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Waffenruhe im Gaza-Konflikt : Die Sirenen schweigen

  • Aktualisiert am

Palästinenser feiern den Beginn der Waffenruhe im Gazastreifen. Bild: Reuters

Das Leiden der Menschen im Gazastreifen und in Israel hat nach elf Tagen vorerst ein Ende gefunden. Am frühen Freitagmorgen ist eine eine Waffenruhe in Kraft getreten. Russland fordert direkt Verhandlungen.

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          Die am frühen Freitagmorgen in Kraft getretene Waffenruhe im Gaza-Konflikt hat in den ersten sechs Stunden gehalten. Bis zum Freitagmorgen wurde in Israel kein neuer Raketenalarm mehr wegen eines Beschusses durch militante Palästinenser ausgelöst und im Gazastreifen wurden keine weiteren israelischen Angriffe verzeichnet. Die Waffenruhe war am Freitag 02.00 Uhr Ortszeit (01.00 MESZ) in Kraft getreten. Sie war vom israelischen Kabinett und von der Führung der islamistischen Hamas-Organisation in Gaza gebilligt worden.

          Die Konfliktparteien waren damit einem Vorschlag ägyptischer Vermittler gefolgt. Sie warnten jedoch, dass die Waffenruhe hinfällig würde, sollte sich die Gegenseite nicht an die zugrundeliegende Vereinbarung halten. Im Gazastreifen strömten Tausende Menschen auf die Straßen und machten inmitten von Ruinen ihrer Erleichterung über das Ende des Schreckens Luft. Sie zündeten Feuerwerkskörper, gaben Schüssen in die Luft ab und riefen „Allahu akbar!“ (Gott ist groß!).

          Der elftägige Schlagabtausch kostete 232 Menschen im Gazastreifen und zwölf Menschen in Israel das Leben. Eskaliert war der Konflikt mit dem Raketenbeschuss Jerusalems durch militante Palästinenser. Dem vorausgegangen waren Zusammenstöße und Konflikte zwischen Juden und Arabern in der beiden Gemeinschaften heiligen Stadt.

          Biden sieht in Waffenruhe eine „wirkliche Chance“

          Nach Worten von US-Präsident Joe Biden bietet die Waffenruhe eine „wirkliche Chance“, im Nahen Osten Fortschritte hin zu einem dauerhaften Frieden zu machen. Die USA stünden zusammen mit den Vereinten Nationen und anderen Partnern bereit, der Palästinensischen Autonomiebehörde mit humanitärer Hilfe und Unterstützung beim Wiederaufbau zu helfen, sagte Biden am Donnerstag (Ortszeit) im Weißen Haus.

          Auch UN-Generalsekretär António Guterres begrüßte die Waffenruhe. Er rufe alle Seiten auf, sich an die Vereinbarung zu halten, sagte Guterres. Nun müsse es um einen raschen Wiederaufbau und eine Wiederaufnahme von ernsthaften Gesprächen gehen, sagte der UN-Chef weiter. Die Vereinten Nationen würden Israel und die Palästinenser dabei unterstützen.

          Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) ließ sich über den Twitter-Account des Auswärtigen Amtes mit den folgenden Worten zitieren: „Nun gilt es, sich mit den Ursachen auseinanderzusetzen, Vertrauen wieder aufzubauen, Lösungen für (den) Nahostkonflikt zu finden“. Der Minister dankte Ägypten für die Vermittlung zwischen den Konfliktparteien. Maas war hatte sich am Donnerstag in Jerusalem und Ramallah dafür eingesetzt, den Nahost-Konflikt künftig „wieder ganz oben auf die Tagesordnung der internationalen Politik“ zu setzen.

          Russland begrüßte ebenfalls die Waffenruhe und forderte zugleich direkte Verhandlungen zwischen Israel und den militanten Palästinensern im Gazastreifent. Nur über Gespräche zwischen den beiden Parteien könne ein abermaliger Konflikt verhindert werden, sagte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, am Freitag der Agentur Interfax zufolge in Moskau. „Internationale und regionale Bemühungen sollten sich nun darauf konzentrieren, Bedingungen für die Wiederaufnahme direkter politischer Verhandlungen zu schaffen.“

          Die Folgen des brutalen Schlagabtausches, den die Hamas am 10. Mai mit Raketenbeschuss Richtung Jerusalem begonnen hatte, sind verheerend. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums vom Donnerstag befinden sich unter den 232 palästinensischen Opfern 65 Kinder und Jugendliche. 1900 Menschen erlitten Verletzungen. 1800 Wohnungen und Häuser wurden zerstört, darunter fünf Hochhäuser. Auch zahlreiche Regierungsgebäude und alle Polizeistationen wurden in Schutt und Asche gelegt. Israels Angriffe auf das Tunnelsystem der Hamas, die sogenannte Metro, richteten zudem große Schäden an der Infrastruktur an.

          Die Hamas sieht sich dennoch als Siegerin. Sie habe sich als die wahre Beschützerin Jerusalems und Kämpferin für die Rechte des palästinensischen Volkes bewährt, sagte das führende Hamas-Mitglied, Muschir al-Masri, am Donnerstag in Gaza. Das richtete sich gegen den im Verhältnis zu Israel kompromissbereiteren Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas im Westjordanland, der Israel nicht wie die Hamas das Existenzrecht abspricht. Zudem schaffte es die Hamas, schwere Unruhen zwischen jüdischen und arabischen Israelis auszulösen und die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft wieder auf den ungelösten Konflikt zu lenken.

          Israel seinerseits wollte das Ende der Raketenangriffe aus dem Gazastreifen. Dieses Ziel ist zunächst erreicht, obwohl die Palästinenser nach israelischen Angaben insgesamt 4340 Raketen auf Israel abschossen, wobei 12 Menschen starben und mehr als 300 verletzt wurden. Zudem sollte die Fähigkeit militanter Palästinensergruppen im Gazastreifen für künftige Angriffe auf Israel reduziert werden. Auch das hat die hochgerüstete israelische Armee vermocht, allerdings um einen hohen humanitären Preis, mit dem Israel Kritik auf sich zieht. Und von früheren Schlägen hat sich die Hamas stets nach einigen Jahren erholt.

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