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Wahl in Bolivien : Triumph eines sozialistischen Koka-Bauern

  • Aktualisiert am

Konfettiregen für Morales Bild: REUTERS

Beobachter sprechen von einem „Albtraum“ für die Vereinigten Staaten: Bei der Präsidentenwahl in Bolivien siegte mit klarem Vorsprung der Sozialist Morales, ein Gegner der amerikanischen Drogenpolitik.

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          Nach einem der deutlichsten Wahlentscheide in der Geschichte Boliviens steht der Sozialist Evo Morales vor dem Einzug in das Präsidentenamt. Beobachter sprachen von „einem Albtraum für die Vereinigten Staaten“.

          Morales hatte im Wahlkampf die Amerikaner scharf kritisiert und angekündigt, die Gasvorkommen des Landes zu verstaatlichen und den Anbau von Kokablättern zu legalisieren. Kokablätter sind ein Grundstoff der Droge Kokain. Nach Medienberichten erreichte Morales bei der Wahl in dem ärmsten Land Südamerikas am Sonntag einen Stimmenanteil von leicht über 50 Prozent. Zwar war er als Favorit gehandelt worden. Doch hatten Beobachter erwartet, daß Morales ebenso wie der rechtskonservative frühere Präsident Jorge Quiroga unter der Marke von 50 Prozent bleiben würde, womit der Kongreß den Präsidenten hätte wählen müssen.

          Der erste eingeborene Präsident

          Quiroga gestand aber bereits kurz nach der Wahl seine Niederlage ein und gratulierte den Sozialisten unter Morales. Er wäre der erste eingeborene Präsident in der Geschichte Boliviens, wo sich die indigene Bevölkerungsmehrheit von der aus Europa stammenden Elite ausgebeutet fühlt.

          Lateinamerika : Sozialisten gewinnen Wahl in Bolivien

          „Ab Morgen beginnt ein neuer Teil in der Geschichte Boliviens. Eine Geschichte, in der wir Gleichberechtigung, Gleichheit, Frieden und soziale Gerechtigkeit sehen werden“, rief Morales noch am Sonntag Hunderten Anhängern vor seinem Hauptquartier in Cochabamba zu. Sollte er tatsächlich in das Präsidentenamt einziehen, würde sich damit der Linksruck fortsetzen, der zuletzt bereits bei den Wahlen in Argentinien, Brasilien, Uruguay und Venezuela sichtbar geworden war.

          Für den Anbau von Kokapflanzen

          Der 46 Jahre alte Morales, der die „Bewegung zum Sozialismus (MAS)“ anführt, will den Anbau von Kokapflanzen erlauben. Zwar kauen Indios Kokablätter traditionell, um sich gegen die Höhenkrankheit zu wappnen. Allerdings ist die Pflanze auch wichtig für die Herstellung von Kokain. Bolivien ist der drittgrößte Kokainproduzent der Welt nach Kolumbien und Peru. Die Vereinigten Staaten wiederum führen einen Kampf gegen Drogen und deren Anbau. Sie hatten bereits angekündigt, nach der Wahl ihre Beziehungen zu Bolivien überprüfen zu wollen. Morales' Hauptkontrahent Quiroga hatte versichert, die strikte amerikanische Drogenpolitik zu unterstützen und Bolivien mit seinen 9,4 Millionen Einwohnern weiter auf Freihandelskurs zu halten.

          In den vergangenen drei Jahren waren in Bolivien zwei Präsidenten gestürzt worden. Die Revolten sind Ausdruck der Ungeduld der eingeborenen Bevölkerung angesichts der großen Armut im Land. Erst im Juni war Präsident Carlos Mesa zurückgetreten. Zuvor hatte es wochenlang teils gewaltsame Proteste der Indios für eine Verstaatlichung der Erdgas-Vorkommen gegeben. Die Demonstranten hatten zudem der Elite sowie ausländischen Firmen vorgeworfen, einseitig von der Verwertung der Bodenschätze zu profitieren.

          Um neue Krawalle zu verhindern, waren bei der Wahl 50.000 Polizisten im Einsatz. Der Verkauf von Alkohol war verboten worden, Geschäfte blieben weitgehend geschlossen. Etwa 200 ausländische Wahlbeobachter waren in das Land gereist, in dem Wahlpflicht herrscht.

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