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Vor Tunesiens Küste : Mehr als 50 Flüchtlinge sterben bei Bootsunglück

  • Aktualisiert am

Rettungswesten auf dem Schiff „Elonore“: Vielerorts ist die Seenotrettung im Mittelmeer derzeit ausgesetzt, jetzt starben viele Flüchtlinge bei einem Bootsunglück vor Tunesiens Küste. Bild: dpa

Vor der tunesischen Küste ist ein Boot mit mehr als 50 Flüchtlingen an Bord verunglückt. Mindestens 52 Menschen kamen ums Leben, unter ihnen viele Frauen sowie Kinder. Ihr Ziel war Sizilien.

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          Bei einem Bootsunglück vor der tunesischen Küste sind mindestens 52 Menschen ertrunken. Das teilte ein Sprecher der tunesischen Gesundheitsbehörde am Donnerstag mit. Zuvor lag die Zahl der Opfer bei 45 Personen.

          Das Unglück ereignete sich in der Nähe der gleichnamigen Hafenstadt. Unter den Opfern sind mindestens 22 Frauen und drei Kleinkinder, wie das tunesischen Nachrichtenportal „Tunisie Numérique“ berichtete.

          Eine der Frauen, deren Leichen wenige Seemeilen vor der tunesischen Küste geborgen wurde, soll hochschwanger gewesen sein. Unter den männlichen Todesopfern soll auch ein 48 Jahre alter Tunesier sein, der das überfüllte Boot mit Platz für 20 Menschen bei der Abfahrt von Sfax aus gesteuert hatte. Das Ziel war die italienische Insel Sizilien, die unweit der tunesischen Küste liegt und deswegen als Transit für Flüchtlinge, die über das Mittelmeer nach Europa wollen, dient. Die Suche nach weiteren Vermissten im Meer vor der Stadt Sfax laufe noch, sagte Al-Hakim.

          Das UN-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) teilte in Tunis mit, unter den mutmaßlich 53 Menschen an Bord des gekenterten Boots seien mehrheitlich weibliche Flüchtlinge aus Ländern südlich der Sahara sowie sieben Tunesier gewesen. Die Identität der Leichen müsse anhand von DNA-Tests festgestellt werden.

          Zwischen Januar und Mai habe sich die Zahl der Flüchtlingsboote, die von tunesischen Küsten aus Richtung Europa aufbrachen, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdreifacht, sagte Federico Fossi vom UNHCR-Büro in Rom. Während im vergangenen Jahr hauptsächlich Tunesier diese Route nutzten, stieg in diesem Jahr der Anteil von Migranten aus westafrikanischen Ländern UNHCR-Angaben zufolge erheblich an. Immer wieder ertrinken dabei Menschen. Nach Angaben der UN-Organisation für Migration (IOM) kamen seit 2014 bei der Flucht über das Mittelmeer mehr als 20.000 Menschen ums Leben.

          Die Internationale Organisation für Migration (IOM) wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es derzeit so gut wie keine Kapazitäten für Rettungseinsätze im Mittelmeer gebe. Der italienischen Tageszeitung „Repubblica“ zufolge bringen libysch-tunesische Schleuserorganisationen vermehrt in Libyen gestrandete Flüchtlinge nach Tunesien, um sie von dort mit kaum seetauglichen Booten nach Italien zu schicken. Migranten aus der Elfenbeinküste versuchen dagegen UN-Angaben zufolge vermehrt, direkt über Tunesien nach Europa zu gelangen.

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