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Geschichte des Nahostkonflikts : Als die UN die Grundlage für den Staat Israel schufen

Nachdenkliche Gesichter nach der Abstimmung: UN-Generalsekretär Trygve Lie (links) mit seinem Assistenten Andrew A. Cordier, sitzend Oswaldo Aranha, der Präsident der UN-Vollversammlung Bild: Picture Alliance / ASSOCIATED PRESS

Am 29. November 1947 stimmte die Vollversammlung der Vereinten Nationen für die Teilung Palästinas in zwei Staaten. Richtig realisiert wurde sie nie. Und den Konflikt beendete sie schon gar nicht.

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          Dreiunddreißig Jastimmen. Drei­zehn Gegenstimmen. Zehn Enthaltungen. Dieses Abstimmungsergebnis in den Vereinten Nationen am 29. November 1947 legte die Grundlage für den Staat Israel. Knapp ein halbes Jahr später wurde er ausgerufen. Das zweite Gebilde, das die Resolution 181 der UN-Vollversammlung vorsah, ist dagegen bis heute nicht Wirklichkeit geworden: der „arabische Staat“, der an die Seite des „jüdischen“ treten sollte. Stattdessen gibt es einen andauernden Konflikt in dem vormaligen britischen Mandatsgebiet Palästina. Nach der Abstimmung brachen umgehend Kämpfe aus. Der „UN-Teilungsplan für Palästina“ ist in diesem langen Ringen selbst zu einer Wegmarke geworden – und nach wie vor umstritten.

          Christian Meier
          Politischer Korrespondent für den Nahen Osten und Nordostafrika.

          Dass die Mitgliedsländer der zwei Jahre zuvor gegründeten Vereinten Nationen sich überhaupt mit dieser Frage befassten, lag an der sich stetig verschlechternden Sicherheitslage in Palästina – und an der daraus resultierenden Frustration Großbritanniens. London sah sich immer weniger in der Lage, seine Rolle als Mandatsmacht auszufüllen. Unter dem Eindruck von Terroranschlägen zionistischer Gruppen sowie von Unruhen in Indien und wirtschaftlichen Problemen im eigenen Land beschloss die Regierung im Februar 1947, die Treuhandschaft über das Gebiet an die UN zurückzugeben. Von deren Vorgängerorganisation, dem Völkerbund, hatte London das Palästinamandat nach dem Ersten Weltkrieg übertragen bekommen. Der Auftrag lautete, die Völker auf die Unabhängigkeit vorzubereiten. Dahinter verbarg sich oft jedoch die Fortsetzung quasikolonialer Herrschaften durch die Großmächte.

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