https://www.faz.net/-gpf-9waq9

Vorwahlen in Amerika : Kampf der neuen Favoriten

  • -Aktualisiert am

TV-Debatte der Demokraten Bild: AFP

Pete Buttigieg muss sich nach seinem hauchdünnen Sieg in Iowa gegen Angriffe der Konkurrenz wehren. Bei der Fernsehdebatte der Demokraten in New Hampshire gehen die Kandidaten hart miteinander ins Gericht und zeigen einmal mehr die innere Spaltung der Partei.

          6 Min.

          Pete Buttigieg will das Feld der Demokratischen Präsidentschaftsbewerber von hinten aufrollen – aber er bekommt an diesem Abend auch die Nachteile seiner neuen Rolle zu spüren. Im St. Anselm College in New Hampshire, wo die nächste Vorentscheidung fällt, treffen an diesem Abend nur noch sieben Kandidatinnen und Kandidaten aufeinander. Hier in Manchester hat Buttigieg nach seinem Erfolg in Iowa eine Reihe von Attacken abzuwehren. Amy Klobuchar, Senatorin aus Minnesota, gibt sich besonders angriffslustig. Die 59 Jahre alte Politikerin wirbt schließlich ebenfalls um zentristische Wähler.

          Sie weist deshalb immer wieder auf ihre vielen Erfolge als Senatorin hin. 59 sei die neue 38, witzelt sie etwas gereizt über das Alter des ehemaligen Bürgermeisters von South Bend in Indiana. Sie zieht die Eignung Buttigiegs für das Präsidentenamt in Zweifel: Erfahrung sei wichtig, sagt sie und die Menschen wollten mehr als einen „coolen Newcomer“. Buttigieg kontert die Attacke auf sein nicht vorhandenes bundespolitisches Profil: Es gehe nicht um die Erfahrung in Jahren, sondern um Urteilsvermögen.

          Das ist nur einer von vielen Angriffen auf Buttigieg an diesem Abend, der vom Fernsehsender ABC übertragen wird. Der Regionalpolitiker hat nach seinem Erfolg in Iowa viele im zentristischen Lager der Demokraten aufgeschreckt. Er holte dort nach jetzigem Stand nicht nur einen hauchdünnen Sieg über den Favoriten der Linken, Bernie Sanders. Auch in den Umfragen aus New Hampshire schloss er in den vergangenen Tagen bis auf wenige Prozentpunkte zu Sanders auf, während der bisherige moderate Favorit Joe Biden und die Senatorin Elizabeth Warren aus Massachusetts deutlich abgeschlagen sind.

          Selbstbewusster Auftritt

          Buttigieg pariert auf der Bühne nicht nur Attacken, er tritt auch selbstbewusst als Favorit auf und hat mehrere Momente mit viel Applaus. Seine Stärke ist es aus Sicht seiner Unterstützer, dass er an eine breitere Koalition von Wählern appelliere als etwa Sanders. Das kleidet der ehemalige Bürgermeister auch an diesem Abend in griffige Formeln. Man müsse die Menschen nun „zusammenschweißen und elektrisieren statt auseinander zu dividieren“, sagt er. Es sei nicht richtig, Wähler vor den Kopf zu stoßen, die nicht allen progressiven Politikvorschlägen folgen wollten.

          Es gehe beim Sieg über Donald Trump um ein neues gesellschaftliches Bündnis, das auch Unentschlossenen und Republikanern etwas anbieten könne. „Es geht um Dazukommen, Dazugehören, statt um Zurückweisung“, verkündet Buttigieg. „Labels“ wie Sozialismus interessierten ihn nicht und seien für den „jetzigen Moment“ veraltet. Die Einheits-Formeln sind in seinen Wortmeldungen präsenter als konkrete Politikvorschläge. Das kommt bei Buttigiegs Fans im Publikum aber trotzdem gut an.

          Seine Kritiker wenden wiederum ein, dass der ehemalige Bürgermeister versuche, seine Koalition mit den falschen Mitteln zu schmieden. Sanders hält ihm vor, dass sein Wahlkampf von so vielen wohlhabenden Amerikanern finanziert wird. „Im Unterschied zu dir, Pete, habe ich nicht vierzig Milliardäre hinter meiner Kampagne, die aus der Pharmabranche oder von der Wall Street kommen“, sagt der Senator aus Vermont. Seinen eigenen Wahlkampf finanzierten bislang sechs Millionen Einzelspenden von anderthalb Millionen Menschen, das habe es noch nie in der politischen Geschichte des Landes gegeben. Die Menschen zusammenbringen zu wollen, sei gut und schön – aber das schaffe man, indem man ihnen eine Perspektive gebe, sagt Sanders – durch einen Mindestlohn von 15 Dollar die Stunde, durch eine gesetzliche Krankenversicherung für alle.

          Weitere Themen

          Nato-Einsatz in Afghanistan könnte im September enden Video-Seite öffnen

          Truppenabzug : Nato-Einsatz in Afghanistan könnte im September enden

          Nach der Festlegung Nordamerikas für den Truppenabzug aus Afghanistan rechnet Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) damit, dass nun auch die Nato sehr schnell einen entsprechenden Beschluss fassen wird. Damit könnte auch der Bundeswehr-Einsatz am Hindukusch bis zum 11. September enden.

          Topmeldungen

          Ecce homo: Von Caravaggio?

          Caravaggio zum Spottpreis? : Sicher mehr als 1500 Euro

          Jetzt könnte es Millionen wert sein: In Spanien wurde der Verkauf eines Gemäldes aus dem 17. Jahrhundert kurz vor der Auktion gestoppt. Möglicherweise handelt es sich um ein Werk von Caravaggio.
          Amerikanische Truppen in der Provinz Helmand im August 2017

          Abzug aus Afghanistan : Ein Schlag ins Gesicht für Bidens Verbündete

          Der Präsident mag eine Lösung dafür gefunden haben, die Vereinigten Staaten aus dem längsten Krieg ihrer Geschichte herauszunehmen. Aber für die Afghanen ist der Krieg damit noch lange nicht beendet.
          Steil nach oben: Der Coinbase-Börsengang ist ein Meilenstein für Digitalwährungen.

          Kryptoboom : Coinbase ist bald wertvoller als die New Yorker Börse

          Die Handelsplattform Coinbase soll an diesem Mittwoch an die Börse gehen, das Unternehmen könnte 170 Milliarden Dollar wert sein. Was das für Bitcoin und Co. heißt und warum Anleger aufhorchen sollten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.