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Waffenstillstand für Karabach : Freude in Baku, Wut in Eriwan

Männer streiten lautstark am Dienstag im von ihnen besetzten Parlamentsgebäude, um gegen die Vereinbarung zur Einstellung der Kämpfe um die Region Berg-Karabach zu protestieren. Bild: dpa

Nach der De-facto-Kapitulation in Nagornyj Karabach entlädt sich der Zorn der Armenier gegen ihre Regierung. Aserbaidschan feiert. Doch auch dort bleibt ein großer Wermutstropfen.

          6 Min.

          Seit der Nacht auf Dienstag gilt im Konflikt um Nagornyj Karabach ein neuer Waffenstillstand. Verkündet hat ihn Russlands Präsident Wladimir Putin. Einer seiner Vertragspartner, der armenische Ministerpräsident Nikol Paschinjan, dürfte die kommenden Tage politisch nicht überleben. Denn in Armenien wird das Ergebnis der sechs Wochen dauernden Kämpfe als nationale Katastrophe empfunden.

          Friedrich Schmidt
          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Das Abkommen garantiert dem Erzfeind Aserbaidschan die Rückeroberungen armenisch kontrollierter Gebiete, die Alleinherrscher Ilham Alijew seit dem 27. September mit türkischer Unterstützung erzielen konnte. Eine neue „Kontaktlinie“ ersetzt die alte von 1994; schon damals hatte ein von Moskau vermittelter Waffenstillstand den Krieg zwischen den früheren Sowjetrepubliken Armenien und Aserbaidschan um Nagornyj Karabach mit fast 30.000 Toten und Hunderttausenden Vertriebenen beenden sollen. Jetzt  werden russische Friedenstruppen stationiert, ihre Zahl ist genau im Abkommen aufgeführt: 1960 bewaffnete Soldaten mit 90 Truppentransportern, 380 weiteren Fahrzeugen und sonstiger Militärtechnik. Sie sollen „zeitgleich zum Abzug der armenischen Streitkräfte“ stationiert werden und fünf Jahre bleiben, bei automatischer Verlängerung um weitere fünf Jahre, wenn keine Vertragspartei widerspricht.

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