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Verschlüsselte Smartphones : Saudi-Arabien sperrt „Blackberry“-Dienste

  • -Aktualisiert am

Kein Anschluss mit diesem Smartphone: In Saudi-Arabien wurden Dienste von „Blackberry” blockiert Bild: AP

Im Streit um die verschlüsselte Übertragung von Daten über Smartphones der kanadischen Marke „Blackberry“ hat der Golf-Staat seine Ankündigung wahr gemacht und als erstes Land der Welt Dienste des Telefons abgeschaltet.

          Der Streit um die Sicherheitsstandards bei der Datenübertragung des kanadischen Herstellers von sogenannten Smartphones der Marke „Blackberry“, Research In Motion (RIM), wird zum Politikum. Am Freitag hat Saudi-Arabien wegen des Streits als erstes Land eine Funktion des Telefons abgeschaltet. Wie mehrere „Blackberry“-Nutzer Nachrichtenagenturen gegenüber bestätigten, konnten sie den Messenger-Dienst des vor allem bei Geschäftsleuten beliebten Handys nicht mehr nutzen.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Bei „Blackberrys“ laufen die Daten anders als bei anderen Herstellern verschlüsselt über eigene Server in Kanada und Großbritannien, was die Nutzerüberwachung erschwert. Die Aufsichtsbehörde für Telekommunikation in Saudi-Arabien hatte zu Wochenbeginn angekündigt, dass der Messenger-Dienst der „Blackberrys“ am Freitag abgeschaltet werde. Zur Begründung hieß es, die auf den rund 700.000 „Blackberrys“ im Land angebotenen Dienste entsprächen nicht den nationalen Bestimmungen.

          Auch der Libanon und Indien erwägen eine Sperrung

          Smartphones unterscheiden sich von herkömmlichen Telefonen dadurch, dass sie Internet-Dienste anbieten. Dabei verschlüsselt RIM die Dienste Experten zufolge besser als andere Smartphone-Hersteller und versendet die Daten zudem über eigene Server. Dadurch ist die Kommunikation der RIM-Geräte schwerer zu überwachen. Außer Saudi-Arabien haben auch die Vereinigten Arabischen Emirate angekündigt, die Internet-basierten Funktionen der rund 500.000 „Blackberrys“ im Land im Oktober wegen „Sicherheitsproblemen“ zu sperren. Auch im Libanon und Indien erwägen die Regierungen ein Verbot der „Blackberry“-Dienste.

          Die Regierungen in Washington und Ottawa setzen sich gegen die Sperrungen ein. Die amerikanische Außenministerin Clinton kündigte Gespräche mit den Vereinigten Arabischen Emiraten an: „Wir wissen, dass es berechtigte Sicherheitsbedenken gibt“, sagte sie. Zugleich gebe es bei der Nutzung der Telefone ein berechtigtes Interesse an „freier Nutzung und freiem Zugang“. Kanadas Handelsminister Peter Van Loan sagte, durch die Verbote drohten „weitreichende Folgen“ für den freien Datenverkehr. Kanada werde die Interessen von RIM und „Blackberry“ verteidigen.

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