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Trump-Herausforderer : Immer Ärger mit Joe Biden

  • -Aktualisiert am

Der Präsidentschaftskandidat der amerikanischen Demokraten und ehemalige Vize-Präsident der Vereinigten Staaten Joe Biden Bild: Reuters

Amerikas Demokraten stehen vor einem Dilemma: Ist es vertretbar, Präsidentschaftsbewerber Joe Biden zu unterstützen, dem mehr oder weniger glaubhaft ein sexueller Übergriff vorgeworfen wird?

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          Die demokratische Partei wird zusehends unruhig. Joe Biden, de facto Sieger im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur, äußerte sich am Freitag erstmals zu den Vergewaltigungsvorwürfen gegen ihn. Das Dilemma der Demokraten wurde dadurch nicht kleiner – auch wenn Biden genau das sagte, was von ihm erwartet und erhofft worden war. Nichts von dem, was seine ehemalige Senatsmitarbeiterin Tara Reade ihm vorwirft, sei geschehen, so der 77-Jährige. Er wisse nicht, warum sie ihn beschuldige, aber er werde sie auch nicht persönlich dafür angreifen. Wenn es eine schriftliche Beschwerde gegen ihn gebe, wie Reade behauptet hatte, könne sich diese nur in den Personalakten im Staatsarchiv befinden. Biden forderte den Kongress auf, den Zugang freizugeben.

          Reade wirft Biden vor, sie 1993 in einem Flur des weitläufigen Kapitols an die Wand gedrückt zu haben, mit den Fingern in sie eingedrungen zu sein und gesagt zu haben: „Mir hat jemand gesagt, du magst mich.“ Als sie sich wehrte, habe er ihr klar gemacht, dass sie ein Niemand für ihn sei und den Übergriff für sich behalten solle.

          Juristisch erhebt Reade damit den Vorwurf der Vergewaltigung, den sie kürzlich auch gegenüber der Polizei in Washington wiederholte. Sie änderte ihre Angaben allerdings mehrmals im Laufe der vergangenen Jahre. Zuvor hatte sie lediglich davon gesprochen, Biden habe sich ihr in unangemessener Weise genähert. Mehrere Personen bestätigten inzwischen, dass Reade ihnen damals von dem Vorfall berichtet habe – es ist aber unklar, ob es Zeuginnen oder Zeugen gibt, die von Anfang an von den konkreten und neueren Vorwürfen gewusst haben sollen.

          Parallelen zum Fall Kavanaugh

          Bidens Verteidiger weisen unter anderem darauf hin, dass der ehemalige Senator gründlich überprüft worden sei, als er Vizepräsident von Trumps Amtsvorgänger Barack Obama wurde. Die Beschwerde, die Reade bei der Personalabteilung des Senats gemacht haben will, ist bislang nicht aufgetaucht.

          Das ist das Dilemma, vor dem die Demokraten nun stehen: Ist es vertretbar, einen Mann zu unterstützen, dem mehr oder weniger glaubhaft ein sexueller Übergriff vorgeworfen wird, wenn dieser Donald Trump besiegt? Und können Demokraten sich jetzt hinter Biden stellen, nachdem sie 2018 versuchten, Trumps Kandidaten für den Obersten Gerichtshof Brett Kavanaugh zu verhindern, weil sie der Frau glaubten, die ihn der versuchten Vergewaltigung beschuldigte?

          Im Jahr 2018 war ihre Forderung, Christine Blasey Ford anzuhören und den Richterkandidaten Kavanaugh im Kongress gründlich zu prüfen. Nun Biden zu verteidigen, sei inkonsequent, gar Doppelmoral, äußern Kritiker. Man könne nicht selektiv für die #metoo-Bewegung sein, sagte etwa Samantha Ettus vom linken Los Angeles Women's Collective der „New York Times“. Krystal Ball, die ihre Video-Show für das Magazin „The Hill“ von einem journalistischen Format in eine Werbesendung für Bidens unterlegenen Konkurrenten Bernie Sanders verwandelte, twitterte: „Ihr müsst das nicht tun, Demokraten, es gibt noch jede Menge Zeit, eine andere Wahl zu treffen als Joe Biden.“ Dass Ford als glaubwürdig angesehen worden sei, Reade vom demokratischen Establishment aber nicht so behandelt werde, liege am „class bias“, der Arroganz der Oberschicht.

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