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Waffenhandel in Amerika : Gute Zeiten für schlechte Menschen

  • -Aktualisiert am

Affinität zu Schusswaffen - gehört für viele zum „American Way of life” Bild: AP

Revolver, Pistolen, Schrotflinten, halbautomatische Waffen: Seit Obama an der Macht ist, machen Waffenhändler glänzende Geschäfte. Viele Amerikaner fürchten Verbote der neuen Regierung und kaufen, bevor es nicht mehr erlaubt ist.

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          Lonnie Maurer räumt leere Kartons weg. „Alles verkauft.“ Er grinst zufrieden. „Obama belebt das Geschäft!“ Maurer ist Besitzer von „Butts and Barrels“, einem Waffengeschäft in Springfield (Ohio). Sein Munitionsstand auf der Waffenbörse im Washingtoner Vorort Chantilly (Virginia), befindet sich im hinteren Teil der Ausstellungshalle. Links und rechts werden Revolver, Sturmgewehre und Jagdwaffen angeboten. „The Nation's Gun Show“, wie sich die größte Waffenbörse in der Region von West Virginia bis zum Bundesstaat New York nennt, war kaum eröffnet, da standen die Kunden bei Lonnie Maurer Schlange.

          „Eine ganze Palette Munition war im Nu weg“, schildert er. Mehr als 700.000 Dollar Umsatz hat Maurer in diesem Jahr schon erzielt. Das Siebenfache im Vergleich zur ersten Jahreshälfte des Vorjahres. „Und ich könnte noch mehr verkaufen, gäbe es nicht diese Lieferschwierigkeiten.“ Auf manche Munition muss Maurer sechs Monate lang warten. Er ist nicht der Einzige. „Die Nachfrage ist enorm. Alle Produktionskapazitäten sind voll ausgelastet“, sagt Ted Nevin, Sprecher Verbandes der Hersteller und Händler von Schusswaffen und Munition „National Shooting Sports Foundation“.

          „Gute Zeiten für schlechte Menschen“

          Amerika steckt tief in der Wirtschaftskrise, aber das Waffengeschäft blüht. Indiz dafür ist auch die beträchtlich gestiegene Zahl von Datenabfragen bei der Bundespolizei FBI, wozu lizenzierte Waffenhändler verpflichtet sind, bevor sie Kunden eine Schusswaffe verkaufen. Im November 2008, als Obama zum Präsidenten gewählt wurde, stieg die Zahl der Anträge auf Überprüfung potentieller Waffenkäufer um 42 Prozent im Vergleich zum November 2007. Hauptgrund für die Hamsterkäufe ist die Angst vor schärferen Waffengesetzen. „Die Leute befürchten, dass Obama und die Demokraten im Kongress das Verfassungsrecht auf Waffenbesitz kräftig beschneiden werden“, fasst Steven Elliott zusammen, was man an zahlreichen Ständen auf der Waffenbörse hört.

          Waffensammler in einem Geschäft in Douglas, Arizona
          Waffensammler in einem Geschäft in Douglas, Arizona : Bild: REUTERS

          Der Messemanager mit der Statur eines Footballspielers, auf dessen Hemd ein Adler vor einer amerikanischen Flagge die Flügel ausbreitet, kennt die Stimmung unter den Waffenfreunden. Elliott organisiert nicht nur die Messe in Chantilly, sondern Dutzende von „gun shows“ im Land. „Die Leute kaufen, so lange es noch geht. Revolver, Pistolen, Schrotflinten und halbautomatische Waffen.“. Auch die Wirtschaftskrise spiele eine Rolle für den Waffenboom. „Schlechte Zeiten sind gute Zeiten für schlechte Menschen“, philosophiert der Gun-Show-Manager. „Da steigt die Angst vor Überfällen und Einbrüchen.“ Am Eröffnungsabend der Waffenbörse in Chantilly zählte Elliott mehr als 3700 Besucher, doppelt so viele wie im vergangenen Frühjahr. Und damals war er eigentlich schon sehr zufrieden mit den Besucherzahlen.

          Waffen in fast jedem zweiten Haushalt

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