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Vor zehn Jahren : Das Verbrechen von Srebrenica

  • -Aktualisiert am

Zehn Jahre nach dem Massaker: eine bosnische Frau über dem Sarg ihres Sohnes Bild: REUTERS

Vor zehn Jahren: Serbische Soldaten ermordeten Tausende von Männern aus Srebrenica. Niemand griff ein. Und der operative Chef der serbischen Truppen in Bosnien, Ratko Mladic, ist bis heute nicht gefaßt.

          Als sie hören, man müsse sich als Bewohner Srebrenicas an Sammelstellen einfinden, beschließen die Männer zu fliehen. Sich jedenfalls nicht kampflos zu ergeben wie Schafe. Am Abend des 11. und Morgen des 12. Juli 1995 brechen sie zu Hunderten, Tausenden auf in die Wälder, eine gewaltige Kolonne. Männer mit Gewehren und ohne, alte wie junge. Nachts lagern sie notdürftig unter Bäumen, ohne genügend Proviant oder Wasser. Bloß durchkommen bis Tuzla, in den sicheren Teil Bosniens. Es soll nicht gelingen.

          Am 11. Juli beginnen "vereinzelte Erschießungen", wie es später im Bericht des Generalsekretärs der Vereinten Nationen an die Vollversammlung heißen wird. Dabei bleibt es nicht.

          „Kommt raus, beeilt euch!“

          Zwei Tage später, gegen zwei Uhr nachmittags, filmt ein serbisches Fernsehteam, wie serbische Soldaten, selbstsicher wie Herrenmenschen, Männern auf einem bewaldeten Hügel zurufen: "Kommt raus, beeilt euch!" Einige der Soldaten tragen zur Täuschung UN-Jacken. Etliche derer, die schließlich aus dem Wald hervorkommen, können nicht mehr vor Erschöpfung. Es sind bleiche, bärtige, übermüdete Gestalten, einige müssen getragen werden. "Hatten Sie Angst?" hört man aus dem Off eine Stimme fragen, der da spricht, bemerkt den Zynismus seiner Frage nicht. "Wer hätte nicht Angst", wirft ihm einer der vorbeihastenden Muslime zu. Schüsse aus einer automatischen Waffe sind zu hören.

          Diese Filmsequenz ist ein Beweisstück im Prozeß gegen den ehemaligen General Radislav Krstic beim Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag. Angeklagt ist Krstic unter anderem wegen Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Nach 98 Verhandlungstagen lautet das Urteil 2001 zunächst 46 Jahre Haft. Nach der Berufung bleiben 35 Jahre. Der operative Chef der serbischen Truppen in Bosnien, Ratko Mladic, ist bis heute nicht gefaßt.

          Serben in den Begleitfahrzeugen der UN

          Als Srebrenica am 11. Juli in die Hände der serbischen und serbisch-bosnischen Truppen fällt, geschieht dies unter den Augen von UN-Soldaten, die eigentlich das Schlimmste verhindern sollen. Die UN-Soldaten vom "Dutchbat III" sind als "Peacekeeper" nur leicht bewaffnet. Doch einige von ihnen trinken auch Sekt mit den bosnisch-serbischen Generälen.

          Wohl ahnen die UN-Soldaten, daß etwas vor sich geht. Sie versuchen auch, mit jeweils einem Fahrzeug der UN, die Busse zu eskortieren, mit denen die Muslime abtransportiert werden. Doch am Ende sitzen in UN-Begleitfahrzeugen auf einmal Serben. Der Kommandeur der "Dutchbat III", Thomas Karremans, tritt später nicht persönlich als Zeuge in Den Haag auf. Seine Aussage wird nur per Video eingespielt.

          Dokumentiert wie ein Familienfest

          Auch die Täter nutzen Videokameras. Kaum ein moderner Krieg ist so ausführlich mit Fernseh- und Videoaufnahmen dokumentiert wie der in Bosnien-Hercegovina. Tausende Stunden Videobänder lagern allein in Den Haag. Die Aufnahmen zeigen nicht nur Verbrechen, sondern auch Harmlosigkeiten.

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