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Wahlkampf in Brasilien : Bolsonaro zielt gegen das Establishment

Lula da Silva (zweiter von rechts, vorne) und Bolsonaro (dritter von rechts) Bild: AFP

Während einer Veranstaltung am Obersten Wahlgericht kommen sich Jair Bolsonaro und sein Kontrahent Lula da Silva so nah wie nie. Dabei entsteht ein Bild, das dem brasilianischen Präsidenten wohl nur recht ist.

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          Vereidigungen am Obersten Wahlgericht in Brasília gehen selten über das Zeremonielle hinaus. Doch am Dienstagabend war alles anders. Mit Ovationen reagierte der mit Persönlichkeiten aus Politik und Justiz gefüllte Saal auf die Ansprache von Alexandre de Moraes, der wenige Wochen vor der Präsidentenwahl Anfang Oktober den Vorsitz der obersten Wahlbehörde übernehmen wird. De Moraes verteidigte das Wahlsystem und die elek­tronischen Wahlmaschinen. Brasilien sei die einzige Demokratie der Welt, die noch am Wahltag selbst die Endresultate auswerte und veröffentliche, sagte de Moraes, und das auf schnelle, sichere, kompetente und transparente Weise. „Das ist ein Grund zu nationalem Stolz.“

          Tjerk Brühwiller
          Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Während der Applaus aufbrandete, zoomte die Kamera auf Präsident Jair Bolsonaro, der mit versteinerter Miene zwischen den Richtern des Wahlgerichts saß. Moraes Ansprache war direkt an ihn gerichtet. Wiederholt hatte Bolsonaro die Sicherheit des brasilianischen Wahlsystems angezweifelt. Die Wahlmaschinen könnten manipuliert werden, will er allen weismachen, obwohl es dafür keine Hinweise, geschweige denn Beweise gibt. Das elektronische Wahlsystem wurde seinerzeit just eingeführt, um die Möglichkeit des Wahlbetrugs zu minimieren. Seither funktioniert es einwandfrei.

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