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Verunglückte Kadettin : Was geschah an Bord der „Gorch Fock“?

Ist am Freitag im chilenischen Hafen Valparaiso eingelaufen: die Gorch Fock
          2 Min.

          Am Freitag ist die „Gorch Fock“ im chilenischen Hafen Valparaiso eingelaufen. Inzwischen laufen parallel vier verschiedene Untersuchungen des Geschehens im vergangenen November, als eine 25 Jahre alte Offiziersanwärterin durch einen Sturz aus der Takelage zu Tode gekommen ist. Ob diese Vielfalt zu einer Beruhigung der aufgeregten Debatte über die Vorkommnisse führt, bleibt abzuwarten.

          Stephan Löwenstein
          Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.

          In Valparaiso ging das Untersuchungsteam unter Leitung des Chefs des Marineamtes, Konteradmiral Horst-Dieter Kolletschke, von Bord, das von Verteidigungsminister zu Guttenberg (CSU) eingesetzt worden ist. Bei den Befragungen ging es vor allem um Spannungen zwischen der Stammbesatzung des Schiffes und dem Lehrgang von Offiziersanwärtern, der erst zwei Tage vor dem tödlichen Unfall im brasilianischen Hafen Bahia an Bord gekommen war. Über diese Spannungen hatte erstmals der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hellmut Königshaus (FDP), Ende Januar öffentlich berichtet, was wegen des Stichworts „Meuterei“ schnell breite Aufmerksamkeit erlangte.

          Stand der Ermittlungen noch nicht veröffentlicht

          Schon von Bord ist eine Gruppe, die der Wehrbeauftragte zur „Gorch Fock“ geschickt hatte. Was sie zu Papier gebracht hat, ist vorerst noch nicht bekannt geworden. Währenddessen macht in Kiel die Staatsanwaltschaft ihre Arbeit, die wegen des dortigen Heimathafens der Gorch Fock zuständig ist. Auch sie hat den Stand ihrer Ermittlungen noch nicht öffentlich mitgeteilt. Die Staatsanwaltschaft wird bei so schweren Unfällen auf Marineschiffen immer eingeschaltet.

          Ohne alten Kapitän : Gorch Fock auf dem Heimweg

          Viertens ist die Havariekommission der Marine tätig - wie immer bei einer technischen oder nautischen Havarie, oder wenn eine Person zu Schaden gekommen ist. Das Havarieverfahren ist langwierig, es schließt in so schweren Fällen eine Havarieverhandlung ein - samt Schiffsbegehung. Schon deswegen, so die Argumentation der Marine, hätte man nicht die Gorch Fock in Valparaiso einmotten und die Mannschaft zur schnellen Beendigung des Verfahrens nach Hause holen können, wie es die SPD verlangt hatte. Chef der Havariekommission ist Kapitän zur See Michael Brühn - der zur Zeit als Ersatz für den heimgeschickten Kommandanten des Schiffes die Gorch Fock befehligt.

          „Nicht borddienstverwendungsfähig“

          Ebenfalls aus der SPD waren schon Zweifel an dieser Entscheidung zu hören, ob das einer objektiven Wahrheitsfindung dienlich sei. Der Havariebeauftragte war schon kurz nach dem Unfall bei der Gorch Fock und hat danach einen ersten vorläufigen Text verfasst, mit dem er drängenden Nachfragen aus der Spitze des Ministeriums nachkam. Darin ist von verschiedenen Mängeln zum Unfallzeitpunkt die Rede, Positionen, die durch die Crew nicht besetzt waren, fehlenden Einweisungen der Ausbilder durch Vorgesetzte.

          Und dort findet sich auch die Angabe, die verunglückte Soldatin sei aufgrund ihres Körpergewichts in Relation zur Körpergröße „nicht borddienstverwendungsfähig“ gewesen. Allerdings beruht das auf dem vorläufigen Obduktionsbefund. Wieweit das Gewicht da von medizinischen Maßnahmen oder einer Präparierung des Leichnams vor der Überführung beeinflusst war, bleibt ungewiss.

          Marineinspekteur Axel Schimpf hat - wie es heißt, ohne einen solchen Bericht zu kennen - schon im Dezember veranlasst, dass künftig vor einem Einsatz auf der Gorch Fock eine eigene, zusätzliche Tauglichkeitsprüfung stattfinden soll. Getestet werden Kraft und Koordination; so muss sich ein Kandidat 30 Sekunden lang an einer Hand in der Luft halten können. Wer nicht besteht, soll aus dem Lehrgang genommen und erstmals einem Extratraining unterzogen werden.

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