https://www.faz.net/-gpf-9lg08

Präsidentenwahl in der Ukraine : Können Träume Wahlkampf sein?

Ist Wolodymyr Selensky nur eine Marionette für einen Industriellen? Seine Pappfigur wird in Kiew für eine Demonstration verwendet. Bild: AP

Das wichtigste Ereignis der letzten Tage vor der Präsidentenwahl in der Ukraine war der Start einer Fernsehserie. Darin spielt ein Komiker das ideale Staatsoberhaupt. Der Darsteller kann heute tatsächlich gewählt werden. Aber wer steht hinter ihm?

          3 Min.

          Am Freitagabend sollte im öffentlichen Fernsehen der Ukraine eine Debatte der drei aussichtsreichsten Kandidaten der Präsidentenwahl an diesem Sonntag stattfinden. Sie fiel aus. Präsident Petro Poroschenko und der in allen Umfragen führende Fernsehkomiker Wolodymyr Selenskyj kamen erst gar nicht. Und die frühere Ministerpräsidentin Julija Timoschenko ging gleich wieder, nachdem sie triumphierend verkündet hatte, nur sie habe genug Mut für eine solche Debatte.

          Reinhard Veser

          Redakteur in der Politik.

          Aber das Fernsehereignis des Wahlkampfs hatte ohnehin schon am Mittwochabend zur besten Sendezeit stattgefunden: der Start der dritten Staffel der Serie „Diener des Volkes“. Die seit 2015 laufende Serie ist der Grund dafür, dass Selenskyj zum Kandidaten wurde – er spielt darin den fiktiven Präsidenten Wassilij Goloborodko, einen grundehrlichen Menschen, der sich inmitten einer von Oligarchen und korrupten Zynikern beherrschten Elite nicht verbiegen lässt. Die Ukrainer wollten auch im echten Leben einen Präsidenten wie Goloborodko sehen, hat Selenskyj der BBC in einem seiner wenigen Interviews gesagt.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

          FAZ.NET komplett

          : 65% günstiger

          F.A.Z. Woche digital

          F.A.Z. digital – Jubiläumsangebot

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Einsame Bestattungen: Jede halbe Stunde wird auf dem Friedhof in Bergamo ein Corona-Toter beerdigt.

          Corona-Pandemie : Auch eine Krise der mathematischen Bildung

          Wer rechnen kann und ein Zahlenverständnis hat, ist dem Schwindel der Statistik nicht wehrlos ausgesetzt. Das erweist sich gerade in der Corona-Krise als nützlich. Denn es geht um viel. Ein Gastbeitrag.