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Korruptionsprozess : Lebenslange Haft für aus Berlin entführten Vietnamesen

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Trinh Xuan Thanh verfolgt die Urteilsverkündung in Hanoi. Bild: AFP

Die Verschleppung von Trinh Xuan Thanh aus Deutschland nach Vietnam löste eine diplomatische Krise aus. Nun muss der Geschäftsmann lebenslang ins Gefängnis.

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          Der aus Berlin entführte vietnamesische Geschäftsmann ist in seiner Heimat zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Ein Richter habe den ehemaligen KP-Funktionär und Staatsmanager Trinh Xuan Thanh der Misswirtschaft und Unterschlagung für schuldig befunden, berichteten Staatsmedien am Montag. Der Entführungsfall belastet die Beziehungen zwischen Berlin und Hanoi ernsthaft.

          Mit dem Strafmaß blieb der Richter unter der Höchststrafe: Dem 52-Jährigen hatte in dem Verfahren ein Todesurteil gedroht.

          Empörung im Auswärtigen Amt

          Thanh, der in Deutschland Asyl beantragt hatte, war nach Angaben der deutschen Behörden Ende Juli vom vietnamesischen Geheimdienst aus dem Berliner Tiergarten verschleppt und nach Vietnam gebracht worden. Das Auswärtige Amt sprach von „Menschenraub“ und „Entführung“.

          Die vietnamesische Regierung bestreitet die Vorwürfe. Sie betont, Thanh sei freiwillig zurückgekehrt, um sich dem Verfahren zu stellen. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts hatte die gewaltsame Entführung Thanhs anlässlich des Prozessauftakts vor zwei Wochen abermals als „völlig inakzeptablen Bruch des Völkerrechts“ und als „Vertrauensbruch“ kritisiert.

          Nach Angaben politischer Experten war das Verfahren in erster Linie politisch motiviert: Zum einen wolle die Führung ihren Willen demonstrieren, gegen Korruption hart durchzugreifen, zum anderen nutze sie das Verfahren, um gegen politische Widersacher vorzugehen.

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