https://www.faz.net/-gpf-9app4

Kritik an vorgetäuschtem Mord : Babtschenko entschuldigt sich dafür, noch am Leben zu sein

  • Aktualisiert am

Der angeblich in Kiew ermordete russische Journalist Arkadi Babtschenko in Kiew bei einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Poroschenko. Bild: Reuters

Der russische Journalist Arkadij Babtschenko wehrt sich gegen Vorwürfe wegen der Inszenierung seiner angeblichen Ermordung – und reagiert sarkastisch auf Kritik. Die Finte wirft indes immer noch viele kritische Fragen auf.

          Der russische Journalist Arkadij Babtschenko hat die Inszenierung seines Todes durch den ukrainischen Geheimdienst SBU verteidigt. Die Gefahr eines Anschlags auf ihn sei real gewesen, schrieb er am Donnerstag auf Facebook: „Alles war genau so wie gesagt.“ Wer ihm vorhalte, die Medien irregeführt zu haben, der solle „seine Prinzipientreue und hohe Moral beweisen und stolz erhobenen Hauptes sterben“. Auf Twitter entschuldigte er sich ironisch dafür, noch am Leben zu sein: „Bei der nächsten Attacke gehe ich bestimmt drauf.“

          Der SBU hatte am Mittwoch enthüllt, dass der aufsehenerregende Mord an Babtschenko in Kiew eine Finte war. Nur so habe man ein Komplott russischer Geheimdienste gegen Babtschenko und andere Gegner der Moskauer Regierung verhindern können. Die Irreführung der Öffentlichkeit bis hinauf zum Weltsicherheitsrat hat aber scharfe Kritik ausgelöst.

          „Inszenierungen sind ein Stich ins Mark des Journalismus“

          Die Organisation Reporter ohne Grenzen kritisierte hingegen, mit dem vorgetäuschten Mord sei die Öffentlichkeit in die Irre geführt worden. „Solche Inszenierungen sind ein Stich ins Mark der Glaubwürdigkeit des Journalismus“, warnte ROG-Vorstandssprecher Michael Rediske in einer Mitteilung von Donnerstag. Es sei unglaubwürdig, dass ein möglicher Mordanschlag nicht anders als durch dessen Vortäuschen verhindert werden könne. „Wir fordern von den ukrainischen Behörden umgehend Aufklärung über die Hintergründe des vorgetäuschten Journalistenmordes.“

          Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) forderte von der Ukraine Aufklärung über den Fall Babtschenko. Der Fall werfe viele Fragen auch zum Thema Glaubwürdigkeit auf, sagte Maas am Donnerstag vor dem Aufbruch zu einer zweitägigen Ukraine-Reise. „Ich habe schon die Erwartung, dass, wenn ich heute Abend in Kiew bin, ich die noch notwendigen Informationen erhalte, um mir daraus dann eine Meinung zu bilden.“ Es müsse alles getan werden, um die Vorgänge aufzuklären. Die Ukraine könne beweisen, dass sie bei den Reformen zur Rechtsstaatlichkeit vorangekommen sei. „Es wäre eine gute Gelegenheit, einen solchen, für viele Menschen absolut nicht nachvollziehbaren Vorgang rechtsstaatlich aufzuarbeiten“, sagte Maas. So könne man Vertrauen schaffen.

          Weitere Themen

          SPD legt nach Scholz-Kandidatur zu

          „Sonntagstrend“ : SPD legt nach Scholz-Kandidatur zu

          Die Sozialdemokraten gewinnen nach der Kandidatur von Olaf Scholz für den Parteivorsitz laut einer Umfrage an Zustimmung. Der Vizekanzler verteidigt das aufwändige Bewerbungsverfahren.

          G-7-Gipfel in Biarritz hat begonnen Video-Seite öffnen

          Handel, Klima, Gerechtigkeit : G-7-Gipfel in Biarritz hat begonnen

          Um die ganz großen, die weltbewegenden Themen unserer Zeit soll es im französischen Biarritz gehen: Handel, Klima, Gerechtigkeit und einige mehr. Das dreitägige Treffen steht aber auch unter dem Eindruck der Zerwürfnisse zwischen den Teilnehmern.

          Topmeldungen

          Sowohl Trump als auch Johnson winken mit ihrem zerstörerischen Potential. Nur schätzen sie ihre Position falsch ein.

          Schwäche der EU? : Boris Trump

          Sowohl Trump als auch Johnson verschätzen sich: Man kann aus den Wechselbeziehungen der globalisierten Welt nicht in Trotzecken fliehen und dabei nachhaltige Gewinne machen. Europa ist da in einer stärkeren Position.

          Axel Voss auf der Gamescom : Zu Gast bei Feinden

          Der EU-Abgeordnete Axel Voss ist die Hassfigur der Youtuber und Gamer. Mit der Reform des Urheberrechts hat er die Szene gegen sich aufgebracht. Sein Besuch auf der Spielemesse Gamescom lief dann aber anders als erwartet.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.