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Vom Himmel geholt : Wenn Putin wollte

Auch auf den mutmaßlichen Abschuss der Passagiermaschine reagieren alle wie immer: der Westen mit Uneinigkeit, Moskau mit Propaganda.

          Noch in dieser Woche wird der Krieg, der im Osten Europas tobt, im Westen ankommen. Fast dreihundert Särge werden nicht nur den Niederländern zeigen, dass ihre Hoffnung trog, die Scharmützel irgendwo in der hintersten Ukraine gingen sie nichts an. Mit der mutmaßlich abgeschossenen Passagiermaschine zerschellte auch die besonders in Deutschland beliebte Vorstellung, man könne eigentlich jeden Konflikt ignorieren, wenn man nur hoch genug fliege, im physikalischen wie im politischen Sinne. Derjenige, der den Tod von hunderten unbeteiligten Zivilisten auf sein Gewissen geladen hat, holte auch die Illusion vom Himmel, der slawische Bruderkrieg im Osten störe die Kreise der friedliebenden Handelsnationen im Westen nicht.

          Er stört sie aber doch. Weil in ihm eine Macht aktiv ist, die sich nicht länger an die Grundregeln des gedeihlichen Miteinanders hält. Russland ist inzwischen nicht nur ein Lieferant von Gas und Öl, sondern auch ein Exporteur von Instabilität und Unsicherheit. Den Beteuerungen seines Präsidenten zum Trotz versorgt Moskau den Konflikt im Osten der Ukraine weiter mit Brennstoff. Wenn Putin wollte, käme keine Patrone mehr über die Grenze, von schweren Flugabwehrpanzern mit ausgebildeten Bedienmannschaften ganz zu schweigen. Wer die Ausfuhr von solchen Waffen zulässt oder sogar befiehlt, will, dass sie eingesetzt werden. Doch hat er dann auch noch die Kontrolle darüber? Im Sinne Putins war dieser Abschuss gewiss nicht.

          Nun will er „alles in unserer Macht Stehende tun“, um die Separatisten dazu zu bringen, sich an einer Aufklärung zu beteiligen, an der ihm nicht gelegen sein kann. Doch wie reagiert der Westen auf diese Neuinszenierung eines alten Moskauer Propagandastücks? Mit Uneinigkeit darüber, ob die Sanktionen auch das Verbot von Waffenlieferungen umfassen sollen. Zum Glück verkauft Frankreich derzeit keine Flugabwehrraketen an Moskau, sondern „nur“ neue Hubschrauberträger. Deren Maschinen operieren in niedrigen Höhen und sind somit keine Bedrohung für Westeuropäer, die im Urlaubsjet den Seychellen entgegenstreben. Aus Sicht der Ukrainer und anderer Osteuropäer aber ist das eine Aufrüstung einer aggressiven Macht, die unter den gegebenen Umständen nur schwer zu verstehen ist. An den alten Slogan „Wandel durch Handel“ glaubt dort jedenfalls mit Blick auf Putin kaum noch einer.

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