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Trump vor Treffen in Singapur : Der Dealmaker dämpft die Erwartungen

  • -Aktualisiert am

In Gedanken schon in Singapur? Donald Trump beim G-7-Gipfel in Kanada. Bild: AFP

Donald Trump will, dass der Nordkorea-Gipfel ein historischer Erfolg wird. Gleichzeitig verspricht er nicht zu viel. Schon eine gute gemeinsame Gesprächsbasis mit Kim Jong-un würde vielen als Erfolg gelten.

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          Noch ist Donald Trump auf dem G-7-Gipfel in Kanada. Doch bald reist er vorzeitig ab, um pünktlich zu dem historischen Treffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un zu kommen. Er gibt sich betont unaufgeregt: „Ich glaube nicht, dass ich viel Vorbereitung brauche. Es kommt auf die Einstellung an“, sagte Donald Trump vor Journalisten mit Blick auf seine Zusammenkunft mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un am 12. Juni in Singapur. „Wir werden mindestens erreichen, dass wir mit einer guten Beziehung starten.“ Die gewisse Lässigkeit ärgerte den Minderheitsführer im Senat, Chuck Schumer aus New York: „Angesichts der Tatsache, dass Nordkorea Interkontinentalraketen und nukleare Sprengköpfe hat, ist die Situation zu gefährlich für Verhandlungen aus dem Bauch heraus“, twitterte er.

          Die Demokraten im Senat forderten in einem Brief, dass jegliche Vereinbarung mit Nordkorea eine komplette nukleare Abrüstung und auch ein Ende des nicht-nuklearen Raketenprogramms zum Ziel haben müsse. Der Kongress müsse zudem über die Verhandlungsziele des Weißen Hauses informiert werden, bevor der Gipfel beginne. Trump machte derweil klar, dass er keinen Input von den Demokraten brauche – die hätten einen solchen Gipfel schließlich nie zustande gebracht, twitterte der Präsident: „Schumer ist in Sachen Nordkorea und Iran gescheitert, wir brauchen seinen Rat nicht!“ Der liberale Kolumnist Nicholas Kristof gab ihm Recht und schrieb in der „New York Times“: „Schock! Horror! Trump macht tatsächlich etwas richtig!“ Der Widerstand der Demokraten gegen das Vorgehen des Präsidenten sei kindisch: „Sie sind mehr damit beschäftigt, den Präsidenten zu unterminieren, als damit, einen Friedensprozess in Nordkorea zu unterstützen. Damit stehen sie auf derselben Seite wie der Nationale Sicherheitsberater John Bolton – alle sind sie ausdauernd dabei, die Friedensbemühungen zu untergraben.“

          Trump dämpft die Erwartungen

          In den vergangenen Tagen hatte Donald Trump sich unterdessen bemüht, die Erwartungen an den Gipfel etwas zu dämpfen: Das Endziel der Verhandlungen sei nach wie vor der vollständige Stopp aller Bemühungen Nordkoreas, sich atomar zu bewaffnen – es könne allerdings lange dauern, dort hin zu kommen, so Trump. Nach einem Treffen mit der nordkoreanischen Vorbereitungs-Delegation stellte er klar: „Noch einmal, es ist ein Prozess. Wir werden wahrscheinlich am 12. Juni nichts unterschreiben, wir starten einen Prozess. Ich habe ihnen heute gesagt, lasst euch Zeit. Wir können schnell vorgehen, wir können langsam vorgehen. Aber ich glaube, sie wollen, dass etwas passiert. Und wenn wir es hinkriegen können, ist das gut. Aber der Prozess beginnt am 12. Juni in Singapur.“

          Die Erwartungen vieler Amerikaner für den Gipfel selbst sind dementsprechend niedrig. „Wie schwach kann der Deal am Ende sein, damit ihn Donald Trump noch als Sieg verkaufen kann?“ fragte die Zeitung „Washington Post“ in dieser Woche. Nordkorea wird schließlich seit mehr als 60 Jahren von der Kim-Familie regiert, die nie von dem Gedanken nuklearer Regime-Sicherung Abstand nahm und das eigene Volk brutal unterdrückte. Es gibt aber auch vorsichtig optimistische Stimmen. Christopher R. Hill, ehemals Botschafter in Südkorea, und Ex-UN-Botschafter Thomas R. Pickering schrieben in der „Washington Post“, der Gipfel könne eine Chance sein, wenn man vorsichtig vorgehe: „Das kann nur der Anfang eines langen Prozesses sein, in dem Ausdauer und Geduld nötig sein werden.“

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