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Vorwahlen in Amerika : Eine Partei in Aufbruchstimmung

  • -Aktualisiert am

Lässt die Demokraten hoffen: Ayanna Pressley bei einer Rede in Boston Bild: AP

Die Demokraten bieten nach den Vorwahlen vielfältigere Kandidaten für die Kongresswahl im November als je zuvor. Eine davon ist die Afroamerikanerin Ayanna Pressley. Der Enthusiasmus an der Basis ist groß. Doch reicht das?

          „Der Wandel kann nicht warten!“ Mit diesen Worten triumphierte Ayanna Pressley am vergangenen Dienstag bei der Vorwahl der Demokraten in Massachusetts. Sie schlug Michael Capuano, der über zwanzig Jahre lang im Abgeordnetenhaus in Washington saß. Nun könnte sie die erste afroamerikanische Frau werden, die der Bundesstaat je in den Kongress schickte. Pressley verkörpert die Aufbruchstimmung in der Partei. Wenigstens in einer Kammer des Kongresses wollen die Demokraten am 6. November die Mehrheit der Republikaner brechen.

          Die Zwischenwahlen sind immer ein Stimmungstest für die regierende Partei in Amerika – und traditionell kann die Opposition hier häufig Zugewinne verbuchen. In diesem Jahr könnte dieser Effekt besonders deutlich ausfallen – schließlich gab es selten einen Präsidenten, der so polarisierte wie Donald Trump. Die Demokraten müssten den Republikanern im Abgeordnetenhaus 23 Sitze abnehmen, um die Mehrheit zu erringen. In der Kammer stehen alle Sitze wieder zur Wahl. Im Senat sieht es anders aus: nur für 33 Plätze wird am 6. November überhaupt gewählt. Und die Demokraten werden 25 davon verteidigen müssen, die Republikaner nur acht.

          Den Demokraten könnte besonders der große Enthusiasmus ihrer Anhänger helfen. Der lässt sich zum Beispiel an den Spenden ablesen. Laut dem Sender NBC warben die Kandidaten der Demokraten für das Abgeordnetenhaus bislang 620 Millionen Dollar Spenden ein, die Republikaner 470 Millionen. Die demokratischen Kandidaten für den Senat sammelten 368 Millionen Dollar, die Republikaner 258 Millionen. Für beide Parteien spenden wohlhabende Menschen über die so genannten „Political Action Committees“ (PACs). Doch besonders bei den Demokraten sind es auch zunehmend Kleinspender, die durch die Masse der Beiträge einen Unterschied machen. Einige Kandidaten haben sich die Ablehnung von Großspenden durch so genannte Super-PACs aus politischen Gründen auf die Fahne geschrieben. Zu ihnen gehört Beto O'Rourke, der die Vorwahl in Texas gewann und dort den republikanischen Senator Ted Cruz herausfordern will.

          Mehr Vielfalt bei den Kandidaten

          Während die Vorwahlen bei den Republikanern besonders die innerparteiliche Macht von Donald Trump zeigten, ist bei den Demokraten das Kandidatenfeld vor allem vielfältiger geworden. Linke Kandidaten konnten ebenso Erfolge verbuchen wie zentristischere Bewerber. Die Partei entschied ihren Richtungsstreit nicht, sondern überließ es den Kandidaten vor Ort, ihr Profil zu bilden. Das war angesichts der Vielfalt des Landes folgerichtig, denn was in New York funktioniert, wäre im ländlichen Pennsylvania ein Desaster. „Wir vertrauen unseren Kandidaten, dass sie ihre Wahlkreise und die Herausforderungen dort besser kennen als irgendjemand anders“, sagte der Vorsitzende des Wahlkampfkomitees der Demokraten im Abgeordnetenhaus, Ray Luján aus New Mexico, der „New York Times“. Eine Führungsfigur, auf die sich die Flügel einigen könnten, fehlt schließlich bislang. Die Kampagnenschrift mit dem Namen „For the People“, auf die man sich bislang geeinigt hat, geht auf die am wenigsten kontroversen Punkte ein: niedrigere Medikamentenpreise, höhere Löhne, Kampf gegen Korruption. Themen, die vielerorts die Basis begeistern, wie die Krankenversicherung für alle, schafften es bislang nicht ins Programm. „Die demokratische Partei hat ein Marken-Problem“, sagte die Abgeordnete Cheri Bustos aus Illinois. Sie gab den Kandidaten den Rat: Macht Wahlkampf, „als ob ihr als Bürgermeister antretet.“

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