https://www.faz.net/-gpf-yg1s

Verteidigungsminister de Maizière in Kabul : „Ich komme als Lernender“

Verteidigungsminister de Maizière zum Antrittsbesuch in Kabul Bild: dapd

Drei Wochen nach Amtsantritt ist Verteidigungsminister Thomas de Maizière nach Afghanistan gereist. Bei seinem Antrittsbesuch als Verteidigungsminister hebt er sich deutlich von seinem Vorgänger zu Guttenberg ab. De Maizière will andere Prioritäten setzen.

          Windstöße wirbeln weiße Blüten von den Bäumen und lassen auf einen Regen hoffen, der endlich den afghanischen Staub aus der Luft von Kabul waschen soll. Ein kleiner Pulk von deutschen Soldaten aus dem Hauptquartier der internationalen Isaf-Truppe hat sich zwischen den Bänken im „Destille Garten“ versammelt, wie aus kaum erfindlichem Grund das Gärtchen vor dem Betreuungsgebäude heißt. Thomas de Maizière steht hinter einem schnell aufgebauten Pult und sagt: „Ich komme hier als Lernender.“ Er wolle erfahren, was die afghanische Regierung, was die Offiziere im Stab ihm vortragen, „und was Sie mir sagen“.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent für Österreich und angrenzende Länder mit Sitz in Wien.

          Für de Maizière ist es der Antrittsbesuch als Verteidigungsminister im Einsatzland, aber sein erster Afghanistanbesuch ist es nicht. Vor einem Jahr war er als Bundesinnenminister schon einmal am Hindukusch, um die deutschen Polizisten zu besuchen, die hier afghanische Ordnungshüter auszubilden haben.

          Jetzt ist er zum zweiten Mal in Kabul. Dass er nicht nur die „Truppe“ besucht, sondern zunächst der afghanischen Regierung die Aufwartung macht, ist ein bewusstes Signal. Der Verteidigungsminister ist zwar der Inhaber der obersten Befehls- und Kommandogewalt in der Bundeswehr, aber seine Rolle ist eine politische, keine militärische. „Wir sind hier als Gast,“ sagt de Maizière, neben seinem afghanischen Amtskollegen vor dessen Dienstgebäude stehend.

          Er sei als Lernender gekommen...

          Der afghanische Verteidigungsminister, General Wardak, hat ihm vorher im Gespräch - dabei waren auch Bundestagsabgeordnete von Union, FDP und Linkspartei - versichert, wie hochgeschätzt die deutschen Soldaten seien, ehe er elegant das Gespräch auf die deutschen Leopard-Panzer bringt: Man solle sie doch nicht verschrotten, sondern lieber ihm, Wardak, geben. Da soll sich de Maizière bedeckt gehalten habe.

          De Maizière will andere Prioritäten als Guttenberg setzen

          Er habe sich entschlossen, häufiger nach Afghanistan zu kommen, sagt de Maizière zu den Soldaten im „Destille Garten“. „Wie oft, wird man sehen.“ Es gebe ja noch „die andere Baustelle“, gemeint ist die Reform der Bundeswehr. Viel deutlicher hätte de Maizière kaum sagen können, dass er die Prioritäten anders setzen will als sein Vorgänger.

          Dass der Vergleich zu Karl-Theodor zu Guttenberg gezogen wird, ist unweigerlich. Zu markant waren dessen Auftritte in sandfarbenen Kampfstiefeln und im Bundeswehr-T-Shirt, die Besuche an den Außenposten, an vorderster Front sozusagen. Auch wenn sich das bei Guttenberg in dessen kurzer Amtszeit auch erst entwickelt hatte, und obgleich auch Guttenberg dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai und Verteidigungsminister Wardak anfangs seine Aufwartung selbstverständlich im Anzug machte, scheint schon jetzt klar, dass de Maizière ein anderes, zivileres Bild abgeben möchte.

          Auch ist nicht zu erwarten, dass der jetzige Amtsinhaber die Frequenz seines Vorgängers nachahmen möchte. Guttenberg hatte das selbstgesteckte Ziel, alle zwei Monate nach Afghanistan zu fliegen, sogar noch übertroffen. De Maizières Intervalle dürften eher dem Rhythmus der Kontingentwechsel alle vier Monate ähneln.

          Amerikaner unter deutschem Kommando: „Das funktioniert sehr gut“

          In Kabul wurde er zunächst von Präsident Hamid Karsai empfangen, nach dem Gespräch mit Wardak kam noch eine Unterredung mit dem Oberbefehlshaber der Isaf, dem amerikanischen General David Petraeus. Seine Themen bei Präsident Karsai waren das Zusammenwirken der deutschen und afghanischen Soldaten im sogenannten Partnering, der Stand der Ausbildung der afghanischen Armee und der Versöhnungsprozess mit Taliban und anderen Aufständischen. Außerdem ging es um die Konferenz zur Zukunft des Landes, die gegen Ende dieses Jahres in Bonn stattfinden soll - dort, wo mit der sogenannten Petersberg-Konferenz zehn Jahre zuvor das internationale Engagement zum Aufbau Afghanistans begonnen hatte.

          Nach dem Gespräch mit Petraeus stellten beide, vor dem Stabsgebäude stehend, heraus, dass im Norden Afghanistans amerikanische Soldaten ohne Vorbehalt unter dem Kommando eines deutschen Generals eingesetzt seien. Es werde ihm auch von den Deutschen versichert, „dass das sehr gut funktioniert,“ sagte de Maizière. Da war der amerikanische General aber schon entschwunden. Eine Delegation des amerikanischen Kongresses wartete.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der türkische Präsident Erdogan am Montag in Istanbul während einer Rede anlässlich des dritten Jahrestages des gescheiterten Putschversuches

          Gasbohrungen vor Zypern : „Erdogan fährt eine Kamikaze-Politik“

          Die EU-Außenminister haben Sanktionen gegen die Türkei erlassen, weil sie vor der Küste von Zypern nach Gas bohrt. Ökonomieprofessor Erdal Yalcin spricht im F.A.Z.-Interview über die Abhängigkeit Ankaras und den Rückhalt für Erdogan.
          Die CDU-Politikerin Ursula von der Leyen am Dienstag in Straßburg

          Liveblog zu Wahl in Straßburg : Von den Liberalen kommen positive Signale

          Fünf-Sterne-Bewegung deutet Zustimmung an +++ Liberaler Federley findet lobende Worte für von der Leyens Rede +++ Von der Leyen spricht über Klimakrise, Migration und Gleichberechtigung +++ Wahl am Abend gegen 18 Uhr +++ Verfolgen Sie alle Entwicklungen im Liveblog.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.