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Rutte-Wiederwahl : Ein Sieg mit Abstrichen

  • -Aktualisiert am

Bild: Reuters

Mark Rutte hat den Vormarsch des Rechtspopulisten gestoppt – vorerst. Denn trotz europaweiten Jubels sind die Verluste des niederländischen Regierungschefs eindeutig. Sein Widersacher Wilders erkennt darin eine neue Chance.

          Zunächst bleibt es ruhig im Saal, in dem die VVD ihre Wahlparty feiert. Die Parteianhänger schauen auf die Leinwände und Bildschirme im Raum, der Fernsehsender NOS läuft: Die Moderatorin trägt das Ergebnis vor, es ist ein deutlicher Wahlsieg, aber der Balken bewegt sich nicht. Erst nach wenigen Momenten bemerkt sie den technischen Fehler. Da bricht der Jubel bei den Liberalen los. Sie fallen sich um den Hals. Viele wirken erleichtert.

          Timo Steppat

          Redakteur in der Politik.

          Die Liberalen kommen laut der jüngsten Hochrechnung auf 33 Sitze in der Zweiten Kammer, dem niederländischen Parlament. Das ist deutlich weniger als noch 2012 (41 Sitze), aber weit mehr als die 20 Sitze, auf die die Partei zeitweise in den Umfragen kam. Ein relativer Sieg.

          Leichter wählt es sich mit Äpfchelchen

          Bis zum Schluss haben die Parteien gekämpft. Noch am Wahltag selbst wollten sich 14 Prozent der Niederländer für eine Partei entscheiden, ergab eine Umfrage. Auf dem Platz vor dem Hollands Spoor Bahnhof in Den Haag etwa standen Wahlkämpfer des christdemokratischen CDA und verteilten Flyer und Obst. „Mit einem Äpfelchen wählt es sich leichter“, sagten sie den Passanten. Einer der Männer mit grünem CDA-Schal berichtete von einem „positiven Aufwind“.

          Wahl in den Niederlanden

          Der Andrang in den Wahllokalen war groß. Am Nachmittag stieg eine junge Wahlhelferin in eine der großen, schwarzen Wahlurnen, um unter Zeugen für mehr Platz zu sorgen. In Amsterdam sollen Stimmzettel knapp geworden sein. Am Mittag sollten bereits 55 Prozent der Niederländer gewählt haben, am Nachmittag waren es 71 Prozent und nach 18 Uhr, als viele von der Arbeit kamen, wuchsen die Schlangen vor den „Stembureaus“ noch weiter. Als die erste Prognose um 21 Uhr kam, blieben einige Wahllokale in Rotterdam, Amsterdam und Leiden zunächst geöffnet. Die Wartenden sollten die Möglichkeit bekommen, ihre Stimme noch abzugeben. Am Ende waren es 77,7 Prozent Wahlbeteiligung. Einen so hohen Wert gab es zuletzt in den 1980er Jahren.

          Die Niederlande sind politisiert wie schon lange nicht mehr. In der Straßenbahn erzählt eine junge Frau einem Begleiter, sie wolle diesmal die Partei von Ministerpräsident Rutte wählen, VVD. Hauptsache Wilders bekäme keine Chance. Ein Fremder mischt sich ein, Rutte sei total unsozial. Wenn sie Wilders verhindern wolle, könne sie doch jede andere Partei wählen.

          Im Ausland ist das Interesse groß an den Wahlen in Holland. Im Radio gibt es mehrfach internationale Presseschauen. Wie sehen BBC News, wie Washington Post oder deutsche Zeitungen die Wahl? In einem Land, für dessen Politik sich sonst nur wenige begeistern können, lohnt das schon für zufriedenen Stolz. Das Interesse zeigt sich auch am Eingang zur Wahlparty der VVD. Über 300 Journalisten sind akkreditiert, 250 stammen aus dem Ausland, heißt es. Während die internationalen Journalisten in einem Konferenzraum vor Fernsehern das Geschehen verfolgen, findet die Feier selbst unter den Anhängern der VVD und niederländischen Journalisten in einem Saal statt.

          Kameraleute und Fotografen dürfen kurz rein. Man muss tricksen, um an den Männern im schwarzen Anzug vorbeizukommen. Da trifft man zufriedene VVD-Anhänger, die vom Wahlkampf erzählen. Eine Frau aus der Provinz Gelderland berichtet, sie hätten bei dieser Kampagne wirklich alles gegeben. „Das haben wir hier alle zusammengemacht“, sagt sie und macht eine Drehbewegung mit der Hand.

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