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Chinesischer Corona-Arzt : „Wenn man auf Sie gehört hätte, wäre all das nicht passiert“

Menschen legen vor einem Bild des verstorbenen Arztes Li Wenliang im Februar 2020 in Hongkong Blumen nieder. Bild: dpa

Der verstorbene Arzt Li Wenliang ist ein Symbol der anfänglichen Vertuschung des Coronavirus in China. Seine Seite im Netzwerk Weibo ist zur virtuellen Pilgerstätte geworden. Warum zensiert der Staat kaum?

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          „Ich war eine Weile nicht hier, Doktor Li“, schreibt ein Internetnutzer. „Heute melde ich mich mit einer schlechten Nachricht. Mein Großvater ist heute Nachmittag dorthin gegangen, wo Sie sind. Falls Sie ihn treffen, passen Sie bitte auf ihn auf. Und sagen Sie ihm, er soll uns in unseren Träumen besuchen.“ Hier – das ist eine Internetseite im chinesischen Netzwerk Weibo. Dort – das ist das Reich der Toten. Das Weibo-Konto gehörte Li Wenliang, jenem Wuhaner Augenarzt, der vor einem Jahr als einer der Ersten vor dem neuartigen Coronavirus gewarnt hatte und dafür von der Polizei und von seinem Arbeitgeber abgemahnt wurde. Li Wenliang starb später an den Folgen von Covid-19.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.

          Seine Weibo-Seite ist zu einer virtuellen Pilgerstätte geworden. Manche nennen sie eine „Klagemauer“. Noch immer hinterlassen jeden Tag Hunderte bis Tausende in den Kommentarspalten neue Botschaften, politische und private. Manche sagen nur „Guten Morgen“ oder „Gute Nacht“. Andere berichten über Liebeskummer, bestandene Prüfungen, Ärger mit dem Chef oder Selbstmordgedanken. Ein Medizinstudent namens Liu schreibt: „Guten Abend, Doktor Li. Heute ist der 32. Tag meines Medizinstudiums. Ich werde mein Bestes tun, so zu werden wie Sie und Menschen zu helfen.“ Er besucht die Seite jeden Tag.

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