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Hohe Infektionszahlen : Kroatiens Angst vor einem kurzen Sommer

Touristen Ende Juni im kroatischen Bol Bild: Getty

Bislang war die Tourismus-Saison in dem EU-Staat ziemlich gut. Aber nun schnellen die Infektionszahlen an der Adria wieder hoch.

          2 Min.

          Kroatien, dessen Wirtschaft stärker als die aller anderen EU-Staaten vom Tourismus abhängt, bangt um den Fortgang des Sommergeschäfts. Dem Land stehe eine „Schlacht zur Rettung der Saison“ bevor, titelte die Zeitung Jutarnji List am Wochenende. Der Tourismussektor des Landes ist alarmiert, seit das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) am vergangenen Donnerstag den vormals grünen Corona-Status von Kroatiens Küstengebieten auf Orange umstufte.

          Michael Martens
          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Die Daten des ECDC, die jeweils das Geschehen der zwei Vorwochen abbilden, sind eine Warnung. Im Gastgewerbe geht die Furcht um, der Status Rot werde bald folgen. Das gefährdet die Erfolge einer bisher leidlich guten Saison. Bisher hatte Kroatien etwa 75 Prozent der Touristenzahlen des letzten vorpandemischen Sommers von 2019 erreicht.

          Innenminister: Präventionsvorgaben ernst nehmen

          Die Grundstimmung war optimistisch, da die Infektionszahlen bis vor Kurzem niedrig waren. Auf den neuen Ernst der Lage weist der Umstand hin, dass die Inzidenzwerte derzeit höher sind als im Vergleichszeitraum von 2020. So sind laut nationaler Gesundheitsbehörde in den ersten 16 Tagen des Monats Juli 2020 gut 1200 Neuinfektionen registriert worden, heuer 1586. Innenminister Davor Božinović mahnte, die Präventionsvorgaben der Behörde ernst zu nehmen, sie seien schließlich kein Selbstzweck. Es gehe darum, einen Kontrollverlust zu verhindern.

          In Kroatien ist die Impfbereitschaft gering. Nur 46 Prozent der Bevölkerung haben bisher wenigstens eine Dosis erhalten. Längst übersteigt der Impfstoffvorrat die Nachfrage. Fast 400.000 Dosen wurden bereits an andere Staaten verschenkt, 240.000 davon an Bosnien-Hercegovina. Die Regierung hat zudem beschlossen, dass sich fortan auch Nichtversicherte sowie Ausländer kostenlos impfen lassen können.

          Tourismusministerin Nikolina Brnjac sagte, der neue Status Orange sei eine zusätzliche Warnung. Sie forderte alle Beschäftigten in der Tourismusbranche, aber auch die Reisenden selbst auf: „Seid vernünftig, lasst euch impfen und beachtet die epidemiologischen Maßnahmen.“ Brnjac fordert indes auch, das ECDC möge genauer auf Kroatien schauen und die kroatische Küste detaillierter bewerten. Unmut über die neue Einstufung kommt insbesondere aus Istrien, das deutlich niedrigere Inzidenzwerte hat als Dalmatien, was aber in der ECDC-Statistik nicht aufscheint, da Kroatiens Küste dort als Einheit erfasst wird.

          In Dalmatien haben einzelne Regionen unterdessen schärfere Maßnahmen zur Eindämmung des Virus angekündigt. Mato Franković, der Bürgermeister Dubrovniks, kündigte mit Verweis auf die hochschnellenden Infektionszahlen Sanktionen für Gastwirte an, die nicht auf die Einhaltung epidemiologischer Maßnahmen in ihren Lokalen achten. Im Alltag geht es freilich noch recht lax zu in Kroatien. In Lokalen fragt niemand nach Testergebnissen oder Impfbescheinigungen, die Maskenpflicht wird vielerorts äußerst lässig interpretiert. Oft fungieren Masken nur als lässig unter das Kinn geschobenes Accessoire.

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