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Verschleppte Urlauber : Sudan will schnelles Ende: Entführer eingekreist

  • Aktualisiert am

Bild: afp

Die sudanesische Regierung hat nach eigenen Angaben zusätzliche Sicherheitskräfte in die Grenzregion zu Ägypten entsandt und dort die Entführer und ihre Geiseln eingekreist. Besonders mit Blick auf den Darfur-Konflikt käme Khartum ein baldiges Ende der jüngsten Entführung nicht ungelegen.

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          Die sudanesische Regierung hat nach eigenen Angaben zusätzliche Sicherheitskräfte in die Grenzregion zu Ägypten entsandt und dort die Entführer und ihre Geiseln eingekreist. Man wolle auf diese Weise auch verhindern, dass sie die Entführten - unter ihnen fünf Deutsche - in die westsudanesische Krisenregion Darfur bringen, sagte ein Sprecher des sudanesischen Außenministeriums, ohne jedoch eine Verbindung zu den dortigen Rebellen herzustellen.

          Zuvor hatte das Ministerium mitgeteilt, alle Entführer seien Ägypter. Die Zeitung „Al Sharq al Awsat“ meldete unter Berufung auf ägyptische Sicherheitskreise, es handele sich um vier Sudanesen und einen Tschader. Zudem wurden lokale Führer zitiert, nach deren Angaben in den vergangenen Monaten in der Region häufiger bewaffnete Tschader aufgetaucht seien, die Fahrzeuge geraubt hätten.

          Weiterer Deutscher schon im Februar entführt

          Ein deutscher Reisender berichtete am Mittwoch in der Zeitung „Tagesspiegel“, dass er im Februar in der ägyptischen Grenzregion, in der jetzt auch die Touristen verschwanden, zehn Tage in der Gewalt von Angehörigen von Rebellen der Sudan Liberation Army (SLA) aus Darfur gewesen und von ihnen ausgeraubt worden sei. Er habe geschwiegen, weil er eine Verzögerung seiner Reise wegen Befragungen durch die Sicherheitskräfte befürchtet habe, schrieb die Zeitung.

          SLA-Anhänger waren auch der Flugzeugentführung Ende August in Sudan bezichtigt worden, was ihre Gruppe aber bestritt. Damals wollten die Entführer in Nyala ein Verkehrsflugzeug zwingen, sie nach Paris zu fliegen, wo der SLA-Führer im Exil lebt.

          Khartum zeigt sich konstruktiv

          Besonders mit Blick auf den Darfur-Konflikt käme der sudanesischen Regierung eine erfolgreiche Beendigung der jüngsten Entführung nicht ungelegen. Seit der Ankläger des Internationalen Strafgerichtshofs wegen Verbrechen in Darfur einen Haftbefehl gegen Staatspräsident Baschir beantragt hat, versucht das Regime in Khartum, sich konstruktiv zu geben und zu zeigen, dass auf Baschir nicht verzichtet werden kann.

          Der Norden Sudans, wo sich die Entführer aufhalten sollen, ist die Machtbasis des muslimischen Nordens; auch Baschir stammt von dort. Die drohende Anklage gegen Baschir, die besonders Afrikanische Union und Arabische Liga gerade bei den UN zu verhindern versuchen, hat auch zu einer Wiederannäherung zwischen Khartum und Kairo geführt, deren Beziehungen lange Zeit frostig waren. Ägypten, das jetzt Sicherheitsfachleute nach Sudan entsandte, hat gegen eine Anklage Baschirs protestiert.

          Umstrittene Grenzen

          Die Grenzen zwischen beiden Ländern sowie Libyen wurden einst nicht entlang natürlicher Hindernisse oder Landmarken gezogen, sondern sind während der Entkolonialisierung durch Großbritannien, Frankreich und Italien mit dem Lineal entstanden. Aber schon vor der Beginn der Kolonialherrschaft waren die Grenzen zwischen den einheimischen Herrschern stets umstritten, umkämpft und sozusagen beweglich. Seit Jahrhunderten war es üblich, dass Nomaden sie überschritten.

          Im jüngsten Entführungsfall wird spekuliert, dass die Entführer Angehörige des in der Region beheimateten Volkes der Tibbu sein könnten, was auch eine Erklärung für Meldungen wäre, wonach Tschader beteiligt seien.

          Denn die meisten Tibbu leben eigentlich im Norden Tschads, teilweise sesshaft geworden, teilweise noch als Nomaden. Zentrum des Siedlungsgebiets sind das Tibesti-Gebirge in der zentralen Sahara und seine Umgebung. Die zu den hamitischen Völkern der Sahara gehörenden Tibbu haben wie der Rest der Bevölkerung unter der schlechten ökonomischen Verfassung Tschads unter Präsident Déby zu leiden; das könnte auch kriminelle Aktivität erklären. In Deutschland wurden die Tibbu 1869 bekannt durch den Reisebericht des Afrikaforschers Gustav Nachtigal, der im Auftrag des Königs von Preußen die Sahara durchquerte.

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