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Zivilisten in Nigeria ermordet : Dutzende Tote bei mutmaßlichem Boko-Haram-Angriff

  • Aktualisiert am

Beerdigung von Bauern, die bei dem Angriff nahe dem Dorf Koschobe im Nordosten Nigerias getötet wurden Bild: AFP

Bauern im Nordosten Nigerias werden Opfer eines grausamen Angriffs. Beobachter machen Boko Haram dafür verantwortlich – die Tat erfolgte am Tag einer Wahl, die wegen der Gewalt der Islamisten mehrmals verschoben wurde.

          2 Min.

          Bei einem Angriff auf ein Dorf in Nigeria, für den die Islamistengruppe Boko Haram verantwortlich gemacht wird, sind nach Angaben der Vereinten Nationen Dutzende Menschen getötet worden. Die Tat ereignete sich am Samstag auf Reisfeldern im Dorf Koschobe im Bundesstaat Borno im Nordosten des Landes. Bewaffnete Männer auf Motorrädern griffen am Samstag Männer und Frauen in Koshobe und umliegenden Orten im Bundesstaat Borno bei der Feldarbeit an, wie Edward Kallon, der humanitäre Koordinator der Vereinten Nationen in Nigeria, am Sonntag mitteilte. „Der Vorfall ist der brutalste direkte Angriff auf unschuldige Zivilisten in diesem Jahr.“

          Etliche weitere Menschen seien verletzt worden, sagte Kallon. Zudem gebe es Berichte, dass mehrere Frauen entführt worden seien. Kallon rief zu ihrer sofortigen Freilassung auf. Ein Bewohner der Region, Danjuma Saidu, sagte der Deutschen Presse-Agentur (dpa), manche der Todesopfer hätten Schusswunden, andere eine durchgeschnittene Kehle. Er berichtete, mehr als 40 Leichen seien gefunden worden. Kallon erklärte, die Bewohner der Gegend seien „schockiert über die Brutalität des gestrigen Angriffs und haben Angst um ihre Sicherheit“.

          Angegriffen, gefesselt und ermordet

          Auch Präsident Muhammadu Buhari verurteilte den Angriff aufs Schärfste. „Das ganze Land ist von diesen sinnlosen Tötungen verletzt“, zitierte ihn sein Sprecher Garba Shehu. Demnach beschrieb der Staatschef die „terroristischen Tötungen“ als verrückt. Die Tat ereignete sich am Tag der ersten Regionalwahlen in Borno seit 2009, als es zu Aufständen durch die Islamistengruppe Boko Haram kam. Wegen der anhaltenden Gewalt durch islamistische Milizen war die Wahl immer wieder verschoben worden.

          Wer hinter der Gräueltat steckte, war zunächst unklar. Allerdings kommt es in Borno seit Jahren immer wieder zu Angriffen der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram oder der Splittergruppe Iswap, die vor einigen Jahren dem Islamischen Staat (IS) die Treue geschworen hat.

          Zu oft würden Bauern, Fischer und Familien angegriffen, die versuchten, nach einem Jahrzehnt der Konflikte einen Teil ihrer Daseinsgrundlage wiederherzustellen, kritisierte Kallon. Den ländlichen Gemeinden zu helfen, Land zu beackern und ihre Lebensgrundlage wieder aufzubauen, gehören demnach zu den Prioritäten der UN und sind der einzige Weg, eine drohende Lebensmittelkrise im Bundesstaat Borno zu vermeiden. Boko Haram und der westafrikanische Ableger der Terrormiliz „Islamischer Staat“, Iswap, hatten zuletzt verstärkt Bauern, Holzarbeiter, Viehhalter und Fischer attackiert, weil diese angeblich als Informanten für die Armee arbeiteten.

          Nach Angaben des Milizenführers Babakura Kolo, dessen Miliz gegen Boko Haram kämpft, wurden die Opfer angegriffen und gefesselt, als sie auf Reisfeldern in dem Dorf Koschobe arbeiteten. Anschließend sei ihnen die Kehle durchgeschnitten worden. Die Attacke sei „ohne Zweifel“ von Kämpfern der Boko-Haram-Miliz verübt worden“, sagte Kolo am Samstag. Die Islamisten hatten im Oktober bei zwei Angriffen nahe Maiduguri insgesamt 22 Landarbeiter getötet.

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          Boko Haram terrorisiert seit mehr als zehn Jahren die Bevölkerung in Borno sowie in den angrenzenden Ländern. Wegen der Gewalt durch bewaffnete Gruppen sind im Nordosten Nigerias sowie den angrenzenden Ländern laut des UN-Flüchtlingshilfswerks mindestens 2,4 Millionen Menschen auf der Flucht.

          Iswap hatte sich 2016 von der Miliz Boko Haram abgespalten, die bereits seit 2009 gewaltsam für einen islamistischen Staat im Nordosten Nigerias kämpft. Durch die Angriffe der Milizen und ihre Kämpfe mit der Armee wurden in den vergangenen Jahren rund 36.000 Menschen getötet, zwei Millionen weitere ergriffen die Flucht.

          Korrektur

          In einer ersten Version des Textes hieß es, 110 Menschen seien tot. Diese Zahl hat die Vereinten Nationen (UN) mittlerweile korrigiert.

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