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Wahl in den Niederlanden : Unter Feinden

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Wilders’ Nachteil ist in der Politik zugleich sein Vorteil. Die Jahre in der Isolation mögen ihn vom Alltag der Niederländer entfernt haben, doch sie haben ihn näher herangebracht an jenen Alltag, den er seinem Land prophezeit: die Unterdrückung durch Muslime. Wilders versteckt sich, weil ihm Islamisten mehrfach mit dem Tode gedroht haben. Insofern beweist er am eigenen Leibe, dass Niederländer Feinde haben, die sich auf den Islam berufen. Vergangene Woche sagte Wilders alle Wahlkampfauftritte bis auf weiteres ab, weil einer seiner Sicherheitsleute einer marokkanischen Bande Geheimnisse über ihn verraten haben soll. Das macht Angst: Ein niederländischer Parlamentarier wagt es nicht mehr, öffentlich aufzutreten. Die Zeitungen berichteten. Diese Woche teilte Wilders mit, er nehme den Wahlkampf wieder auf. Die Zeitungen berichteten abermals.

Dem Schuldspruch folgt keine Strafe. Nur Aufmerksamkeit.

Wilders steht nicht nur im Mittelpunkt, er rotiert dort. Während andere Politiker auf Volksfesten vorbeischauten, widmete er sich seinem Aufstieg in den sozialen Netzwerken. Auf Twitter hat Wilders heute 780 000 Follower; Ministerpräsident Rutte hat gut ein Zehntel davon, 86 000. Rutte hat auch erst acht Tweets geschrieben, davon einen im Jahr 2010, einen 2011 und sechs in diesem Jahr. Wilders hat seit 2009 mehr als siebentausend verfasst. Unter anderem twitterte er es, wenn eine Zeitung ihn mal wieder zum meistdiskutierten Politiker der Niederlande gewählt hatte oder die Zuschauer einer Fernsehsendung ihn zum „Politiker des Jahres“ ernannten, so geschehen 2010, 2013 und 2015. Tritt Wilders auf, kann er sicher sein, dass die Medien berichten; allein schon, weil er seltener auftritt als andere.

Und dann krasser. Kürzlich hat ihn ein Gericht der Anstiftung zur Diskriminierung und der Beleidigung von Marokkanern schuldig gesprochen. Wilders hatte 2014 bei einem Auftritt seine Fans gefragt: „Wollt ihr weniger oder mehr Marokkaner in eurer Stadt und in den Niederlanden?“ Die Fans riefen: „Weniger!“, woraufhin Wilders grinsend sagte: „Wir werden uns darum kümmern.“ Seine Anwälte beriefen sich auf die Meinungsfreiheit und sagten, Wilders habe nur gesagt, was in seinem Parteiprogramm stehe. Der Richter entgegnete, darin sei von kriminellen Marokkanern die Rede, nicht von Marokkanern als Bevölkerungsgruppe. Dem Schuldspruch folgt keine Strafe. Nur Aufmerksamkeit.

Wilders wächst, wie Trump im Wahlkampf, mit der Zahl seiner Feinde. Sogar sein eigener Bruder zählt dazu. Paul Wilders kritisiert den neun Jahre jüngeren Geert seit Jahren in Interviews. Seit Dezember auch auf Twitter. Als Erstes postete er, dass er sich für seinen Bruder entschuldige. Als Geert Wilders sein Profil daraufhin so einstellte, dass er die Tweets seines Bruders nicht mehr sehen kann, prangerte Paul auch das an: „Wahre Männer verstecken sich nicht.“ Im Interview mit dem „Spiegel“ sagte er kürzlich, er wolle keine privaten Details über Geert ausbreiten, erinnerte sich aber wortreich daran, dass der als Jugendlicher schon „eine entsetzliche Plage“ gewesen sei, „egozentrisch und aggressiv“, so schlimm, dass die Mutter ihn rauswerfen wollte. Schon 2012 sagte Paul dem Magazin „Newsweek“, Geert sei ein Teenager außer Kontrolle gewesen. All das lässt Wilders als Außenseiter erscheinen. Lonesome Cowboy, travelling all alone.

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