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Klimakonferenz COP26 : Die Briten haben andere Sorgen

Ein Aktivist von „Insulate Britain“ hat sich am Montag auf eine Straße in London geklebt. Bild: Getty

Boris Johnson würde gerne als Vorkämpfer gegen den Klimawandel glänzen. Doch das gelingt ihm nicht. Viele Briten sorgen sich um ganz andere Dinge – und für andere unternimmt er längst nicht genug.

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          Zahlreiche Staatschefs und prominente Aktivisten werden von Sonntag an zum Klimagipfel in Glasgow erwartet, darunter Joe Biden und Greta Thunberg – aber die Briten reden über Sherrilyn Speid aus Purfleet in Essex. Als die alleinerziehende Mutter in der vergangenen Woche ihren Sohn zur Schule fahren wollte, wurde sie von streikenden Klimaaktivisten gestoppt. Nachdem sie die Demonstranten von „Insulate Britain“ nicht überzeugen konnte, die Straße zu räumen, setzte sich Speid wieder hinters Lenkrad ihres Range Rovers und schob die Aktivisten im Schritttempo vor sich her. Nun werfen ihr empörte Klimaschützer Mordabsichten vor, während ein Teil der Öffentlichkeit Speid als tapfere Repräsentantin des britischen common sense feiert.

          Jochen Buchsteiner
          Politischer Korrespondent in London.

          Es läuft nicht gut für Premierminister Boris Johnson, der den Gipfel in Glasgow gerne als Meilenstein im Kampf gegen den Klimaschutz verewigt sähe. Eigentlich fordern die Leute von „Insulate Britain“ – einer Abspaltung von „Extinction Rebellion“ – eine Maßnahme, die mit den Zielen der Regierung harmoniert: die rasche Dämmung der britischen Häuser, die sich im europäischen Vergleich porös ausnehmen. Aber die seit Wochen anhaltenden Straßenblockaden, die großen Unmut im Land stiften, lassen der Regierung keine Wahl, als die Proteste zu verdammen. Priti Patel, die Innenministerin, nannte die Klimaschützer kürzlich „egoistisch“ und hielt ihnen „Guerilla-Taktiken“ vor. Johnson sprach von „unverantwortlichen Crusties“ – so bezeichnete man in den neunziger Jahren eine äußerlich verwahrloste, meist bettelnde Jugendszene.

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