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Boliviens Präsident : „Morales lässt Boliviens Zukunft verbrennen“

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Außer Kontrolle geraten: Die Waldbrände in der bolivianischen Region Chiquitanía nahe der Grenzen zu Brasilien und Paraguay. Bild: Reuters

Flammen verschlingen Millionen Hektar der Wälder Boliviens, doch Präsident Evo Morales ist mit seiner Wiederwahl beschäftigt. Ein bolivianischer Wissenschaftler über die Auswirkungen der politischen Entscheidungen auf die Natur.

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          Seit mehr als einem Monat lodern Waldbrände in Bolivien. Doch die Regierung reagierte zu spät und zu ineffizient, sagt der bolivianische Wissenschaftler Alfredo Romero-Muñoz. Der Biologe beschäftigt sich mit dem Einfluss der bolivianischen Politik auf die Biodiversität des Landes.

          Alfredo Romero-Muñoz ist Doktorand an der Humboldt-Universität zu Berlin. Der gebürtige Bolivianer ist Umweltbiologe und forscht zum Einfluss der Landwirtschaft und der Politik auf die Biodiversität in seinem Heimatland.

          Herr Romero-Muñoz, welche Waldregionen in Bolivien brennen?

          Die Brände wüten im Amazonas Regenwald, dem Trockenwald und der Savanne von Gran Chaco und dem Feuchtgebiet Pantanal. Besonders betroffen ist aber die Region Chiquitanía nahe der Grenzen zu Brasilien und Paraguay. Dieser Trockenwald liegt südlich vom Amazonas und ist deutlich trockener, also auch anfälliger für Brände. Dieses Jahr sind bereits eine Million Hektar des Chiquitanos abgebrannt. Insgesamt kommt Bolivien so auf 2,1 Millionen Hektar verbrannter Natur. Zum Vergleich: Diese Fläche ist größer als Slowenien. Es ist die größte Naturkatastrophe in der Geschichte Boliviens.

          Welche Bedeutung haben die Brände für die Natur?

          Dass es so viele Waldbrände gibt wie dieses Jahr ist nicht natürlich. Der Wald ist nicht dran angepasst und sehr verletzlich. Es wird mehr als 200 Jahre dauern, bis sich die Natur davon erholt hat. Die Waldgebiete sind sehr wichtig für das Weltklima, weil sie CO2 binden. Doch durch die Brände wird das CO2 wieder freigesetzt. Das macht  Bolivien momentan weltweit zu einem der Länder, die pro Kopf am meisten Treibhausgase produzieren. Im Chiquitano Trockenwald verbrennt aber gerade auch die biologische Vielfalt: Betroffen sind mindestens 1.600 Wildtierarten und über 4.000 Pflanzenarten, viele davon gibt es nur in Bolivien. Ihr Aussterben ist eines der größten Risiken der Waldbrände und ein außergewöhnlicher Verlust. Ich forsche unter anderem zu Jaguaren. Schätzungsweise 500 Tiere sind dieses Jahr schon in den Flammen verendet oder haben ihren Lebensraum verloren.

          Warum sind die Waldbrände dieses Jahr schlimmer als sonst?

          Dieses Jahr ist es in ganz Südamerika besonders heiß und trocken. Die Trockenzeit in den bolivianischen Wäldern geht von Mai bis Ende Oktober und schon zu Beginn wurden mehr als 100.000 Brandherde gezählt, die sich ausgebreitet haben. Die meisten wurden gelegt, um Waldgebiet zu roden und für die Landwirtschaft zu nutzen. Das ist zwar sehr schlecht für die Natur, aber legal und wird schon seit Jahrzehnten so gemacht. Dabei gibt es zwei Interessengruppen: Einzelne Landwirte, die im kleinen Maßstab Flächen roden und große Betriebe der Agrarindustrie. Letztere waren 2016, als es ebenfalls viele Brände gab, für 80 Prozent der Rodungsbrände verantwortlich.

          Wie steht die bolivianische Regierung zu den Rodungen?

          Auch wenn die Regierung von Morales sich anders präsentiert, hat sie in ihren mehr als 13 Jahren viel Politik gegen die Natur und vor allem gegen die Wälder gemacht. Um die Landwirtschaft weiter auszubauen, hat Evo Morales die Zerstörung von Waldgebieten durch die Brandrodung hingenommen. 2015 hat er die Regelungen für die Abholzung in Gebieten gelockert, die eigentlich nur für die forstwirtschaftliche Nutzung vorgesehen waren. Im Juli – also genau zu Beginn der kritischen Trockenzeit – hat die Regierung dann nachgelegt und noch mehr Abforstungen im Tiefland erlaubt.

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