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Wahl in den Niederlanden : Unter Feinden

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Außenseiter sind gerade in Mode in der Politik. Sie kommen irgendwie unabhängig rüber, urteilen ihre Wähler. Wilders ist allerdings seit knapp zwanzig Jahren Berufspolitiker, länger als fast jeder andere niederländische Abgeordnete der Zweiten Kammer. 1998 zog er für die rechtsliberale „Volkspartei für Freiheit und Demokratie“ ins Parlament ein. Sechs Jahre später trat er aus und blieb für zwei Jahre seine eigene Fraktion, bestehend aus Geert Wilders. 2006 gründete er seine „Partei für die Freiheit“. Da lebte er schon seit zwei Jahren unter Polizeischutz. Islamfeindlich hatte er sich zwar schon länger geäußert und war deswegen auch bedroht worden; doch dann ermordete ein Islamist den Filmemacher Theo van Gogh. Es schien möglich, dass Wilders das nächste Opfer würde.

„Herr Wilders, das sind nicht mehr meine Niederlande“

Wurde er nicht. Stattdessen kämpfte Wilders härter, und mit jedem Jahr noch härter. Vor fünf Jahren schrieb er in sein Wahlprogramm, die Niederlande sollten nicht mehr als tausend Asylbewerber im Jahr aufnehmen. Heute will er gar keine mehr. Vor fünf Jahren wollte er verbieten, dass neue Moscheen gebaut werden. Heute: alle schließen. Und Geert Wilders suchte Verbündete gegen den Islam und die Europäische Union. Vergangenen Sommer reiste er in die Vereinigten Staaten. Dort trat er auf dem Parteitag der Republikaner auf. Seine Botschaft: Europa braucht Politiker wie Trump! Denn Europa solle so werden, wie Amerika unter Trump würde. Im Januar kam Wilders auch nach Deutschland. In Koblenz stand er mit Frauke Petry und Marine Le Pen auf der Bühne. „Europa braucht Frauke statt Angela“, rief er auf Deutsch. Denn Europa gehe es schlecht: Frauen hätten inzwischen „Angst, ihr blondes Haar zu zeigen“.

Auf diese Bemerkung sprach ein niederländischer Fernsehjournalist Wilders ein paar Wochen später an. Sie habe „ein Hohngelächter unter unseren blonden Frauen“ ausgelöst. Wilders antworte, indem er aus einer E-Mail zitierte, die ihm eine Frau geschrieben habe. Sie beschwerte sich darüber, dass im Kochunterricht einer Grundschule in Rotterdam nur noch Halal-Mahlzeiten gekocht würden, also solche ohne Schweinefleisch. Zitat E-Mail-Schreiberin: „Herr Wilders, das sind nicht mehr meine Niederlande.“ Kein Wort von blondem Haar oder Angst auf den Straßen. Aber viele Worte über Ärger.

Diesen Ärger gibt es auch in Deutschland, er drückt sich aus in Beschwerden wie „Deutschland schafft sich ab“. Wie den Deutschen geht es auch den Niederländern ganz gut, die Arbeitslosigkeit ist niedriger als in den meisten anderen europäischen Ländern. Das Land ist bekannt für seine Toleranz. Aber Wilders ist nicht der erste Niederländer, der gerade darauf baut: Indem der Islam zum Feind der Freiheit erklärt wird, sollen die, die ihn ablehnen, sich wie Freiheitskämpfer fühlen statt wie Leute, die eine Religion unterdrücken wollen. Der Politiker Pim Fortuyn tat das vor Wilders. Er nannte den Islam eine „feindliche Gesellschaft“ und wünschte sich, das Land solle keine Flüchtlinge mehr aufnehmen. Fortuyn versprach außerdem: „Wählt mich, dann dürft ihr Pelzmäntel tragen!“ 2002 wurde er von einem militanten Tierschützer erschossen. Wilders trat in die Lücke, die der Tod Fortuyns riss.

Seine Partei ist jetzt, elf Jahre nach ihrer Gründung, die drittstärkste im Parlament. Wilders hat für den Fall, dass sie bei der Wahl am 15. März stärkste Kraft wird, aber nicht regieren kann, eine Revolte vorausgesagt. Auf die Frage eines Journalisten, ob er damit gewaltsame Ausschreitungen meine, gab Wilders die eigenartige Antwort: „Revolte ist immer demokratisch und gewaltlos.“ Wahr sei aber auch, dass die Niederländer sich von ihrem „Scheinparlament“ nicht mehr vertreten fühlten. Wilders: wieder einmal volksnah. Und doch weit weg. Weil er seine Partei davor schützen will, „von den falschen Leuten übernommen“ zu werden, hat er sie auf ganz besondere Weise konstruiert: Die „Partei für die Freiheit“ ist die einzige Partei im niederländischen Parlament, die zwar von Mandatsträgern vertreten wird und Funktionen vergibt, aber nur ein Mitglied hat: Geert Wilders.

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