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Veto gegen UN-Resolution : Russlands Interesse an Syrien

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Tartus, ist das strategische Codewort für das russische Interesse an Syrien: Bis vor kurzem ankert der einzige russische Flugzeugträger „Admiral Kuznetsov“ vor Syrien Bild: dpa

Russlands Veto gegen die UN-Resolution zu Syrien sollte niemanden überraschen. Es ist die Fortsetzung geopolitischer Überlegungen seit mehr als einem Jahrhundert: Russlands Syrien-Politik hat ihre Wurzeln in der Zarenzeit.

          Russlands imperiales Interesse an der syrischen Levanteküste steht in einer politischen Kontinuität, die bis in die Zarenzeit zurückreicht. Deshalb hat Moskaus riskante Unterstützung der Assad-Diktatur gegen den wachsenden Widerstand der internationalen Gemeinschaft langwirkende strategisch-geopolitische Gründe.

          Seit der Niederlage Ägyptens gegen Israel im Suezkrieg von 1956, dem Moskau tatenlos zusehen musste, weil die sowjetischen Streitkräfte, vom Sperrblock Türkei gehindert, keinen Zugang zum Mittelmeer und zum Nahen Osten hatten, versuchte die Sowjetunion neben Ägypten vor allem Syrien aufzurüsten und in beiden Ländern sichere militärische Stützpunkte zu gewinnen. Dabei ging es insbesondere um den Tiefwasserhafen Tartus, Ziel war eine dauerhafte Flottenpräsenz der Sowjetmarine im Mittelmeer. Tartus, dessen Hafen mit russischer Hilfe ausgebaut wird, ist das strategische Codewort für das russische Interesse an Syrien. Assad erklärte schon vor der aktuellen Krise, dass eine russische Flottenbasis auch für nuklear angetriebene Kriegsschiffe dort entstehen solle. Derzeit ankert der einzige russische Flugzeugträger „Admiral Kuznetsov“ auf der Rade von Tartus. Das russische Interesse an Syrien ist also alt.

          Im Ersten Weltkrieg forcierte die Regierung die imperiale Politik

          Die historische Fundierung liegt in der russischen Mittelmeer- und Orient-Politik seit der Zarenzeit Mitte des 19. Jahrhunderts. Diese offensive Politik, von Marx und Engels während des Krimkriegs in einer berühmten Schriftenreihe als „Russlands Drang nach Westen“ apostrophiert, wurde zunächst von Nikolaus I. gegen das Osmanische Reich begründet. Ziel war, die Kontrolle über die türkischen Meerengen für das Vordringen in das Mittelmeer zu gewinnen, dazu Syrien und Ägypten aus dem türkischen Imperium herauszulösen, um an der Levante eine russische Machtposition zu schaffen. Von dort sollte ein Weg nach Indien geöffnet werden.

          Diese Politik scheiterte am westlichen Widerstand zur Bewahrung des Osmanischen Reichs vom Krimkrieg bis zum Berliner Kongress von 1878. Vorangegangen war der siegreiche russische Türkenkrieg, der die Armee des Zaren bis vor Konstantinopel führte, aber nach einem anglo-französischen Flottenaufmarsch in den Meerengen Zar Alexander zwang, zurückzuweichen. Das im Diktatfrieden von San Stefano mit dem Sultan erreichte Ziel eines von Russland abhängigen Groß-Bulgarien mit russischen Militärstützpunkten an den Meerengen wurde damals zunächst aufgegeben.

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          Im Ersten Weltkrieg, nach den ersten großen Siegen der russischen Armee in Südosteuropa und Anatolien, forcierte die Regierung des Zaren Nikolaus II. diese Linie imperialer Politik: 1915 akzeptierten Großbritannien und Frankreich die russische Forderung nach dem souveränen Besitz Konstantinopels mit der Halbinsel Ismet und dem Marmarameer samt militärischer Kontrolle der Dardanellen und einer Insel in der Ägäis.

          Auch Lenin wollte der britischen Dominanz etwas entgegensetzen

          Nur der Abfall Sowjetrusslands von der Allianz mit den Westmächten nach der Revolution von 1917 (Sonderfrieden mit den Mittelmächten und dem Osmanischen Reich vom Frühjahr 1918) bewahrte London und Paris vor einer strategisch und machtpolitisch verheerenden Einlösung ihres Versprechens. Danach rückten die postosmanische Türkei Atatürks und Syrien unter französischem Völkerbunds-Mandat neben Iran und Afghanistan wieder in das Zentrum der russischen Orient-Politik.

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