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Till Fähnders (fäh.)

Wahl in Burma : Gefühlte Demokratie

Nach der Wahl steht Burma wohl ein langwieriger und unvorhersehbarer politischer Prozess bevor. Aber es gibt etwas, das die Militärs nicht mehr zurückholen können.

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          Die Skepsis vieler Beobachter ist angebracht. Burma, oder Myanmar, wie es von den Militärs und der Regierung genannt wird, hat auf seinem Weg zur echten Demokratie noch viel vor sich. Immer noch gibt es Fälle, in denen Freiheitsrechte beschnitten werden, immer noch kontrolliert das Militär teilweise die Politik. Die ethnische Minderheit der Rohingya wird systematisch verfolgt. Aung San Suu Kyi darf nicht Präsidentin werden. Noch ist unklar, ob die Wahl am Sonntag in dieser Hinsicht den erhofften Durchbruch bringen wird. Vieles weist auf einen langwierigen und unvorhersehbaren Prozess in den kommenden Wochen und Monaten hin. Aber es gibt etwas, dass die Militärs und ihre politischen Verbündeten wohl nicht mehr zurückholen können.

          Es ist das Gefühl der Menschen, in einem Wahllokal von ihren demokratischen Rechten Gebrauch und ihr „Kreuzchen“ gemacht zu haben (in Burma ist es diesmal ein Stempel). Für viele war es das erste Mal. So ist es auch kein Wunder, dass sie am Sonntag ihre mit Tinte markierten Finger in die Kameras hielten. Damit zeigen sie: Ich habe gewählt, und ich bin stolz darauf. Es ist keine Kleinigkeit in einem Land, in dem noch vor wenigen Jahren an jeder Ecke Spitzel des Militärgeheimdienstes darauf warteten, dass sich jemand mit einer unbedachten Äußerung schuldig machte. In einem Land, dessen Einwohner George Orwell als „Propheten“ bezeichneten, weil ihre Heimat sie so sehr an das erinnerte, was er in seiner Anti-Utopie „1984“ beschrieben hatte. 

          Die Farbe der Tinte wird in einigen Tagen verblasst sein. Aber das Gefühl ist haltbar. Sogar Aung San Suu Kyi, die sich vergangene Woche über den Mangel an echter Veränderung, über anhaltende Armut und Unregelmäßigkeiten im Wahlprozess beschwert hatte, musste Fortschritte zugestehen: Die Menschen in Burma seien heute besser informiert, interessierter und offener für Politik als jemals zuvor. Daran haben die Reformen ihren Anteil, die das Regime von oben nach unten verordnet hat, aber auch die modernen Kommunikationsmittel, die das einst abgeschottete Land im Sturm erobern. Selbst wenn sie es versuchen sollten: Es erscheint undenkbar, dass die alten Mächte den Bürgern das alles wieder nehmen könnten.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

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