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Caucus-Chaos : „Iowa, du hast die Nation schockiert“

Bernie Sanders Montagnacht in Des Moines Bild: EPA

Bei den Vorwahlen der Demokraten in Iowa geht es chaotisch zu. Der Wahlkampftross zieht nach New Hampshire weiter, ohne den ersten Sieger zu kennen. Der Traum vom Schwung ist dahin.

  • -Aktualisiert am
          3 Min.

          „Auf nach New Hampshire“. Als Joe Biden mit Verweis auf die nächste Vorwahl in einer Woche seine kurze Ansprache auf dem Gelände der Drake-Universität in Des Moines beendet, klingt er fast ein bisschen erleichtert. Niemand weiß zu diesem Zeitpunkt, ob der frühere Vizepräsident gerade einen Sieg eingefahren hat oder eine schmerzhafte Wahlniederlage.

          Denn das Ergebnis des „Caucus“, jener mit Spannung erwarteten ersten Abstimmung im demokratischen Vorwahlkampf, lässt auf sich warten. Aufgeregte amerikanische Fernsehmoderatoren berichten unter Berufung auf Parteifunktionäre von „Unstimmigkeiten zwischen Datensätzen“ und „großen Problemen“ bei der Übermittlung der Wahlergebnisse. Von einer fehlerhaften App ist ebenfalls die Rede, aber das bestreitet die Partei.

          „Präsident Pete, Präsident Pete“

          Den Senatoren Elizabeth Warren und Amy Klobuchar bleibt ebenfalls nichts anderes übrig als kurze Ansprachen zu halten, in denen sie ihren Anhängern versichern, bestimmt gut abgeschnitten zu haben. Dann machen sie sich auf den Weg zum Flughafen, um noch in der Nacht Iowa zu verlassen.

          Um kurz vor halb zwölf Ortszeit betritt schließlich Pete Buttigieg die Bühne und verkündet einen großen Erfolg. „Wir wissen zwar noch nicht alle Ergebnisse, aber allen Anzeichen nach geht es für uns siegreich weiter nach New Hampshire.“ Der 38 Jahre alte frühere Bürgermeister der Stadt South Bend dankt in bewegenden Worten seinem Ehemann Chasten und kündigt an, Donald Trump im November schlagen zu können. „Präsident Pete, Präsident Pete“, ruft das Publikum begeistert.

          Buttigieg sieht sich selbst als moderaten Demokraten, der das eigene Lager vereinen, aber auch erfolgreich auf Republikaner zugehen könne. Die Geschichte der Partei, so ließ er in den vergangenen Wochen immer wieder verlauten, habe gezeigt, dass die erfolgreichsten Präsidentschaftsbewerber der Demokraten immer diejenigen gewesen seien, die mit dem Establishment in Washington wenig zu tun gehabt hätten und Teil „einer neuen Führungsgeneration“ gewesen seien. Er, der sich offenbar in einer Reihe mit Bill Clinton und Barack Obama sieht, erfülle diese Vorgaben.

          Bernie Sanders wiederum erklärte sich mit Blick auf eigene Zahlen ebenfalls zum Sieger. Sein Wahlkampfteam teilte in der Nacht mit, der Senator aus Vermont liege nach 40 Prozent der Auszählungen knapp vor Buttigieg. Sanders habe demnach 28,6 Prozent, Buttigieg 25,7 Prozent errungen. Elizabeth Warren komme auf 18,4 Prozent, der frühere Vizepräsident Joe Biden nur auf 15,1 Prozent – laut Zahlen, die aus Sanders' Stab verbreitet wurden.

          Und doch bleiben in dieser Nacht Zweifel. Kampagnenmitarbeiter von Elizabeth Warren berichteten laut CNN davon, dass bei vielen Caucus-Treffen in Bezug auf die Einhaltung der Abstimmungsregeln möglicherweise zahlreiche Fehler gemacht worden seien. Auch das Team von Joe Biden spricht von „erheblichen Mängeln“.

          Die Demokratische Partei in Iowa, das ist schon klar, hat sich blamiert. Das komplizierte Caucus-System steht schon lange in der Kritik, aber von dieser Nacht dürfte es sich nicht so bald erholen. In fast 1700 Nachbarschaftsversammlungen waren auch in diesem Jahr im ganzen Bundesstaat um sieben Uhr abends registrierte Demokraten zusammengekommen, um in zwei Runden über ihren Präsidentschaftskandidaten abzustimmen. Auf vielen Versammlungen geht es dabei äußerst chaotisch zu. Die Wahlleiter haben Mühe, den Anwesenden die Regeln zu erklären. Auch die Zählung der sich in ihrer Größe verändernden Gruppen sind alles andere als einfach.

          Leidtragende des Chaos in Iowa könnten nun Buttigieg und Sanders sein. Sollte einer der beiden tatsächlich die Wahl gewonnen haben, dürften sie davon weniger profitieren als erhofft. Ob der Sieger überhaupt irgendeine Art von Schwung in die nächsten Vorwahlen in New Hampshire, Nevada und South Carolina retten kann, ist fraglich. In den Umfragen sah es in allen drei Staaten zumindest für Buttigieg zuletzt eher schlecht aus.

          „Irgendwann am Dienstag“ könnte es ein Ergebnis geben, hieß es in den frühen Morgenstunden in Iowa. Der Fernsehsender CNN berichtet von einem Wahlvorsitzenden, der es schon aufgegeben habe, sein Ergebnis durchgeben zu wollen. Da er morgen einen Arzttermin habe, könne es gut zehn Uhr am Dienstag werden, bevor er dazu komme, es abermals zu versuchen. „Iowa, du hast die Nation schockiert“, sagte Pete Buttigieg in seiner Siegesrede. Er meinte den Satz wohl positiv, er kann aber auch anders verstanden werden.

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