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Vorwahlen der Demokraten : Sanders siegt, die Basis streitet

  • -Aktualisiert am

Der demokratische Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders feiert mit seiner Frau Jane und Anhängern im texanischen San Antonio seinen Vorwahlsieg im Bundesstaat Nevada. Bild: AP

Der linke Senator Bernie Sanders gewinnt im Bundesstaat Nevada und führt das Feld der Demokraten im Vorwahl-Marathon nun deutlich an. Doch die Freude ist getrübt: Nicht nur Berichte über russische Wahlkampfunterstützung sorgen bei den Demokraten für Unruhe.

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          „Ich bin hocherfreut, euch ein paar richtig gute Nachrichten zu überbringen“. Als Bernie Sanders am Abend in der texanischen Stadt San Antonio vor seine Anhänger tritt, ist ihm die Genugtuung deutlich anzumerken. Die Tatsache, dass der 78 Jahre alte Dauerwahlkämpfer den Bundesstaat Nevada zu diesem Zeitpunkt bereits verlassen hat, soll ihn nicht davon abhalten, seinen dort erzielten Sieg ausführlich auszukosten. „Hier ist die zukünftige First Lady der Vereinigten Staaten“, ruft der Senator aus Vermont und deutet auf seine Ehefrau Jane, die sichtlich gerührt neben ihm steht.

          Sanders hat, das steht übereinstimmenden Prognosen zufolge zum Zeitpunkt seiner Ansprache bereits fest, in Nevada klar gewonnen. Mit großem Abstand folgen der frühere Vizepräsident Joe Biden, der junge Pete Buttigieg, die beiden Senatorinnen Elizabeth Warren und Amy Klobuchar, der Geschäftsmann Tom Steyer sowie die ohnehin völlig abgehängte Abgeordnete Tulsi Gabbard. Sie alle hatten einmal mehr keine Chance gegen den linken Sanders, der das Feld der Demokraten im Vorwahl-Marathon nun vergleichsweise deutlich anführt.

          Die Genugtuung in Sanders' Siegesrede ist sicherlich auch eine Reaktion auf den Ärger der letzten Tage. Übel aufgestoßen waren ihm die jüngsten Enthüllungen der „Washington Post“. Demnach versuche die russische Regierung in diesem Wahljahr nicht nur wiederholt dem Republikaner Donald Trump zu helfen, sondern auch die Vorwahlen der Demokraten zu stören. Und um dieses Ziel zu erreichen, wolle Moskau vor allem Sanders unterstützen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf offenbar gut informierte Quellen.

          Er habe ein entsprechendes Briefing von Sicherheitsbehördenvertretern bereits „vor etwa einem Monat“ erhalten, sagte Sanders, als er mit dem Bericht konfrontiert wurde. Das wiederum warf die Frage auf, warum der Senator die ihm zugänglich gemachten Erkenntnisse nicht eher öffentlich gemacht habe.

          Natürlich kann Sanders nichts dafür, wenn ihm Moskau ungebeten unter die Arme greift. Anders als Präsident Trump, der Berichte über russische Einmischungsversuche gerade erst wieder als „Desinformation“ abzutun versuchte, scheint der Spitzenreiter der Demokraten die Sache ernstzunehmen. Russland solle sich aus den Wahlen heraushalten, man habe die Beeinflussung „gründlich satt“, sagt er. Das „hässlichste“ daran sei aber, dass auf diese Weise versucht werde, die Amerikaner zu spalten, so Sanders. „Sie versuchen, Chaos zu stiften.“

          Sanders stärken, um Amerika zu schwächen?

          Von Chaos kann am Wahltag in Nevada noch keine Rede sein, doch die Russland-Meldungen sorgen an der Parteibasis spürbar für Unruhe. „Für mich ist das alles Propaganda“, sagt Einzelhandelskauffrau Carrie Harris, eine Sanders-Anhängerin, die in der Turnhalle der „Oasis High School“ im Südwesten von Las Vegas an einem der „Caucus“-Treffen teilnimmt. Auf diesen Nachbarschaftsversammlungen diskutieren die Menschen miteinander und stimmen in mehreren Runden über die Präsidentschaftskandidatur ihrer Partei ab. Die Tatsache, dass „die Mainstream-Medien gerade jetzt mit der Russland-Geschichte rausgekommen sind“, zeige doch nur, dass es „ihr Ziel ist, Bernie zu schaden“, sagt Harris empört.

          Die parteiinternen Gegner von Sanders nehmen die Neuigkeiten unterdessen gerne auf. „Es ist kein Wunder, dass sich die Russen Sanders ausgesucht haben“, sagt etwa Xochitl Foldenauer, eine Unterstützerin von Joe Biden. „Bernie ist ein Sozialist, der zudem auch noch vor kurzem einen Herzinfarkt hatte. Wer Amerika schwächen will oder eine Wiederwahl Trumps anstrebt, ja, der stärkt am besten Sanders.“ Genau solche gemeinen Aussagen seien doch „das Ziel der Russen und der Trump-Leute“, erwidert ihr Matt Andenoro, ein Sanders-Wähler. „Die wollen doch nur, dass wir uns untereinander anfeinden und zerfleischen“.

          Wie eine Sekte

          Noch größeres Spaltungspotential dürfte eine Frage haben, die unter den Demokraten in Nevada ebenfalls heiß diskutiert wird: Was soll die Partei machen, wenn am Ende des landesweiten Vorwahl-Prozesses kein Kandidat über die absolute Mehrheit an Delegiertenstimmen verfügt?

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