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Vorfall im Schwarzen Meer? : Großbritannien bestreitet Warnschüsse Russlands

Der Zerstörer HMS Defender vom Typ 45 der britischen Royal Navy, hier im Hafen von Istanbul im Juni 2021 Bild: Reuters

Russland behauptet, ein britisches Kriegsschiff vor der Küste der Krim gestoppt zu haben. Es seien Warnschüsse gefallen und vier Bomben abgeworfen worden. Großbritannien stellt das anders dar.

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          Russland und Großbritannien sind uneins über einen Vorfall im Schwarzen Meer. Nach eigenen Angaben stoppte das russische Militär am Dienstagmittag ein britisches Kriegsschiff vor der Küste der ukrainischen, seit 2014 von Russland besetzten Krim mit Warnschüssen. Das wies das britische Militär zurück: „Es sind keine Warnschüsse auf den HMS Defender abgefeuert worden“, teilte das Verteidigungsministerium in London mit.

          Jochen Buchsteiner
          Politischer Korrespondent in London.
          Friedrich Schmidt
          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Auch könne man nicht bestätigen, dass Bomben in der Nähe des Schiffes zum Einsatz gekommen seien. „Die Königliche Marine befand sich auf einer harmlosen Durchfahrt durch ukrainische Gewässer und im Einklang mit dem internationalen Recht", hieß es. Das britische Verteidigungsministerium sprach von einem „Routine-Transit“ von Odessa Richtung Georgien. Die HMS Defender sei dabei routinemäßig“ von russischen Schiffen begleitet und auf Übungen in der weiteren Umgebung aufmerksam gemacht worden. Um 9.45 Uhr britischer Zeit habe der Zerstörer „den Korridor sicher verlassen“.

          Eine abweichende Darstellung gab ein BBC-Korrespondent, der sich zum Zeitpunkt des Vorfalls an Bord befand. Danach versuchten russische Küstenwachboote, den Zerstörer „auf einen anderen Kurs zu zwingen“ und kamen bis auf 100 Meter nahe. Per Funk sei den Briten damit gedroht worden, „das Feuer zu eröffnen“. In der Nähe seien außerdem mehr als zwanzig Militärflugzeuge beobachtet worden, und in weiterer Erfahrung Schüsse zu hören gewesen. Zuvor habe der britische Kapitän „absichtlich“ den Südzipfel der Krim angesteuert, „um bei den Russen einen Punkt zu setzen“. Der Kapitän soll von einer „selbstbewussten, aber nicht konfrontativen Mission“ gesprochen haben. 

          Das russische Verteidigungsministerium teilte dagegen mit, der Zerstörer „Defender“ der britischen Marine habe trotz vorheriger Warnung um 11:52 Uhr „die Staatsgrenze der Russischen Föderation überquert“. Das Schiff sei drei Kilometer weit in Hoheitsgewässer eingedrungen, hob das Ministerium hervor und gab den Ort des Geschehens als das Gebiet vor dem Kap Fiolent an, das südlich der Stadt Sewastopol auf der ukrainischen Halbinsel Krim liegt.

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          Russland behandelt die Halbinsel seit März 2014 als Staatsgebiet, was auch zur See zu Zwischenfällen geführt hat. Um 12:06 Uhr und 12:08 Uhr Ortszeit habe ein Schiff der russischen Küstenwache Warnschüsse abgegeben, um 12:19 Uhr habe ein russisches Kampfflugzeug zur Warnung eine Bombe auf die Route des Zerstörers abgeworfen, gab Moskau weiter an. Um 12:23 Uhr habe das britische Schiff die „Territorialgewässer der Russischen Föderation verlassen“. Der Militärattaché der britischen Botschaft in Moskau sei ins Verteidigungsministerium einbestellt worden.

          Vorige Woche hatte das russische Verteidigungsministerium mitgeteilt, den Kurs des Zerstörers „Defender“ sowie der niederländischen Fregatte „Evertsen“ im Schwarzen Meer zu überwachen. „Auf unserer Seite wird sicher niemand über diese Schiffe froh sein“, sagte dazu ein früherer Kommandeur der russischen Schwarzmeerflotte, Wladimir Komojedow, der Nachrichtenagentur Interfax und beklagte eine gestiegene Aktivität von Kriegsschiffen aus NATO-Ländern. Aus der Duma, dem russischen Unterhaus, kamen nach dem Vorfall im Schwarzen Meer Drohungen, „solche Exzesse zu unterbinden“, notfalls mit Beschuss.

          Anfang Juni hatte das Verteidigungsministerium geäußert, Russland verfolge aufmerksam die Vorbereitungen zum ukrainisch-amerikanischen Manöver „Sea Breeze 2021“ in der Ukraine. Es soll vom 28. Juni bis 10. Juli dauern; daran sollen Kräfte insgesamt 30 weiterer Länder teilnehmen, darunter etlicher NATO-Mitglieder.

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