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Zweifel an „Five Eyes“-Dossier : Gezielte Falschnachricht statt Geheimdienstpapier?

Woher kommt das Virus? Mao-Statue in Wuhan Bild: Reuters

In einem angeblichen Geheimdienst-Dossier wird Peking beschuldigt, den Corona-Ausbruch gezielt vertuscht zu haben. Australien zweifelt an der Echtheit des Papiers – genau wie der Bundesnachrichtendienst.

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          Vor einigen Tagen hatte die australische Boulevardzeitung „The Saturday Telegraph“ über ein angebliches Geheimdienstdossier berichtet, das die amerikanische Kritik an Chinas Umgang mit dem neuen Coronavirus zu stützen schien. Die Zeitung behauptete, das Papier komme aus dem Kreis des Geheimdienstverbunds „Five Eyes“, in dem Amerika, Australien, Großbritannien, Kanada und Neuseeland zusammengeschlossen sind.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Das Dossier sei Grundlage für eine Klage gegen China wegen Fahrlässigkeit. Peking werde darin beschuldigt, „durch Vertuschung des Ausbruchs andere Länder in Gefahr gebracht“ zu haben, schrieb die Zeitung. Inzwischen verdichten sich die Hinweise, dass es sich offenbar weder um Geheimdiensterkenntnisse noch um ein Papier der „Five Eyes“ handelt.

          Die Nachrichtenagentur Reuters zitierte am Freitag eine anonyme australische Regierungsquelle mit der Aussage, es handle sich um ein rein amerikanisches Papier, das dem Anschein nach mit dem Ziel zusammengestellt worden sei, die amerikanische Position zu stützen. Das Dokument enthalte keine geheimdienstlichen Informationen, sondern beziehe sich lediglich auf Medien- und Forschungsberichte. Australische Erkenntnisse seien darin nicht eingeflossen.

          Canberra fordert Untersuchung

          Die Zeitung „Sydney Morning Herald“ berichtete, es gebe „unter ranghohen Mitgliedern der australischen Regierung und der Geheimdienste den Verdacht, dass das Dokument von einem Mitarbeiter der amerikanischen Botschaft in Canberra an den ‚Daily Telegraph‘ durchgestochen wurde“.

          Diese Zweifel teilt auch der Bundesnachrichtendienst (BND). Recherchen des NDR zufolge soll der BND die Obleute des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag am Mittwoch informiert haben, dass die mutmaßlichen Ersteller des Papiers auf Nachfrage mitgeteilt hätten, dass man keine Kenntnis von einem gemeinsamen Papier habe.

          Der Sender berief sich auf Teilnehmer der vertraulichen Ausschusssitzung. Die BND-Vertreter erklärten demnach den Abgeordneten, dass das „Dossier“ vielleicht von einem der Partnerdienste erstellt worden sein könnte und es zu einer Verwechslung gekommen sei. Aber es könne sich auch um eine gezielte Falschnachricht handeln.

          Vor diesem Hintergrund wächst in Australien die Kritik am amerikanischen Umgang mit der Frage, woher das neue Coronavirus stammt und wie der Ursprung ermittelt werden soll. Im Unterschied zu Washington hat die Regierung in Canberra eine unabhängige Untersuchung dazu gefordert, ohne die Behauptung aufzustellen, es gebe bereits Beweise, dass das Virus aus einem Wuhaner Labor stamme.

          „Lasst uns China drankriegen“

          Australien plant, eine solche Untersuchung bei der Jahrestagung der Weltgesundheitsorganisation am 18. Mai zum Thema zu machen. Die amerikanischen Angriffe gegen China hätten Peking die Gelegenheit gegeben, die australische Initiative als Teil einer politischen Kampagne abzutun, sagten Diplomaten und Geheimdienstmitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters.

          Ein Regierungsmitarbeiter charakterisierte Amerikas Vorgehen mit den Worten „lasst uns China drankriegen“. Das sei nicht hilfreich. Auch Handelsminister Simon Birmingham ging am Freitag auf Distanz zum Verbündeten. „Sie werden sehen, dass es einige entscheidende Unterschiede zwischen einigen der Dinge gibt, die die australische Regierung gesagt hat, und manchen der Kommentare, die aus den Vereinigten Staaten kommen“, sagte er in einem Interview mit dem Sender ABC. Der Grund für diese Unterschiede sei, dass Australien seine eigene Analyse und seine eigenen Belege habe.

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