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Afghanistan : Viele Tote bei Anschlag in Kabuler Moschee befürchtet

  • Aktualisiert am

Taliban-Kämpfer feiern am 15. August 2022 die Einnahme Kabuls vor einem Jahr. Bild: AP

Mindestens 20 Menschen sollen durch eine Explosion in einer Kabuler Moschee ums Leben gekommen sein. Die Taliban haben einen ihrer Geheimdienstchefs erschossen.

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          Nach einer Explosion in einer Moschee in Kabul am Mittwochabend werden zahlreiche Todesopfer befürchtet. Der Vorfall ereignete sich im Norden der afghanischen Hauptstadt während des Abendgebetes, wie der Polizeisprecher Khalid Zadran bestätigte. Demnach gibt es noch keine offiziellen Todeszahlen. „Sicherheitskräfte sind auf dem Weg und der Vorfall wird untersucht“, sagte Zadran.

          Andere Quellen berichten von mindestens 20 Toten und 40 weiteren Verletzten. Unter den Todesopfern soll auch der Imam der Moschee sein. Bestätigt ist aber noch keine dieser Angaben. Bisher hat sich noch niemand zu dem Vorfall bekannt. Seitdem die Taliban im August 2021 wieder an der Macht sind, gehen die meisten Anschläge vom Islamischen Staat (IS) aus.

          Mawlawi Mahdi erschossen

          Derweil haben die Taliban einen ihrer früheren Anführer getötet. Mawlawi Mahdi sei auf der Flucht in der Nähe der Grenze zum Iran erschossen worden, teilte das Verteidigungsministerium in Kabul am Mittwoch mit. Mahdi war vor einigen Jahren zum ersten Taliban-Kommandeur geworden, der der schiitischen Minderheit der Hasara angehörte. Er galt als Beleg dafür, dass sich die radikal-islamischen Taliban gegenüber Minderheiten öffnen wollten.

          Die Taliban sind Sunniten und rekrutieren sich fast ausschließlich aus der Volksgruppe der Paschtunen. In jüngster Zeit versuchen die Taliban, Mitglieder anderer Volksgruppen und Schiiten in ihr Machtgefüge einzubeziehen. Die Hasara, deren Siedlungsgebiet hauptsächlich das zentrale Gebirge in Afghanistan ist, sind die größte schiitische Volksgruppe des Landes.

          Nachdem die Taliban im vergangenen Jahr eine Regierung gebildet hatten, wurde Mahdi Geheimdienstchef in einer zentralen Provinz. Das Verteidigungsministerium bezeichnete ihn nun jedoch als Rebellen-Chef in einem Bezirk in der nördlichen Provinz Sar-e-Pol. Ein Taliban-Vertreter sagte, Mahdi habe sich gegen die Führung der Taliban aufgelehnt.

          Immer noch warten Ortskräfte auf Aufnahme in Deutschland

          Ein Jahr nach dem Fall von Kabul hoffen zudem noch mehrere Hundert frühere afghanische Ortskräfte und deren Angehörige auf Aufnahme in Deutschland. Die meisten von ihnen haben einst für die Bundeswehr gearbeitet, wie nun Anfragen bei Auswärtigem Amt, Entwicklungshilfeministerium, Innenministerium und Bundeswehr zeigen.

          Das Einsatzführungskommando der Bundeswehr geht davon aus, dass sich etwa 350 ehemalige Ortskräfte der Bundeswehr mit Anspruch auf Einreise nach Deutschland noch in Afghanistan oder Nachbarstaaten befinden. Zu 180 von ihnen gebe es keine Verbindung, sagte ein Sprecher. 120 frühere Mitarbeiter sowie 580 Angehörige seien noch in Afghanistan, hinzu kämen knapp 30 frühere Ortskräfte mit rund 140 Angehörigen, die auf dem Weg nach Deutschland seien. 20 Ortskräfte hielten sich bekanntermaßen in sicheren Drittländern auf. Mehr als 700 ehemalige Mitarbeiter der Bundeswehr, inklusive deren Angehörigen, dürften aktuell noch in Afghanistan sein.

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