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Irland vor Papstbesuch : Und erlöse uns von dem Bösen

  • -Aktualisiert am

Eine Gläubige betet in Knock – wie wohl viele tausend Menschen dieser Tage. Die Skandale rund um die Kirche haben die irische Gesellschaft aber nachhaltig beeinflusst. Bild: Reuters

Die meisten Iren sind katholisch und führen zwei Leben: ein öffentlich-frommes und ein privat-liberales. Viele wollen das doppelte Spiel nicht mehr. Nun kommt Papst Franziskus – es wird kein einfacher Besuch.

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          Wann immer der Heilige Vater nach Irland reist, geht es ums Ganze, um Leben und Tod. So war es 1979, so wird es diesmal sein. Damals hörten 1,3 Millionen Menschen im Dubliner Phönix-Park seine Worte. Der Papst betete für Frieden im Konflikt mit Nordirland. Während der Messe starben Menschen, und Babys wurden geboren. Der Verkehr brach zusammen. Die halbe Nacht hallten durch Lautsprecher Durchsagen, Kinder vermissten ihre Eltern. Als der Papst abreiste, war die katholische Kirche in Irland vielleicht so stark und selbstgewiss wie nie zuvor. Und wie nie mehr danach.

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Auch diesmal, wenn der Papst am Wochenende nach Irland kommt, geht es um alles. Die Stadtverwaltung baute am Rande des Phönix-Parks eine provisorische Leichenhalle, aber die Verantwortlichen beruhigen, das sei ganz normal bei Großveranstaltungen. Der Papst wird auch diesmal während seines Besuchs mit Politikern sprechen. Aber sie werden nicht mehr zittern, denn die katholische Kirche kann in Irland keine Regierungen mehr stürzen. Leo Varadkar, der Ministerpräsident, wird dem Papst sagen, dass Familien, die von gleichgeschlechtlichen Partnern geführt werden, gleichwertig mit klassischen Familien seien. Und er wird die Greuel ansprechen, die Missbräuche und Ausbeutungen durch die katholische Kirche. Es wird Mahnwachen geben. Papst Franziskus wird ein anderes Irland erleben als noch Papst Johannes Paul II. Es wird kein einfacher Besuch für ihn. Aber auch kein einfacher für die Iren.

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