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Vor Merkels Lateinamerika-Reise : Chávez rückt Kanzlerin in politische Nähe zu Hitler

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Wenige Tage vor dem EU-Lateinamerika-Gipfel in Lima hat der venezolanische Präsident die Bundeskanzlerin scharf attackiert. Ihre Partei gehöre zum rechten Lager, „derselben Rechten, die Hitler und den Faschismus unterstützt hat“. Kanzlerin Merkel reagiert gelassen.

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          Wenige Tage vor dem EU-Lateinamerika-Gipfel in Lima hat der venezolanische Präsident Hugo Chávez schwere Vorwürfe gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel erhoben und ihr eine politische Nähe zu Adolf Hitler bescheinigt. Die Bundeskanzlerin gehöre als Vorsitzende der Christdemokraten der politischen Rechten an, „der selben Rechten, die Hitler, die den Faschismus unterstützt hat“, sagte Chávez am Sonntag in Caracas.

          Damit kommentierte er die Aussage der Bundeskanzlerin, der venezolanische Präsident sei nicht die Stimme Lateinamerikas. Diese Meinung Frau Merkels war in einem Interview des spanischen Dienstes der Deutschen Presse- Agentur am Samstag veröffentlicht worden. Die Bundeskanzlerin bemühte sich um eine gelassene Reaktion: In einer von der Bundesregierung verbreiteten Erklärung, wiederholte sie ihre Haltung, wonach Chávez nicht für ganz Lateinamerika spreche.

          Berlin: „Die Äußerungen sprechen für sich“

          Ein Regierungssprecher verwies nochmals auf die Passage in dem Agenturinterview, wonach nach Merkels Auffassung Chávez den Beziehungen zwischen Europa und Lateinamerika keinen grundlegenden Schaden zugefügt habe. „Ein Land allein kann die Beziehungen zwischen der EU und Lateinamerika nicht nachhaltig beeinträchtigen“, hatte die Kanzlerin gesagt.

          Will sich den Mund nicht verbieten lassen: Chávez in seiner Fernsehsendung „Aló Presidente”
          Will sich den Mund nicht verbieten lassen: Chávez in seiner Fernsehsendung „Aló Presidente” : Bild: AP

          Jedes Land habe seine eigene Stimme, mit der es eigene Interessen verfolge. „Auch das venezolanische Volk hat mit der Ablehnung des Referendums im Januar selbst Position bezogen“, hatte die Kanzlerin ergänzt. Dort hatte Chávez eine Abstimmungsniederlage bezogen, die von einigen Beobachtern als Anfang eines Abstiegs gewertet wird. Der Interviewäußerung sei nichts hinzuzufügen, sagte ein Regierungssprecher. „Die Äußerungen von Präsident Chávez sprechen für sich.“

          „Viele wollen, dass man den Mund hält“

          Er werde Frau Merkel eventuell beim Gipfel in Lima (16./17. Mai) antworten, hatte Chávez in seiner Fernsehsendung „Aló Presidente“ gesagt. Chávez machte Ansätze zu weiteren Attacken auf Frau Merkel, hielt sich aber schließlich zurück. „Frau Bundeskanzlerin, Sie können ...“, hub er an, sagte dann aber nach einer kurzen Pause: „Weil Sie eine Dame sind, werde ich diesen Satz nicht vollenden.“ Er beschuldigte die Bundeskanzlerin, Regierungschefs in Lateinamerika gezielt dazu aufgerufen zu haben, keine engen Verbindungen zu Venezuela zu unterhalten. Was aber wie bösartige Drohungen klang, waren wohl nur die bei Chávez üblichen unkontrollierten Reaktionen auf Kritik an ihm und seiner Politik.

          Seine Teilnahme am Gipfel in Lima ließ Chávez offen. „Ich weiß jetzt noch nicht, ob ich am Gipfel teilnehme. Viele wollen, dass man den Mund hält. Aber wenn ich nach Lima fliege und ich ihr plötzlich etwas sage und sie wird böse, wird sie (Merkel) dann auch aufstehen und sagen „Warum hältst du nicht den Mund?“, sagte Chávez in Anspielung auf einen Zwischenfall mit dem spanischen König Juan Carlos vom vergangenen November in Santiago de Chile. (Siehe auch: Chávez: Lateinamerikanischer Antiroyalist)

          Beim iberoamerikanischen Gipfel hatte Chávez versucht, eine Rede des spanischen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero zu unterbrechen. Der König fuhr daraufhin den Venezolaner mit den Worten „Warum hältst du nicht den Mund?“ an. Der Schlagabtausch löste damals eine wochenlange Krise zwischen Madrid und Caracas aus.

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