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G-7-Vorbereitungen in Biarritz : Seealgen-Kosmetik für Macrons Gäste

„Wenn man den Ozean hat, braucht man Paris nicht zu kopieren“: Die Strandpromenade von Biarritz wird während des G-7-Gipfels hermetisch abgeriegelt. Bild: EPA

Der G-7-Gipfel im französischen Biarritz steht im Zeichen des Klimaschutzes. Dabei sollen die Staats- und Regierungschefs auch persönlich Vorbild sein.

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          Als der Schriftsteller Victor Hugo 1843 Biarritz entdeckte, war er hingerissen. „Ich kann mir keinen charmanteren und herrlicheren Ort vorstellen“, schrieb er. Der Autor des „Glöckner von Notre-Dame“ äußerte zugleich die Sorge, dass das Fischerdorf an der Atlantikküste zu einem mondänen Seebad werden könne. „Wenn man den Ozean hat, braucht man Paris nicht zu kopieren“, warnte er.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Michel Veunac kann den Zeilen Hugos viel abgewinnen. Der 73 Jahre alte Bürgermeister von Biarritz versteht sich als Bewahrer des Ozeans und der Küstenlandschaft, „unseres einzigartigen Schatzes“, wie er sagt. Von den Staats- und Regierungschefs der sieben wichtigsten Industriestaaten (G7), die am Wochenende im Hôtel du Palais am Strand Quartier beziehen, erhofft er sich Interesse für den Umweltschutz. „Wenn es eine Botschaft gibt, die sie aus unserer Stadt am Meer mitnehmen sollten: Verschreibt euch dem Kampf gegen den Klimawandel und für die Bewahrung unserer Natur!“, sagt er im Gespräch mit der F.A.Z..

          Im großen Rathaussaal, „alles Art déco“ wie er hervorhebt, wirkt er zunächst sorgenvoll. Ihm steht ein Bürgergespräch bevor, eines von Dutzenden, in denen er die Organisation des G-7-Gipfels erläutern soll. Viele der „Biarrots“, wie sich die Einwohner nennen, sind alles andere als begeistert von der Invasion der Sicherheitskräfte, diplomatischen Delegationen und Journalisten mitten in den Sommerferien. Die „Gelbwesten“-Bewegung hat den vornehmen Touristenort mit seinen gepflegten Villenanlagen nicht erfasst, es gab keine Proteste wie im nahe gelegenen Bayonne. Aber jetzt droht der Aufstand der Geschäftsleute. Restaurantbetreiber und Inhaber der Boutiquen fürchten Verluste ausgerechnet in der Hauptsaison, wenn das Prachtviertel der Stadt zwischen Hôtel du Palais und Casino wegen der hohen Staatsgäste abgeriegelt bleibt. Die berühmte Strandpromenade ist mehrere Tage für den Publikumsverkehr gesperrt. Einige können sich noch an den EU-Gipfel im Jahr 2000 erinnern, aber der fand Mitte Oktober statt, wenn ohnehin Besucherflaute herrscht.

          Alarmiert blicken viele Biarrots auch auf das Treiben der G-7-Gegner, das in sicherer Distanz zu ihrer Stadt stattfinden soll. Sie fürchten, dass es einigen Randalierern doch gelingen könnte, in die Wohngebiete vorzudringen. Veunac seufzt, denn er bekommt selbst zu spüren, dass er für die Verantwortlichen in Paris nur ein Nebendarsteller beim großen Gipfelspektakel ist. Immerhin hat ihm Innenminister Christophe Castaner am Dienstag persönlich die Sicherheitsvorkehrungen in Biarritz vorgestellt. 13.200 Polizisten und Gendarmen werden die Stadt bewachen, unterstützt von Hubschraubern und Drohnen. Vor der Küste kreuzt eine Fregatte. Dem Festungsgedanken kann der Stadtherr wenig abgewinnen, das spürt man bei aller Loyalität für Gastgeber Emmanuel Macron.

          Bestens vorbereitet: Während des G-7-Gipfels sind 13.200 Polizisten in und um Biarritz im Einsatz.

          Seine Augen beginnen erst wieder freudig zu funkeln, als er auf seine eigenen politischen Anfänge als Umweltschützer zu sprechen kommt. 1989 engagierte er sich an der Seite des grünen Pioniers Brice Lalonde, „ein Freund“, und gründete mit ihm die Bewegung „Génération écologie“. „Das war lange bevor grüne Themen die Debatte beherrschten“, sagt er. Seit er 2014 die Geschicke der 25.000-Einwohner-Stadt übernahm, arbeitet er sich an einer grünen Agenda ab: Elektrobusse, verkehrsberuhigte Zonen, Wärmedämmung, Sitzbänke mit Solarzellen und Müllverringerung. Ganz wichtig sei ihm die Wasserqualität, wie er betont. Jeden Morgen in aller Frühe würden an den sechs Stränden der Stadt Wasserproben entnommen.

          Um die Sicherheit der Gipfel-Teilnehmer zu gewährleisten, wird die Innenstadt großräumig abgeriegelt und kontrolliert.

          Doch im Kampf gegen Plastikmüll und verschmutzte Abwässer kann ein Bürgermeister allein nur wenig ausrichten, gesteht er ein. Beim G-7-Gipfel soll zumindest so wenig Müll wie möglich produziert werden, darauf hat er sich mit dem Elysée-Palast verständigt. Auch beim Transport der Besucher sollen die Ressourcen nicht verschwendet werden. Die Staats- und Regierungschefs werden zu Fuß unterwegs sein, schließlich liegen Hotel und Tagungsorte nur wenige Schritte voneinander entfernt.

          Diplomaten und Journalisten können die ersten mit Wasserstoff angetriebenen Fahrräder ausprobieren. Die Bikes mit dem Namen „Alpha“ werden in Biarritz von der Firma Pragma Industries hergestellt und gelten als vielversprechende Alternative zu den batteriebetriebenen E-Bikes. Die Brennstoffzellentechnologie verspreche einen geringeren CO2-Fußabdruck und schnellere Ladevorgänge, erzählt Guillaume Le Berre, der Mobilitätsdirektor des Start-up-Unternehmens. Er ist auf einem der „Alpha“-Bikes zum Treffpunkt in der „Bar des Colonnes“ gekommen. An der antiken Säule des Teesalons nimmt sich das Wasserstoff-Rad besonders futuristisch aus.

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