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Waffenhandel : Ein Mann für alle Gelegenheiten

  • -Aktualisiert am

Mangelnde Transparenz erleichtet das Geschäft der Waffenhändler Bild: dpa

Ob Diktatoren in Afrika oder Amerikaner im Irak - der Serbe Tomislav Damnjanovic beliefert sie mit Waffen. Dabei nutzt er die Bürokratie in Bosnien, das Laissez-faire der EU und die Arglosigkeit deutscher Ministerien aus.

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          Was haben Saddam Hussein, Charles Taylor, die Islamisten in Somalia und die Amerikaner im Irak gemeinsam? Sie alle wurden von dem Serben Tomislav Damnjanovic mit Waffen beliefert, der dafür mit ehemaligen KGB-Leuten, dem Regime von Slobodan Milosevic in Belgrad und Waffenhändlern in Deutschland und der Schweiz zusammenarbeitete.

          Zwei Jahre lang haben Adrian Wilkinson und Hugh Griffiths im Auftrag der Südosteuropäischen Clearingstelle für Kleinwaffen und leichte Waffen (SEESAC) Damnjanovic nachgespürt. Eine 137 Seiten starke Broschüre soll Zöllnern in Südosteuropa helfen, illegale Waffenexporte aufzudecken. Nur wenige Seiten sind für die Öffentlichkeit bestimmt. Aber die genügen, um an der Wirksamkeit von Waffenexportkontrollen zu zweifeln.

          Milosevics schützende Hand

          Damnjanovics Karriere begann in den neunziger Jahren. Das Milosevic-Regime brauchte Devisen, um den Jugoslawien-Krieg weiterführen zu können. Weil die Vereinten Nationen das Land mit Sanktionen überzogen hatten, waren diese schwer zu bekommen. Der Zigarettenschmuggel war eine Quelle. Damnjanovic organisierte zusammen mit europäischen Verbrechersyndikaten den Schmuggel.

          Dank Milosevic konnte Damnjanovic weitermachen

          Damnjanovic baute auch ein Geflecht von Import- und Exportfirmen in Freihandelszonen auf, mietete Flugzeuge, gründete Luftfrachtunternehmen. Erstmals geriet er im Jahr 1996 in den Blick der Öffentlichkeit, als eines seiner Flugzeuge in der Nähe des Belgrader Flughafens abstürzte. An Bord der Maschine befanden sich Ersatzteile für libysche Kampfflugzeuge. Im Gegenzug sollte Belgrad libysches Öl erhalten. Obwohl die internationale Gemeinschaft, die serbische und die internationale Presse den Vorfall untersuchten, konnte Damnjanovic weiterarbeiten. Milosevic hielt seine schützende Hand über ihn.

          Tausende Sturmgewehre für Liberias Diktator

          Nach dem Sturz des Regimes in Belgrad im Jahr 2000 dehnte Damnjanovic seine Geschäftstätigkeit aus. Wie so viele Waffenhändler exportierte er nach Afrika. Einer der größten Abnehmer war der liberianische Diktator Charles Taylor, dessen Truppen im eigenen Land und in Sierra Leone wüteten. Auch gegen Liberia hatten die UN ein Waffenembargo verhängt.

          Mit Hilfe der staatlichen serbischen Rüstungsfirma SDPR Yugoimport versorgte er Taylor mit Tausenden Sturmgewehren des Typs AK47 einschließlich Munition sowie Handgranaten und Raketenwerfern. Diese Geschäfte spülten Hunderttausende Dollar über eine libanesische Bank auf Damnjanovics Konto in der Schweiz.

          Damnjanovic begeht einen Fehler

          Zwar konnte die Delegation des UN-Sicherheitsrats, die das Waffenembargo überwachen sollte, immer wieder an Zeugenaussagen erkennen, dass alles auf serbische Exporte nach Liberia hindeutete. Es kam aber nie heraus, wer dahintersteckte. Wilkinson und Griffiths zeigen erstmals, wie einfach es war, die Waffenembargos zu umgehen: Zuerst produzierten Damnjanovic und seine Partner ein Endbenutzerzertifikat. Dieses Papier wird bei Waffenverkäufen benötigt und soll dem Verkäufer garantieren, dass seine Ware nicht in die falschen Hände gerät.

          Für Taylors Waffen wurde ein nigerianisches Endbenutzerzertifikat gefälscht und bei der serbischen Waffenfabrik vorgelegt. Immer wieder hieß es, die Waffen würden nach Lagos in Nigeria gebracht. Doch Damnjanovic beging einen Fehler: Auf einer Rechnung des Belgrader Flughafens nannte er als Bestimmungsort Robertson in Liberia.

          Versteckspiel mit den UN-Waffeninspekteuren

          Damnjanovic war aber auch immer nahöstlichen Diktatoren zu Diensten, wie sich im Jahre 2002 herausstellte. Eine Durchsuchung der Flugzeugschmiede in Orao im serbischen Teil Bosniens durch Sfor-Truppen förderte peinliche Dokumente zutage: Nicht nur hatte Saddam Hussein Triebwerke und Ersatzteile gekauft. Es fanden sich auch Briefe, in denen die serbische Armee dem irakischen Diktator Unterstützung im Versteckspiel mit den UN-Waffeninspekteuren anbot. Wegen dieser Enthüllung musste die SDPR schließen.

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