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Wahl in den Niederlanden : Unter Feinden

  • -Aktualisiert am

Geert Wilders Bild: EPA

Geert Wilders wächst mit der Zahl seiner Feinde. Er lebt an einem geheimen Ort in den Niederlanden. Er glaubt, Muslime hätten das Land gekapert. Und er will es zurückerobern – schon den blonden Frauen zuliebe.

          Geert Wilders ist Vorsitzender der „Partei für die Freiheit“. Das ergibt Sinn, denn er ist ein Gefangener. Wilders lebt seit zwölf Jahren unter Polizeischutz. Wo, hält er geheim. Auf der Internetseite der Zweiten Kammer des niederländischen Parlaments gibt es eine Liste. Alle Abgeordneten stehen dort mit ihrem Wohnort: Den Haag, Amsterdam, Utrecht, Julianadorp und so weiter. Der Abgeordnete Wilders ist der einzige, der keine Stadt hingeschrieben hat. Wilders ist auch der einzige, über den es heißt, er sehe seine Ehefrau nur ein- oder zweimal die Woche, weil alles andere zu riskant wäre. Der einzige, über den die Leute sich erzählen, er schlafe jede Nacht an einem anderen Ort; sie erzählen sich das natürlich, ohne es zu wissen, das ist ja gerade der Witz am Verstecken. Wilders ist der einzige, der sich nie abends noch eine Cola kaufen kann, ohne dass Sicherheitsmänner mitkommen, der einzige, den sein eigener Bruder „entfremdet vom normalen Alltagsleben“ nennt. Der einzige, der weit entfernt vom Volk seine Bahnen zieht. Weiter weg ist nur der Mond, und der ist bekanntlich kein Abgeordneter, sondern ein Satellit.

          Aber Geert Wilders spricht zum Volk. Und das hört ihn. Es ist eben ein Irrtum, dass man nah am Volk sein muss, um volksnah zu erscheinen. Es reicht schon, entsprechend zu reden und zu twittern. Zwar reicht es nicht immer zum Wahlsieg, so wie für Donald Trump. Aber ein Sieg ist es ja schon, wenn die Gegner sich fürchten. In zehn Tagen sind Parlamentswahlen in den Niederlanden. Selbst wenn Wilders’ Partei die meisten Stimmen bekommt, wird sie höchstwahrscheinlich nicht regieren. Ihr fehlt der Partner. In Umfragen hat sie zuletzt verloren. Kürzlich lag sie noch gleichauf mit der liberalen Partei von Ministerpräsident Rutte. Jetzt käme die auf 16,3 Prozent, Wilders’ Partei auf 15,7 Prozent. Aber wenn man schon die Nachkommastellen dazuschreiben muss, ist gar nichts ausgemacht.

          Und das, obwohl Wilders ständig Sachen sagt, die ihn nach Ansicht seiner Gegner ins Aus katapultieren müssten. Sein Programm ist die Ablehnung: erstens des Islams, zweitens der Europäischen Union, drittens und viertens des Islams. Der ist Wilders zufolge keine Religion, sondern eine als Religion getarnte antisemitische Ideologie. Somit falle er nicht unter die Religionsfreiheit. Das sagte er vor einer Woche in einem Interview der ARD. Schon vergangenes Jahr verglich er Moscheen mit „Nazi-Tempeln“ und den Koran mit „Mein Kampf“. Die Moscheen will er schließen, den Koran verbieten, überhaupt den Islam loswerden, der sein Land „gekapert“ habe; so beschrieb er es im Februar im niederländischen Fernsehen. Weniger als zehn Prozent der Niederländer sind Muslime - egal. Flüchtlinge nennt Wilders „islamische Testosteronbomben“, Marokkaner „Abschaum“. Nach den Silvesterübergriffen in Köln sprach er von einem „Sex-Dschihad“ und forderte, alle männlichen Asylbewerber in ihren Unterkünften einzuschließen, „so dass nicht ein einziger männlicher Asylsuchender mehr auf unseren Straßen ist“. Das ist extremer als alles, was Le Pen und Petry sagen. Trotzdem liegt Wilders in Umfragen auf Augenhöhe mit dem Ministerpräsidenten.

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