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Verschwundene Datenträger : Furcht vor Betrugswelle in Großbritannien

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Die Regierung in London ist massiv unter Druck geraten, nachdem der Steuerbehörde zwei CDs mit persönlichen Daten von 25 Millionen Briten verloren gegangen sind. Schatzkanzler Alistair Darling spricht von einer „sehr, sehr schlimmen Situation.“

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          Die Regierung in London ist massiv unter Druck geraten, nachdem der Steuerbehörde zwei CDs mit persönlichen Daten von 25 Millionen Briten verloren gegangen sind.

          Schatzkanzler Alistair Darling sagte am Mittwoch, es bestehe kein Risiko, dass die CDs mit Informationen über Kindergeldempfänger in „falsche Hände“ gefallen seien. Es gebe bisher keine Anzeichen für einen kriminellen Hintergrund. Banken riefen die Kunden jedoch auf, ihre Kontobewegungen genau zu prüfen. Die Datenträger beinhalten persönliche Informationen wie Namen, Bankdetails, Adressen und Sozialversicherungsnummern von fast der Hälfte der britischen Bevölkerung.

          „Eine sehr, sehr schlimme Situation“

          Sie waren bereits im Oktober spurlos verschwunden, als ein Angestellter der Steuerbehörde die CDs per Post von Washington, einem Ort in Nordostengland, nach London versandte. Darling entschuldigte sich für die Panne, Ermittlungen seien eingeleitet worden. „Das ist in der Tat eine sehr, sehr schlimme Situation.“

          Die Opposition sagte, Darlings Posten stehe „auf dem Spiel“. „Ist er der richtige Mann für den Job als Schatzkanzler?“, fragte Schattenkanzler George Osborne. Die Regierung habe in ihrer „obersten Pflicht versagt“, die Bürger zu schützen. Darling lehnte seinen Rücktritt aber ab. Premierminister Brown stand Darling bei und äußerte „ernstes Bedauern“ für die „Unannehmlichkeiten“. Darling, ein enger Freund von Brown, steht bereits wegen der Krise der Hypothekenbank Northern Rock massiv unter Druck. Medien sprachen von Darlings „Black Tuesday“ (Schwarzen Dienstag).

          Ein ähnlicher Vorfall im Frühjahr

          Darling gestand am Mittwoch, es habe „sehr, sehr ernste Verstöße“ gegen Vorschriften zum Umgang mit Personendaten gegeben. Die Datenträger seien von „einem jüngeren Mitarbeiter“ in der Steuerbehörde anweisungswidrig kopiert und mit einem privaten Kurierdienst an den Nationalen Rechnungshof geschickt worden. Ein ähnlicher Vorfall hatte sich im Frühjahr ereignet; damals waren die Datenträger aber zurückgesandt worden. Im September verschwanden wiederum die Daten von 15.000 Briten, die auf einem Computer-Laptop gespeichert waren, der aus dem Auto eines Finanzbeamten entwendet wurde. Im jüngsten Fall kamen die Datenträger nicht beim Rechnungshof an.

          Nach dreiwöchiger interner Suche informierte der Chef der Steuerbehörde vor einer Woche seinen Minister und dieser den Premierminister. Darling holte die Polizei in die Steuerverwaltung und ließ bei den größten Geschäftsbanken Erkundigungen einziehen, ob es eine Häufung ungewöhnlicher Abbuchungen auf Privatkonten gebe. Überdies nahm der Finanzminister den Rücktritt des Chefs der Steuerbehörde an. Der Präsident des Rechnungshofes hatte zuvor aus anderen Gründen schon seinen Rücktritt erklärt - ihm wurden außergewöhnlich hohe Spesenabrechnungen zum Verhängnis.

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