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Vietnam : Der Feind meines Feindes

Zögerliche Annäherung: Präsident Obama begrüßt Vietnams Premierminister Nguyen Tan Dun. Bild: Reuters

Die früheren Kriegsgegner Vietnam und Amerika rücken im Konflikt mit China immer enger zusammen. Bei seinem Besuch in Hanoi wird Präsident Obama am Sonntag als Partner empfangen.

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          Besucher Vietnams kennen den Strom motorisierter Zweiräder, der sich durch die Straßen von Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt schlängelt. Das scheinbar chaotische, aber offenbar einer unsichtbaren Ordnung folgende Fließen wirkt wie ein Symbol der nach vorne gerichteten Einstellung der Vietnamesen, einer Nation im Aufbruch, die sich ihren kleinen Wohlstand hart erarbeitet hat und ihn auf den Sätteln ihrer Mopeds, Roller und Motorräder genießt.

          Till Fähnders
          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Dieser in die Zukunft gerichtete Blick der Vietnamesen könnte auch eine Rolle dabei spielen, dass sich das Land etwas mehr als 41 Jahre nach dem „Fall“ oder der „Befreiung von Saigon“ (je nach Perspektive) immer stärker dem ehemaligen Feind annähert. „Vietnam, ein früherer Gegner, ist heute ein Partner, mit dem wir zunehmend warme, persönliche und nationale Verbindungen geknüpft haben“, hatte der amerikanische Außenminister John Kerry, selbst ein ehemaliger Vietnamsoldat, kürzlich bei einer Veteranenfeier gesagt.

          Wie weit sich das Verhältnis seit dem Ende des Vietnamkriegs entwickelt hat, wird auch der Besuch von Präsident Barack Obama am Montag und Dienstag in Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt zeigen. Nach der Normalisierung der Beziehungen im Jahr 1995 und den Reisen Bill Clintons im Jahr 2000 und George W. Bushs im Jahr 2006 ist es erst das dritte Mal seit Kriegsende, dass ein amtierender Präsident der kapitalistischen Weltmacht das „sozialistische“ Vietnam besucht.

          Konflikt im Südchinesischen Meer

          Als Hauptgrund für die Annäherung der früheren Feinde kann der Konflikt im Südchinesischen Meer gesehen werden, der sich in den vergangenen Monaten deutlich zugespitzt hat. In dem Konflikt zwischen China und Brunei, Malaysia, den Philippinen und Vietnam geht es vor allem um die Spratly-Inselgruppe, im Streit mit Vietnam außerdem um die weiter westlich gelegenen Paracel-Inseln. Darüber hinaus geht es aber auch um die militärische Kontrolle über fast das gesamte „Ostmeer“, wie es in Vietnam genannt wird. China hat dort künstliche Inseln aufgeschüttet und militärische Außenposten gebaut, mit Hafenanlagen und Landebahnen. In Hanoi hat sich die Einsicht durchgesetzt, dass Vietnam dem seit etwa zehn Jahren stetig wachsenden Druck Chinas nur wenig entgegensetzen kann. Die Vietnamesen wenden sich daher als Gegengewicht zu China den Amerikanern zu. Gleichzeitig muss Vietnam weiter eine Balance mit dem früheren kommunistischen Bruderland und wichtigen Handelspartner China finden. Staatspräsident Xi Jinping hatte im vergangenen Jahr als erster ausländischer Staatschef im vietnamesischen Parlament gesprochen.

          Die grundsätzliche Politik einer Annäherung an Amerika änderte sich auch nicht, als sich beim Parteikongress der Kommunistischen Partei Anfang des Jahres die chinafreundlichen Hardliner um Generalsekretär Nguyen Phu Trong durchgesetzt hatten. Sie hatten in einem Machtkampf den westlich orientierten Ministerpräsidenten Nguyen Tan Dung ausgebootet. Doch selbst diese Fraktion fürchtet das Vordringen Chinas, spätestens seit Peking vor zwei Jahren eine Ölplattform in die Gewässer vor Vietnams Küste verlegt hatte.

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