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Verstorbener Student  : „Nordkorea hat Warmbier ermordet“

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Am Ende wurde aus dem Fall Otto Warmbier eine Tragödie: Der Student bei seinem Schauprozess in Pjöngjang im März 2016 Bild: AFP

Nach dem Tod des Studenten Otto Warmbier machen amerikanische Politiker das Regime in Nordkorea verantwortlich. Amerika könne den „Mord an seinen Bürgern“ nicht länger hinnehmen, sagte Senator McCain.

          Nach dem Tod des amerikanischen Studenten Otto Warmbier erheben amerikanische Politiker schwere Vorwürfe gegenüber Nordkorea. „Otto Warmbier, ein amerikanischer Staatsbürger, wurde vom Regime von Kim Jong-un ermordet“, erklärte der republikanische Senator John McCain aus Arizona. „Im letzten Jahr seines Lebens hat er den Alptraum erlebt, in dem das nordkoreanische Volk schon seit 70 Jahren gefangen ist: Zwangsarbeit, Hunger, systematische Grausamkeit, Folter und Mord.“

          Nordkorea bedrohe seine Nachbarn, destabilisiere die asiatische Pazifik-Region und entwickle mit großer Geschwindigkeit Technologien, um die Vereinigten Staaten mit Nuklearwaffen zu treffen, so McCain weiter. Jetzt eskaliere die Lage noch, weil Nordkorea Amerikaner brutal behandle, darunter auch drei weitere, die derzeit noch in Nordkorea im Gefängnis säßen. „Die Vereinigten Staaten können und dürfen den Mord an seinen Bürgern durch feindliche Mächte nicht länger tolerieren“, erklärte McCain nach Angaben der „Washington Post“.

          Auch der demokratische Senator Benjamin L. Cardin macht Nordkorea direkt für Warmbiers Tod verantwortlich. „Otto ist tot wegen Kim Jong-uns repressiven, mörderischen Regimes“, erklärte Cardin nach Angaben der „Washington Post“ und fügte hinzu, Nordkorea müsse müsse „für sein fortgesetztes barbarisches Verhalten verantwortlich gemacht werden“. Auch der republikanische Senator Marco Rubio aus Florida erklärte, das Regime in Pjöngjang müsse für den „Mord“ an Warmbier verantwortlich gemacht werden.

          Reisesperre nach Nordkorea?

          Auch der amerikanische Außenminister Rex Tillerson erhebt schwere Vorwürfe gegenüber Nordkorea. „Wir machen Nordkorea für Otto Warmbiers ungerechte Inhaftierung verantwortlich und fordern die Freilassung der drei anderen Amerikaner, die illegal festgehalten werden“, erklärte Tillerson am Montag.

          Nach Angaben der „Washington Post“ bringt Tillerson auch einen präsidentiellen Erlass einer Reisesperre für Nordkorea ins Gespräch. „Wir prüfen derzeit, ob wir die Visabestimmungen für Nordkorea beschränken sollen“, zitiert die Zeitung einen Mitarbeiter Tillersons. „Wir sind noch nicht zu einer Entscheidung gekommen, aber wir denken darüber nach.“

          Will den „Mord“ an amerikanischen Staatsbürgern nicht länger hinnehmen: der republikanische Senator aus Arizona John McCain

          Der 22 Jahre alte Student Warmbier war vor einer Woche im Wachkoma liegend in die Vereinigten Staaten zurückgebracht worden. Er war im Januar 2016 in Nordkorea festgenommen und im März zu 15 Jahren Straflager verurteilt worden. Die kommunistische Führung in Pjöngjang warf ihm Straftaten gegen den nordkoreanischen Staat vor.

          Südkorea fordert Freilassung von Gefangenen

          Südkorea forderte als Reaktion auf Warmbiers Tod unterdessen die Freilassung aller im Nachbarland Nordkorea festgehaltenen Landsleute und Amerikaner. „Nordkorea hält weiter Südkoreaner und US-Bürger fest, es muss sie rasch an ihre Familien zurückgeben“, hieß es in einer Erklärung des Büros von Präsident Moon Jae In am Dienstag. Moon warf der international isolierten Führung in Pjöngjang in einem Interview vor, die Menschenrechte nicht zu achten.

          Es sei „bedauerlich, dass Nordkorea die Menschenrechte nicht respektiert, bei denen es sich um universale Normen und Werte handelt“, wurde Moon von seinem Büro zitiert. Das Interview mit einem ausländischen Medium sei noch nicht veröffentlicht worden. Seoul geht davon aus, dass Nordkorea zudem mindestens sechs südkoreanische Staatsbürger wegen unterschiedlicher Vorwürfe festhält.

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