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NRA-Sprecherin Dana Loesch : Das freundliche Gesicht der Waffenlobby

  • -Aktualisiert am

„Hände weg von meinem Gewehr“: Forderungen nach Gesetzesverschärfungen nach dem Massenmord in Parkland lehnt Dana Loesch strikt ab. Bild: Reuters

Die NRA ist nach wie vor mächtig, aber sie hat dieser Tage ein Image-Problem. Aus diesem Tief soll den Waffenfreunden eine Frau helfen.

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          Dana Loesch gibt sich noch ein bisschen schockiert, ja verletzt. Nachdem sie am vergangenen Mittwoch an der „Townhall“-Diskussion auf CNN teilnahm und dort auf wütende Überlebende des Parkland-Massenmordes traf, würde sie gern eins sein: die Stimme der Vernunft. Wie eine Boxerin in der Arena habe sie sich bei der Konfrontation mit Jugendlichen und Eltern gefühlt, sagt die Sprecherin der Waffenlobby-Organisation NRA in einem Podcast des konservativen Magazins „The Federalist“. „Sie riefen Kindermörderin und ‚Verbrennt Sie‘“, beklagt Loesch – ohne Bodyguards hätte sie nicht kommen können.

          Loesch und Podcast-Interviewer Ben Domenech sind sich einig: die Sendung fühlte sich an wie eine „Falle“ und eine absichtlich von den Fernsehleuten inszenierte Eskalation. Die Medien berichteten nicht korrekt über die Ziele der NRA, sagt Loesch: „Es geht um unser Recht, unseren Kindern denselben Schutz zu bieten wie unseren Prominenten. Wir schützen unser Geld, unsere Prominenten, mit Waffen und wir sollen nicht das Recht haben, uns privat und unsere Schulen zu schützen?“

          Mit dieser vertrauten NRA-Logik ist Radiomoderatorin und Ex-„Breitbart“-Autorin Loesch seit Jahren eine bekannte Lobbyistin für das Recht der Amerikaner, Waffen zu besitzen. Als Sprecherin der NRA gilt sie vielen als Traumbesetzung, denn sie sei ein junges, attraktives Gesicht für die Sache – eines, mit dem sich auch gemäßigtere Menschen identifizieren sollen. Die 39-jährige Mutter zweier Kinder will nicht als Lobbyistin der Waffenindustrie, sondern als Verteidigerin der kleinen Leute wahr genommen werden.

          Gewehr und Abendkleid

          Doch ihre eigenen Worte verraten immer wieder, dass Loesch keineswegs gemäßigt ist. Im Jahr 2014 veröffentlichte sie ein Buch mit dem Titel: „Hände weg von meinem Gewehr. Gegen die Verschwörung derer, die Amerika entwaffnen wollen.“ Das Titelbild zeigt sie in einem eleganten roten Kleid mit einem halbautomatischen Gewehr in der Hand.

          Loeschs Pro-Waffen-Plädoyer beginnt mit Kindheitserinnerungen, die sie sogleich politisch färbt: „Als ich ein kleines Mädchen war, nahm mich mein Großvater mit in den Hinterhof und zeigte mir, wie man mit einem Luftgewehr auf Büchsen schießt. Dann durfte ich mit den Soldatenfiguren meines Cousins spielen. Mein Opa war ganz offensichtlich das, was Barack Obama meinte, als er sich über die ‚bitteren Ewiggestrigen‘ lustig machte, die Waffen besitzen und im ländlichen Amerika wohnen.“ Damit ist der Ton des Buches gesetzt: wir gegen die, rechtschaffene Amerikaner im „Heartland“ gegen entfremdete „Küsten-Eliten“.

          Die Debatte um Pistolen und Gewehre ist für Loesch und viele andere in der Tat nicht weniger als ein Kulturkampf, bei dem es um die Seele des Landes geht. Aber auch sie wissen, dass die Welt sich weiterdreht und es nicht mehr reicht, nur den klassischen „Cowboy“-Männlichkeitstypus anzusprechen. Wo früher Schauspieler und Haudegen-Darsteller Charlton Heston Aushängeschild der NRA war, soll nun die lächelnde Frau im Business-Outfit neue Anhänger begeistern. Loeschs Botschaft: Auch für die moderne Frau ist es besser, ein Gewehr im Schrank zu haben.

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