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Mehrere Anschuldigungen : Die drei Affären des Boris Johnson

Die selbe Zeitung brachte einen zweiten Vorwurf gegen Johnson in Umlauf. In ihrem Debüt-Stück als Kolumnistin berichtete die Journalistin Charlotte Edwardes, dass sie Johnson vor zwanzig Jahren unsittlich berührt habe. Bei einem Abendessen, das Johnson als Chefredakteur des „Spectators“ gegeben habe, sei sie von ihm in den Oberschenkel gekniffen worden. Als sie dies der Kollegin erzählt habe, die Johnsons Tischdame auf der anderen Seite gewesen sei, habe diese gesagt: „Mein Gott, das gleiche hat er bei mir gemacht!“

Frauenministerin verteidigt Johnson

Der „Spectator“ hat eine kleine Redaktion, und so verbreitete sich rasch das Gerücht, dass es sich bei der Journalistin um Mary Wakefield gehandelt habe. Am Montag gab Wakefield, die noch immer bei der Zeitschrift arbeitet, eine Erklärung ab: „Ich bin nicht die Frau, auf die Charlotte Edwardes Bezug nimmt. Boris war ein guter Chef, und nichts dergleichen habe ich je erlebt. Noch hat Charlotte, die ich mag und bewundere, diesen Vorfall je mit mir diskutiert.“ Johnsons Gegner misstrauen ihrer Erklärung, weil Wakefield mit Dominic Cummings verheiratet ist, dem Chefberater des Premierministers. Johnson, der am Dienstag dazu befragt wurde, sagte, dass man derartige Anschuldigungen ernst nehmen müsse, die Anschuldigung in seinem Fall aber „nicht wahr“ sei.

Unterstützung erhielt er von Frauenministerin Liz Truss: „Der Premierminister hat die Vorwürfe bestritten und ich glaube ihm“, sagte sie. Weniger überzeugt klang dagegen Gesundheitsminister Matt Hancock. „Ich kenne Charlotte gut, und ich vertraue dem, was sie sagt, voll.“ Der dritte Vorwurf wurde bislang als Verschwörungstheorie belächelt und wächst sich erst zu einer „Affäre“ aus, seit er auch vom früheren Schatzkanzler Philip Hammond erhoben wird. Hammond schrieb am Wochenende einen Artikel, in dem er Johnson einen weiteren Interessenkonflikt vorwirft. „Wie uns seine (Johnsons) Schwester in Erinnerung gerufen hat, wird er von Spekulanten unterstützt, die Milliarden auf einen harten Brexit gesetzt haben – und es gibt nur ein Ergebnis, das ihnen nützt: ein ,Crash-Out-No-Deal-Brexit‘, der die Währung zum Taumeln bringt und die Inflation anheizt.“

Angriffe der jüngeren Schwester

Rachel Johnson, die bei den Europawahlen für die EU-freundliche Partei „Change UK“ kandidiert hatte, geht ihren älteren Bruder seit einigen Wochen frontal an, während Hammond kürzlich von Johnson aus der Partei geworfen wurde. Der „Schattenschatzkanzler“ der Labour Party, John McDonnell, nahm die Äußerungen der beiden gleichwohl zum Anlass, um im Kabinettsbüro eine formale Untersuchung über „diesen möglichen Interessenkonflikt“ zu beantragen. Der Premierminister bezeichnete den Vorwurf als „Unsinn“. Der Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Nadhim Zahawi, warf Hammond vor, eine „Schmierenkampagne“ zu führen. Wer etwas vom Londoner Finanzdistrikt verstehe, der wisse, dass der Vorwurf „völlig unwahr“ sei.

Unbestritten ist, dass Johnson während der Urwahl Wahlkampfspenden von mehreren hunderttausend Pfund von Brexit-Anhängern aus der „City“ erhalten hat. Unklarer sind deren Motive. Einer der Spender, der Hedgefonds-Manager Crispin Odey, warf Hammond am Montag ein „Unverständnis der Märkte“ vor und versicherte, dass er den Austritt aus der EU aus rein politischen Gründen wolle, und nicht aus wirtschaftlichen.

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