https://www.faz.net/-gpf-9mpz6

Klage gegen Deutschland : Herero und Nama ziehen in Amerika vor Gericht

  • Aktualisiert am

Angehoerige der deutschen Schutztruppen 1896 mit gefangenen Hereros im damaligen Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia. Bild: epd-bild/akg-images

Das Vorgehen der kaiserlichen Armee in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika gegen die Einheimischen wird gemeinhin als Genozid angesehen. Nachfahren der Völker fordern Schadenersatz, die deutsche Regierung sträubt sich aber.

          Vertreter der Herero und Nama dringen weiter auf ein Gerichtsverfahren gegen Deutschland in den Vereinigten Staaten. Mit einer Klage wollen sie unter anderem Schadenersatz für die in der einstigen Kolonie Deutsch-Südwestafrika begangenen Kolonialverbrechen erwirken. Auch fühlen sie sich bei den Gesprächen zwischen namibischer und deutscher Regierung zur Aufarbeitung der gemeinsamen kolonialen Vergangenheit nicht angemessen vertreten.

          Anfang März hatte sich das Bezirksgericht in New York in der Sache für nicht zuständig erklärt. Am Dienstag wandten sich die Kläger nun an die nächste Instanz und reichten Berufung beim Berufungsgericht der Vereinigten Staaten ein. In den kommenden sechs Monaten soll der Fall abermals geprüft werden.

          Das heutige Namibia stand mehr als 30 Jahre unter deutscher Kolonialherrschaft. Deutsche Soldaten schlugen zwischen 1904 und 1908 Aufstände der einheimischen Volksgruppen der Herero und Nama brutal nieder. Zehntausende Menschen wurden getötet oder in den sicheren Tod in die Omaheke-Wüste getrieben. Die Ereignisse werden inzwischen sowohl von Historikern als auch von Politikern als Genozid bewertet.

          Namens der in den Vereinigten Staaten klagenden Herero und Nama verweist deren Anwalt Kenneth McCallion darauf, dass sich Überreste der Opfer des Völkermords auch im Naturkundemuseum in New York (American Museum of National History) befinden. Damit sei das dortige Bezirksgericht sehr wohl zuständig für den Fall.

          Reparationen für die Nachfahren der Opfer lehnte Deutschland wiederholt ab. Ziel sei stattdessen, so der CDU-Politiker Ruprecht Polenz, „sich auch langfristig und substanziell zusätzlich zu der bisherigen Entwicklungshilfe in Namibia zu engagieren, um die noch bestehenden Wunden zu heilen“. Polenz leitet auf deutscher Seite die seit mehr als drei Jahren laufenden Gespräche mit der namibischen Regierung.

          Weitere Themen

          Der Mann für die schwierigen Fälle

          Anwalt soll Bayer helfen : Der Mann für die schwierigen Fälle

          Kenneth Feinberg ist in den Vereinigten Staaten ein Staranwalt – und kennt sich aus mit Unternehmenskrisen. Nun soll er dem in Bedrängnis geratenen Bayer-Konzern in den Glyphosat-Fällen helfen. Auch ein anderer deutscher Konzern hat Erfahrung mit ihm.

          Union beendet Europawahlkampf Video-Seite öffnen

          Merkel ist auch da : Union beendet Europawahlkampf

          Beim Abschluss des Europawahlkampfs der konservativen EVP in München ist Bundeskanzlerin Angela Merkel mit von der Partie. Das jähe Ende der Koalition aus ÖVP und FPÖ in Österreich ist auch hier Thema.

          Mehrere Verletzte bei Explosion in Lyon

          Frankreich : Mehrere Verletzte bei Explosion in Lyon

          Bei einer Explosion im Stadtzentrum von Lyon sind laut Behörden mindestens 13 Menschen verletzt worden. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron spricht von einem „Angriff“. Der mutmaßliche Täter ist auf der Flucht.

          Macron reagiert im Livestream Video-Seite öffnen

          „Angriff“ in Lyon : Macron reagiert im Livestream

          In der Fußgängerzone der französischen Stadt Lyon ist offenbar eine Paketbombe explodiert. In einem Live-Interview auf YouTube und Facebook während einer Wahlveranstaltung der Partei La Republique En March sprach Macron von einem Angriff.

          Topmeldungen

          Der russische Präsident Wladimir Putin und Viktor Orban, Ministerpräsident von Ungarn, geben sich während einer gemeinsamen Pressekonferenz in Moskau die Hand.

          Nach Ibiza-Video : Orbán und Putin wenden sich von Strache ab

          In seinem Ibiza-Video hat Heinz-Christian Strache den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán als sein Vorbild bezeichnet. Doch der hat sich nun von Österreichs ehemaligem Vizekanzler distanziert. Auch Putin wendet sich von Strache ab.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.