzielte.

          Führungsfigur der Indigenen-Bewegung

          Nutznießer könnte der links-grüne Kandidat Yako Pérez von der Indigenen-Partei Pachakutik sein, der Lasso am Sonntagabend zwischenzeitlich um fast zwei Prozentpunkte distanziert hatte. Bei über 92 Prozent der ausgewerteten Stimmen hatte Lasso allerdings wieder zu Pérez aufgeschlossen. Wegen des knappen Resultats steht der Stichwahl-Gegner von Arauz derzeit noch nicht eindeutig fest.

          Pérez’ Einzug in die Stichwahl wäre die große Überraschung der Wahl. Der als Umweltaktivist bekanntgewordene Indigene gilt als eine der wichtigsten kritischen Stimmen von links gegen die frühere Correa-Regierung. Gleichzeitig ist er zu einer der Führungsfiguren der Indigenen-Bewegung in Ecuador aufgestiegen. Während der Proteste im Oktober 2019 gegen das Ende der Treibstoff-Subventionen stand Pérez in der vordersten Reihe. Darüber hinaus spricht er mit seinem Diskurs auch viele junge Wähler an.

          Außenseiterchancen: der indigene Kandidat Yaku Perez
          Außenseiterchancen: der indigene Kandidat Yaku Perez : Bild: AFP

          Die zwei möglichen Szenarien für die Stichwahl am 11. April könnten kaum unterschiedlicher sein. Das Duell zwischen Arauz und Lasso wäre voraussehbarer, da es sich um die klassische Ausgangslage zwischen links und rechts handelte. Der Wahlkampf dürfte sich weiter polarisieren. Allerdings ist mit Blick auf die Resultate der Präsidentenwahl und der gleichzeitigen Parlamentswahl fraglich, ob sich die ecuadorianischen Wähler mehrheitlich hinter einen konservativen Kandidaten stellen würden.

          Porträts zu den Kandidaten finden Sie hier.

          Eine Stichwahl zwischen zwei linken Kandidaten wäre indes sehr ungewöhnlich. Pérez gilt einerseits als Kritiker von Correa und der „korrupten Linken“, wie er selbst sagt. Das bringt ihm viele Stimmen der Correa-Gegner ein. Gerade wirtschaftspolitisch dürften allerdings viele liberale Wähler vor ihm noch mehr zurückschrecken als vor Arauz, da Pérez für eine Abkehr von Rohstoffexporten einsteht.

          Correas Weg zurück an die Macht wäre geebnet

          Unabhängig von der Ausgangslage für die Stichwahl gilt Arauz weiterhin als Favorit. Sein Sieg würde Correa den Weg zurück an die Macht ebnen. Der junge und unerfahrene Politiker macht kein Geheimnis daraus, dass Correa sein „Chefberater“ sein würde, sollte er die Wahl gewinnen. Vielen Wählern in Ecuador scheint dieser Gedanke offenbar zu gefallen. Als Correa an der Macht war, profitierte das erdölfördernde Ecuador wie andere Länder der Region von einem einmaligen Rohstoffboom, welcher der Regierung erlaubte, die Staatsausgaben hochzufahren. Davon profitierten viele Ecuadorianer aus bescheidenen Verhältnissen.

          Arauz ist bereits der zweite Politiker, den Correa als loyalen Nachfolger an der Spitze des Landes plazieren will. Der erste Versuch war gescheitert. Zwar hatte mit dem amtierenden Präsidenten Lenín Moreno 2017 sein Kandidat die Wahl gewonnen. Danach kam es jedoch zum Bruch zwischen Moreno und Correa. Die wirtschaftliche Lage Ecuadors hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits dermaßen verschlechtert und der Staatsapparat derart aufgebläht, dass Moreno eine wirtschaftliche Kehrtwende vollziehen musste und – auch unter Druck der internationalen Gläubiger – einen Sparkurs einschlug.

          Wer auch immer sich in der Stichwahl durchsetzen wird, steht vor einer schwierigen Aufgabe. Moreno hat es nicht geschafft, den Staatshaushalt ins Lot und den Schuldenberg unter Kontrolle zu bringen, den ihm sein Vorgänger überlassen hatte. Die Pandemie hat die ecuadorianische Wirtschaft und mit ihr die Bevölkerung in Nöte gebracht. Die Wirtschaftsleistung ist im vergangenen Jahr fast zehn Prozent eingebrochen. Die goldenen Jahre Ecuadors unter Correa sind heute nur noch eine Sehnsucht – doch offenbar weiterhin ein erfolgreiches Wahlversprechen.

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